Der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig hat einer Studie des Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS) erneut Aufmerksamkeit verschafft. Die gemeinsam mit der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung erarbeitete Untersuchung war bereits Anfang Juli erstmals veröffentlicht worden und kommt zu dem Schluss, dass Europas Abwehr unbemannter Luftfahrzeuge der derzeitigen Bedrohungslage nicht gerecht wird.
Die Erkennung sei uneinheitlich, rechtliche Zuständigkeiten fragmentiert und Reaktionsmöglichkeiten häufig unverhältnismäßig, heißt es in dem Papier. Die Zuordnung der Verantwortlichkeit erfolge zudem weiterhin zu langsam, um eine rechtzeitige Abschreckung zu ermöglichen.
Für die Studie untersuchten die Autoren 144 Fälle unbemannter Luftfahrzeuge, die zwischen August 2024 und Februar 2026 im Luftraum von zwölf Nato-Mitgliedstaaten sowie Irland registriert wurden.
Verantwortlich dafür sei mit hoher Wahrscheinlichkeit Russland, auch wenn eine direkte Zuordnung schwierig bleibe. Die Studie geht davon aus, dass mit Russland verbundene Schiffe und die sogenannte Schattenflotte als Start- und Rückholplattformen für die Flugkörper dienten – als Teil eines umfassenderen hybriden Kriegs des Kremls gegen Europa.
Kritik an EU-Abwehrinitiative EDDI
Die ehrgeizigste gemeinsame europäische Antwort ist der Studie zufolge die European Drone Defence Initiative (EDDI). Sie soll eine europaweite, auf 360 Grad ausgelegte Architektur zur Drohnenabwehr aufbauen, mit einer ersten Einsatzfähigkeit bis Ende des Jahres. Das Europäische Parlament sei im Januar jedoch zu dem Schluss gekommen, dass EDDI die nötige Agilität und doktrinäre Geschlossenheit für skalierbare Ergebnisse fehle. Selbst eine vollständig einsatzfähige EDDI könne ein unbemanntes Luftfahrzeug zudem erst bekämpfen, sobald es bereits in den europäischen Luftraum eingedrungen sei – ein Mandat gegenüber dem Schiff, von dem aus es gestartet wurde, bestehe nicht.
Klaus Holetschek (CSU), Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag und Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, sprach von einer alarmierenden Bedrohungslage. Europa sei auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet, sagte er.