Sie lesen einen kurzen Auszug aus den täglichen airliners+ "Gedankenflügen" der vergangenen Woche. Die Kolumne über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen des Tages lesen Abonnenten jeden Abend im airliners+ "Abend-Briefing". Es kommt montags bis freitags immer um 18 Uhr per E-Mail. Sie sind noch kein Abonnent? Jetzt einen Monat für nur einen Euro testen.
Rekordgewinne
Einerseits: Airbus übertrifft mit einem Umsatzplus von 28 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro und 237 ausgelieferten Flugzeugen im zweiten Quartal alle Erwartungen und bestätigt seine Jahresziele. Rolls-Royce hebt nach einem überraschend starken ersten Halbjahr seine Prognose deutlich an. Auch MTU und Safran melden deutlich bessere Zahlen als erwartet, getragen von Triebwerkswartung, Ersatzteilgeschäft und Rüstungsaufträgen, während Bombardier dank starker Privatjet-Nachfrage erstmals seit einem Jahr wieder einen positiven Free Cashflow erzielt.
Air France-KLM übertrifft mit einem bereinigten operativen Gewinn von 484 Millionen Euro die Konsensschätzung – getragen von starker Premium-Nachfrage.
Selbst im Flughafengeschäft zeigt sich: Vinci steigert Umsatz und Gewinn, und auch der Flughafen-Einzelhändler Avolta wächst trotz aller Widrigkeiten weiter.
Die Kehrseite der guten Zahlen
Andererseits: Die IATA meldet für Juni den dritten Rückgang des weltweiten Fluggastaufkommens in Folge – Iran-Krieg und hohe Ölpreise belasten die Nachfrage. Groupe ADP senkt deshalb ihre Jahresprognose für das bereinigte Ebitda, Air France-KLM kürzt trotz der guten Quartalszahlen die Kapazitätsplanung und warnt für 2026 vor höheren Treibstoffkosten. Und Avolta rechnet vor, wie viel mehr Wachstum ohne den Nahost-Konflikt möglich gewesen wäre.
Boeing meldet wegen der Abschreibung auf das Air-Force-One-Programm einen Quartalsverlust, Singapore Airlines verzeichnet erstmals seit 2022 rote Zahlen und Jetblue kämpft mit steigenden Kerosinkosten.
Bei der Lufthansa reicht es ebenfalls nicht für Applaus: Das bereinigte Ebit brach im zweiten Quartal um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein und verfehlte die Analystenerwartungen deutlich – gestiegene Kerosinkosten durch den Iran-Krieg und ein Pilotenstreik zwangen den Konzern, seine Jahresprognose zu kappen.
Verdient wird woanders
Die Gewinne dieses Sommers stammen also weniger aus dem üblichen Verkehrswachstum als aus Triebwerkswartung, Ersatzteilgeschäft, Rüstung und Premium-Nachfrage – Geschäftsfeldern, die von der Passagierentwicklung weitgehend abgekoppelt sind. Aber ich will das alles auch gar nicht so negativ sehen. Nicht, dass man mir noch einseitige Berichterstattung vorwirft.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.