Nouvelair hat ihr Angebot im vergangenen Jahr von Tunesien nach Deutschland ausgebaut. Die Zahl der Passagier stieg um 45 Prozent auf knapp 437.000. Insgesamt beförderte die Airline 2024 mehr als 2,4 Millionen Passagiere.
Im Gespräch mit airliners.de unterstrich Nouvelair-CEO Chokri Zarrad den Stellenwert des deutschen Marktes. "Wir haben etwa 15 Märkte, aber der deutsche Markt ist nach dem französischen Markt der zweitgrößte."
Zarrad geht davon aus, dass es auch in den kommenden Jahren noch Wachstumspotenzial gibt, da der Touristenstrom nach Tunesien zunehme.
Ein starker Wachstumstreiber in Deutschland ist das im Mai 2023 etablierte Angebot von insgesamt aktuell 14 Linienflügen pro Woche in die Hauptstadt Tunis, das ganzjährig von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München angeboten wird und das etablierte Ferienfluggeschäft ergänzt.
Düsseldorf ist dabei für Nouvelair von besonderer Bedeutung. "Von dort aus gibt es Verbindungen zu weiteren Städten in Deutschland und den Niederlanden, von denen es keine direkten Verbindungen mehr nach Tunesien gibt", sagte Zarrad. "Darüber hinaus gibt es ethnische Verkehre, da hier viele Tunesier arbeiten oder studieren."
Hamburg und Wien könnten mehr Nouvelair sehen
Neben den vier Ganzjahreszielen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München finden sich weitere Ziele wie Hannover, Leipzig/Halle und Stuttgart saisonal im Flugplan – Ziele wie Hamburg und Nürnberg dafür jedoch gar nicht mehr.
"Hamburg war ein Versuch, den wir 2024 mit zwei Touren à zweiwöchentlichen Flügen unternommen haben", sagte Zarrad. "Das Einzelplatzgeschäft aus der Region Hamburg heraus war nicht so ergiebig, weshalb wir die Strecke in diesem Jahr nicht anbieten. Wir werden aber vielleicht 2026 wieder nach Hamburg zurückkehren."
In Nürnberg war die Airline für einen Reiseveranstalter unterwegs, der die Tunesien-Verbindung aber in diesem Jahr nicht neu aufgelegt hat, wie es heißt.
Auch für Österreich gibt es bei Nouvelair noch mehr Potenzial. "Von Österreich aus fliegen wir saisonal von Wien und sogar von Salzburg aus nach Tunesien", so Zarrad. "Wir prüfen die Möglichkeit, eine ganzjährige Verbindung zwischen Wien und Tunis bis zu dreimal pro Woche einzuführen."
"Von der Schweiz aus fliegen wir von Basel nach Djerba und das ganze Jahr über nach Tunis. Und wir fliegen auch von Genf nach Tunis, das ganze Jahr über als Linienflüge." Hier sind vorerst keine Anpassungen zu erwarten.
Nouvelair setzt auf interne Lösungen
"Tunisair ist die nationale Fluggesellschaft, die mehr als doppelt so alt ist wie wir", erklärte Zarrad. Nouvelair ist da deutlich jünger – die Fluggesellschaft wurde 1989 gegründet.
Chokri Zarrad. © Nouvelair
Zarrad zeigt sich im Gespräch sichtlich stolz über die Errungenschaften der Airline abseits des üblichen Flugbetriebs: "Wir haben unsere eigene MRO, die seit mehr als 23 Jahren EASA-zertifiziert ist. Wir haben auch unsere eigene Abfertigungsgesellschaft für die drei Flughäfen, die wir in Tunesien anfliegen. Wir sind auch der größte Anteilseigner eines Flugsimulators für Piloten, der mit zwei A320-Simulatoren ausgestattet ist."
Der Nouvelair-Chef sieht seine Nouvelair damit gut für die Zukunft aufgestellt.
Der Airbus A320 Neo soll dabei die Flotte der Zukunft von Nouvelair maßgeblich gestalten. "Zwei A320 Neo sind bereits seit Ende 2024 in Betrieb und für zwölf Jahre geleast", fügte er hinzu.
Bei neuen Flugzeugen verweist Zarrad auf die Lieferprobleme der großen Flugzeugbauer. "Die einzigen Flugzeuge, die jetzt verfügbar sind, sind die Großaufträge, die die Leasinggeber erteilt haben."
Zudem habe Nouvelair eine feste Zusage für einen Kaufvertrag mit Airbus über fünf A320 Neo unterzeichnet. "Vielleicht werden es dann einige A320 Neo und einige A321 Neo sein. Die Auslieferungen sind für 2030, 2031 und 2032 geplant – es besteht aber die Möglichkeit, dass Airbus bestimmte Lieferungen auf 2029 vorzieht."
"Bis 2030 wollen wir um die 25 Flugzeuge der A320-Familie betreiben", hieß es vom Chef von Nouvelair.
Nouvelair betreibt aktuell über 13 A320 sowie zwei A320 Neo. Zwei weitere sind im Zulauf, einer davon gesichert in 2026. Bis 2030/2031 will die Airline insgesamt 15 A320 Neo im Einsatz haben.