Sprengstoff-Drohne Leipzig/Halle, lückenhafte Drohnenabwehr, Überwachungsvideo zu Antonow-Angriff, © DPA/Hendrik Schmidt
Eine ukrainische Antonov parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. : Das Heck einer Antonov ist hinter einem Stacheldrahtzaun auf dem Flughafengelände zu sehen. Der Bildausschnitt ist nah und zeigt den Zaun im Vordergrund sowie blauen Himmel mit leichter Bewölkung. © DPA / Hendrik Schmidt
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Jour fixe auf airliners.de: Alle vier Wochen freitags präsentieren wir die aktuelle Übersicht der wichtigsten Meldungen des Monats zu den Themen Flugsicherung und Drohnen.

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Liebe Leserinnen und Leser,

im Bereich Flugsicherung und Drohnen stand ganz im Zeichen eines gravierenden Sicherheitsvorfalls mit Folgen für Politik, Behörden und Flughafenbetreiber. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen. Das sind unsere Top-Themen:

  • Was der Sprengstoff-Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle über die aktuelle Bedrohungslage an kritischer Infrastruktur zeigt
  • Warum die Drohnenabwehr an deutschen Flughäfen trotz politischer Zusagen noch immer lückenhaft ist
  • Welche neuen Erkenntnisse ein Überwachungsvideo zu dem mutmaßlich gezielten Angriff auf eine ukrainische Antonow liefert

Zudem geht es um die erheblichen betrieblichen Auswirkungen für das DHL-Frachtdrehkreuz in Leipzig, um den provisorischen Radar-Wachposten der Bundespolizei am Flughafen sowie um die Forderung der Branche, Anti-Drohnen-Systeme an weiteren deutschen Airports deutlich schneller in Betrieb zu nehmen.

Kommen Sie gut durch die restliche Woche!

Redakteur: Alexander Fink Herzliche Grüße
Alexander Fink
Redakteur airliners.de


NATO bestätigt Sprengsatz an Drohne am Flughafen Leipzig/Halle

Nach dem nächtlichen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle hat das sächsische Landeskriminalamt eine Sprengvorrichtung an Bord bestätigt. Ermittler schließen einen politischen Hintergrund nicht aus, Sachsens Innenminister Armin Schuster spricht von einem sehr ernsten Sicherheitsvorfall.

(dpa, AFP, Reuters, dts Nachrichtenagentur, ADV) Nach der nächtlichen Störung des Flugbetriebs am Flughafen Leipzig/Halle hat das sächsische Landeskriminalamt (LKA) offiziell eine Sprengvorrichtung an der entdeckten Drohne bestätigt. Spezialisten der Bundespolizei entfernten den Zünder der noch unbekannten Sprengvorrichtung, wie das LKA mitteilte. Ein Sprecher der NATO bestätigte der Nachrichtenagentur "DPA" zudem, dass die Drohne in der Nähe eines ukrainischen Flugzeugs gesichtet worden sei.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das im LKA angesiedelte Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) haben die Ermittlungen übernommen. Die Behörden schließen eine politische Motivation nicht aus. Der Flughafen gehöre zum Bereich der kritischen Infrastruktur, hieß es.

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem "sehr ernsten Sicherheitsvorfall". "Deshalb ermitteln Landes- und Bundessicherheitsbehörden seit heute Nacht unter Hochdruck Hand in Hand", erklärte Schuster in Dresden. Beteiligt seien auch das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) sowie die Drohnenabwehr der Bundespolizei. Er stehe zudem in "ständigem Austausch" mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Auch das Bundesinnenministerium hat den Fund der Drohne mittlerweile offiziell bestätigt. Aufgrund laufender Ermittlungen könne man derzeit dazu aber keine weiteren Details veröffentlichen, sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dts. Das Verteidigungsministerium teilte unterdessen mit, in die Ermittlungen nicht involviert zu sein. Das sei "reine Sache der Bundespolizei", hieß es.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll auf dem Vorfeld eine Drohne mit einem Päckchen entdeckt worden sein, an dem sich ein Zünder befand. Nach LKA-Angaben wurde die Drohne von einem Flughafenmitarbeiter auf der Südbahn gefunden, in unmittelbarer Nähe zu einer ukrainischen Frachtmaschine vom Typ Antonow. Ein ferngesteuerter Entschärfungsroboter kam zum Einsatz.

Frachthub DHL erheblich betroffen

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post DHL, Tobias Meyer, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters", der Konzern arbeite daran, die betrieblichen Folgen des Vorfalls am Frachtdrehkreuz Leipzig so weit wie möglich zu begrenzen.

Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einer DHL-Frachtmaschine zusammengestoßen, nachdem diese wegen der zuvor gesperrten Südbahn hatte durchstarten müssen, teilte das LKA mit. Die Maschine musste daraufhin außerplanmäßig in Hannover landen. Nach der Landung seien an ihr leichte Beschädigungen festgestellt worden. Ob ein Zusammenhang mit dem am Boden gefundenen Gegenstand besteht, war zunächst nicht bestätigt.

Am Frachtdrehkreuz des Logistikkonzerns DHL kam es bereits ab etwa Mitternacht zu erheblichen Behinderungen, geplante Abflüge verzögerten sich um mehrere Stunden. Ein verspäteter Passagierflug aus Palma de Mallorca wurde zunächst nach Nürnberg umgeleitet und erreichte Leipzig erst später in der Nacht.

Bundespolizei und sächsische Landespolizei waren in der Nacht mit einem größeren Einsatz angerückt, nachdem gegen 23:40 Uhr zunächst ein unbekanntes Flugobjekt gesichtet worden war. Kurz darauf entdeckten Einsatzkräfte den verdächtigen Gegenstand im Bereich der Südbahn und sprachen von einem "sicherheitsrelevanten Vorfall".

Der Flugverkehr wurde den Angaben zufolge um 1:55 Uhr wieder aufgenommen und läuft seitdem über die Nordbahn. Die Südbahn blieb zunächst für die Ermittlungen gesperrt und sollte nach Angaben der Ermittler auch aus Wartungsgründen nicht genutzt werden. "Es besteht keine Gefahr für Leib oder Leben von Passagieren oder Mitarbeitern des Flughafens. Der Flugverkehr für Passagiere ist nicht beeinträchtigt", teilten die Ermittler mit.

Flughafenverband fordert schnellere Drohnenabwehr

Der Flughafenverband ADV forderte nach dem Vorfall eine schnellere Ausstattung deutscher Flughäfen mit Systemen zur Drohnenabwehr. "Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle ist ein Weckruf. Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Flughäfen in Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn warteten seinen Angaben zufolge weiterhin auf die vom Bundesinnenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie unautorisierter Drohnenüberflüge über deutschen Einrichtungen ein, darunter Militärstandorte, Energieterminals, Seehäfen und Logistikunternehmen. Die Bundespolizei habe gewarnt, dass die Überflüge von russischen Agenten organisiert worden sein könnten. Russland weist eine Beteiligung zurück.

Der Flughafen Leipzig/Halle in Sachsen zählt zu den größten Frachtflughäfen Europas und dient als zentrales Drehkreuz von DHL Express.

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Drohnenabwehr: Bislang nur Frankfurt und München ausgerüstet

Nach dem Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle drängt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger auf eine schnellere Ausrüstung der deutschen Flughäfen mit Detektionstechnik. Frankfurt und München seien bereits ausgestattet. Bei den übrigen Standorten solle nun das Tempo erhöht werden.

(dh mit dts Nachrichtenagentur, AFP) Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will die Vorkehrungen zur Entdeckung und Abwehr von Drohnen an Deutschlands Flughäfen beschleunigen.

"Verlässliche Detektion ist das A und O", sagte Bilger dem Nachrichtenportal "Politico". Frankfurt und München seien bereits ausgestattet. Was die anderen Flughäfen angehe, habe man "keine Zeit zu verlieren". Er wolle bei der weiteren Ausrüstung beschleunigen, was gehe.

Am Flughafen Leipzig/Halle hatte ein Mitarbeiter im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt. Der an ihr befestigte Sprengsatz war von Experten der Bundespolizei entschärft worden. In ihrer Nähe hatten sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge befunden.

Acht Flughäfen sollen aufgerüstet werden

Acht als kritische Infrastruktur eingestufte Flughäfen sollen mit Drohnendetektionssystemen ausgestattet werden – Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, München und Stuttgart. Maßgeblich ist ein Schwellenwert von mindestens sieben Millionen Passagieren oder mindestens 200.000 Tonnen Fracht pro Jahr. Für Beschaffung und Betrieb der Anlagen ist die Bundespolizei zuständig.

Laut einem Beschluss der Verkehrsministerkonferenz solle die Ausschreibung im März beginnen und der Zuschlag im Mai erfolgen. Die Ausstattung der acht Flughäfen ist bis Ende des Jahres geplant.

