Halbjahres- und Quartalszahlen zeichnen ein zweigeteiltes Bild der Luftfahrtbranche: Während Flugzeug- und Triebwerkshersteller von hoher Nachfrage nach Ersatzteilen und Neuflugzeugen profitieren und ihre Prognosen anheben, drücken hohe Treibstoffkosten und geopolitische Unsicherheit auf die Ergebnisse vieler Fluggesellschaften. Bei Air Baltic steht in den kommenden Tagen sogar die Zukunft der Airline auf dem Spiel.
Das erste Halbjahr dieses Jahres liegt längst hinter uns, das zweite ist schon längst am Laufen. Damit stehen nun auch die Halbjahreszahlen beziehungsweise die Zahlen des zweiten Quartals dieses Jahres fest. Und diese zeichnen zwei unterschiedliche Bilder. Flugzeug- und Triebwerkshersteller steigerten überwiegend ihre bereinigten operativen Ergebnisse und hoben teilweise ihre Jahresprognosen an. Bei vielen Fluggesellschaften drückten dagegen höhere Treibstoffkosten, geopolitische Störungen und schwächere Teilmärkte auf Margen und Nettoergebnisse.
Airbus steigerte Umsatz und bereinigtes operatives Ergebnis zweistellig und lieferte im ersten Halbjahr 351 Verkehrsflugzeuge aus, nach 316 im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand wuchs auf gut 9200 Flugzeuge. Die Jahresprognose bestätigte der Konzern. Auf das zweite Quartal entfielen rechnerisch 237 Auslieferungen. Vorstandsvorsitzender Guillaume Faury sprach im Analystengespräch von einem Rekord für dieses Quartal.
Anders sah es bei Boeing aus. Der US-Hersteller wies im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 428 Millionen Dollar (rund 376 Millionen Euro) aus und verfehlte die Analystenerwartungen deutlich. Hauptursache war eine Abschreibung von 280 Millionen Dollar auf das verspätete Air-Force-One-Programm, nicht eine schwache Nachfrage im Kerngeschäft. Der freie Cashflow verbesserte sich auf 631 Millionen Dollar, nach minus 200 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Boeing hält damit an seiner Jahresprognose fest.
Noch stärker legten die Triebwerkshersteller zu. Rolls-Royce steigerte den zugrunde liegenden operativen Gewinn um 46 Prozent und verbesserte auch die zugrunde liegende operative Marge. Die berichtete Marge ging dagegen zurück. Safran wuchs beim bereinigten Umsatz nach einem Rekordhalbjahr um 19 Prozent. Das bereinigte laufende operative Ergebnis legte noch kräftiger zu. Beide Konzerne hoben ihre Jahresprognosen an, ebenso wie zuvor bereits GE Aerospace.
Neues MTU-Ersatzteillager in China. : Das Bild zeigt das neue MTU-Ersatzteillager in China. Vor dem modernen Lagergebäude stehen mehrere Lastwagen der Spedition Kuehne + Nagel auf dem Parkplatz. Der Himmel ist blau mit leichten Wolken, das Gelände ist sauber und großzügig. Im Hintergrund ist ein weiteres Bürogebäude zu sehen. © MTU
Bei MTU Aero Engines fielen die Kennzahlen auseinander. Der bereinigte Umsatz stieg um 13 Prozent, das bereinigte Ebit aber nur um fünf Prozent. Die bereinigte Ebit-Marge sank sogar. Einen Teil der Jahresprognose hob der Münchner Konzern dafür an.
Bei den Triebwerksherstellern trägt das Ersatzteilgeschäft
Bei den Triebwerksherstellern war das Geschäft mit Ersatzteilen und Instandhaltung ein zentraler Ergebnistreiber. Bei Safran legte der Umsatz mit Ersatzteilen für Ziviltriebwerke auf US-Dollar-Basis um mehr als ein Viertel zu, der mit Triebwerksdienstleistungen um mehr als 40 Prozent. MTU wuchs in der zivilen Instandhaltung um mehr als ein Fünftel. Knapp die Hälfte davon entfiel auf die Wartung von Getriebefan-Triebwerken. Rolls-Royce führte die höhere Marge in der Zivilluftfahrt unter anderem auf ein verbessertes Instandhaltungsgeschäft zurück.