Nach der zweiten Beinahe-Kollision zweier Flugzeuge auf dem Rollfeld des Flughafens Sydney binnen zwei Wochen hat die staatliche Flugsicherungsgesellschaft Airservices Australia Konsequenzen gezogen. Ein Fluglotse wurde vom Dienst suspendiert.
Ein Airbus A320 der Billigfluglinie Jetstar rollte am Sonntagmorgen zum Start in Richtung Gold Coast im Bundesstaat Queensland, als die Besatzung eine Boeing 777 von Qatar Airways auf einer kreuzenden Rollbahn bemerkte. Die Boeing wurde von einem Flugzeugschlepper gezogen. Beide Maschinen mussten abrupt bremsen, um einen Zusammenstoß zu verhindern.
Ein Mitglied der Kabinenbesatzung der Jetstar-Maschine wurde bei der Vollbremsung verletzt und von Sanitätern behandelt. Zudem wurde die Verbindung zwischen dem Bugfahrwerk der Boeing 777 und dem Schleppfahrzeug beschädigt. Die australische Verkehrssicherheitsbehörde ATSB leitete eine Untersuchung ein. Ersten Informationen zufolge hatte der Fahrer des Flugzeugschleppers die Anweisungen des Towers nicht befolgt.
Jetstar erklärte, die eigene Besatzung habe die Anweisungen der Flugsicherung befolgt und sei gezwungen gewesen, scharf zu bremsen, weil sich ein anderes Flugzeug genähert habe. Qatar Airways äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
ATSB-Chef Angus Mitchell sprach nach einem Bericht der Zeitung "Sydney Morning Herald" von einem Vorfall, der sich zwar bei niedriger Geschwindigkeit ereignet habe, aber dennoch sehr gefährlich hätte werden können.
Zweiter Vorfall binnen zwei Wochen
Es ist bereits der zweite Beinahe-Zusammenstoß am Kingsford Smith International Airport innerhalb von zwei Wochen. Ende Juli war es an Australiens größtem Flughafen zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen, als die Besatzungen zweier Maschinen widersprüchliche Anweisungen von Fluglotsen erhalten hatten. Auch dieser Vorfall wird noch untersucht.
Hintergrund ist der wachsende Flugbetrieb in der Millionenmetropole an der australischen Ostküste bei gleichzeitigem Personalmangel bei Airservices Australia. Der Flugsicherungsgesellschaft fehlen seit Jahren Fluglotsen. Bereits am Vortag des jüngsten Zwischenfalls hatte die angespannte Personalsituation zu erheblichen Verspätungen am Flughafen Sydney geführt. Airservices Australia musste die Zahl der Starts und Landungen reduzieren, um den Betrieb sicher abzuwickeln.
Regierungschef Chris Minns von New South Wales warnte, die Probleme könnten dem internationalen Ruf Sydneys als Wirtschaftsmetropole und Reiseziel langfristig schaden. Zugleich betonte er, Sicherheit müsse oberste Priorität haben: Unfälle zu vermeiden, habe immer Vorrang - auch wenn die Folgen für Tausende Passagiere "frustrierend" seien.