Neuer Radar-Wachposten am Flughafen Leipzig

Derweil wurde die Sicherheit auf dem Flughafen Leipzig provisorisch erhöht. Dazu hat die Polizei einen Posten mit speziellem Radar eingerichtet. Die Technik wurde auf der Besucherplattform des alten Towers installiert, wie ein dpa-Fotograf beobachtete. 

Aus einsatztaktischen Gründen würden keine Details zu der Anlage bekanntgegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei auf Anfrage. Laut dem Nachrichtenportal "Tag24" handelt es sich um ein EchoShield-Radarsystem, das anfliegende Drohnen auf größere Distanzen erkennen und ihre Flugbahnen verfolgen kann.

Der Flughafenverband ADV hatte nach dem Leipzig-Vorfall erneut eine schnellere Ausstattung deutscher Flughäfen mit Systemen zur Drohnenabwehr gefordert. "Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle ist ein Weckruf. Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden", sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

"Im europäischen Vergleich stehen wir gut da", hatte dagegen BDL-Geschäftsführer Joachim Lang gesagt. Die Bundesregierung habe nach früheren Drohnenstörattacken innerhalb eines Jahres Entscheidungen getroffen und Ausschreibungen auf den Weg gebracht.

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Überwachungsvideo: Sprengstoff-Drohne soll gezielt Antonow-Flügel angeflogen haben

Die am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Sprengstoff-Drohne ist einem Medienbericht zufolge gezielt auf ein ukrainisches Frachtflugzeug zugeflogen. Überwachungsaufnahmen zeigen demnach den Einschlag auf einer Tragfläche. Das Videomaterial widerspricht damit der bisherigen Darstellung.

(dh, AFP, Reuters, dts Nachrichtenagentur) Die am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Sprengstoff-Drohne ist einem Medienbericht zufolge gezielt gegen ein ukrainisches Frachtflugzeug geflogen und auf dessen Tragfläche geprallt. Das berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" unter Berufung auf Aufnahmen von Überwachungskameras. Der mit dem Sprengstoff Semtex bestückte Flugkörper sei dabei nicht explodiert, sondern abgeprallt und zu Boden gefallen.

Die Aufnahmen zeigen laut dem Bericht, wie sich die Drohne einer am Flughafen parkenden Frachtmaschine des Typs Antonow näherte und am 4. August gegen 19:30 Uhr auf einer der Tragflächen einschlug. Dort befinden sich Treibstofftanks. Spuren an einem Flügel der Antonow bestätigen dem Bericht zufolge diesen mutmaßlichen Ablauf.

Warum der Sprengsatz nicht zündete, ist weiter unklar. Er wurde nicht an der Drohne selbst gefunden, sondern in einiger Entfernung davon - möglicherweise löste er sich beim Aufprall.

Frühere Version des Fundes korrigiert

Die Videoauswertung liefert laut dem Bericht auch eine korrigierte Darstellung des Fundes: Die Drohne habe demnach bereits auf dem Boden gelegen, als ein Busfahrer rund vier Stunden nach dem Einschlag darauf aufmerksam wurde, seinen Fuß darauf stellte und das Sicherheitspersonal verständigte.

Damit widerspreche das Video der bisherigen Darstellung, wonach der Busfahrer das über dem Boden schwebende Fluggerät per Fußtritt aus der Luft geholt habe. Diese frühere Version hatte unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif nach einer Unterrichtung von Innenpolitikern durch die Bundesregierung wiedergegeben.

Nach früheren Angaben war die Drohne zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung zunächst in geringer Höhe zwischen mehreren geparkten ukrainischen Frachtmaschinen geortet worden. Später sei eine Frachtmaschine an dem Flughafen zudem mit einem weiteren Objekt kollidiert, das bislang nicht gefunden wurde.

Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. "Die Ermittlungen dauern an", sagte eine Sprecherin. Die oberste Anklagebehörde hatte die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Die Herkunft der Drohne ist weiterhin unklar, der Verdacht richtet sich vor allem gegen Russland.

Debatte über Drohnenabwehr

Der Vorfall hatte bereits eine Debatte über die Abwehr von Drohnen an kritischer Infrastruktur ausgelöst. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte von einem "hybriden Anschlagsszenario" gesprochen und "fremde Mächte" als Urheber nicht ausgeschlossen. Als Reaktion will er einem Bericht der "Bild" zufolge die Anti-Drohnen-Einheiten der Bundespolizei verdoppeln.

Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein Umschlagplatz für Militärgüter für die Ukraine.

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