Frankreich schließt nach dem mutmaßlichen Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle nicht mehr aus, dass künftig auch französische Unternehmen und kritische Infrastruktur zu Zielen werden. Das sagte die Direktorin der französischen Generaldirektion für innere Sicherheit (DGSI), Céline Berthon, auf der Jahrestagung des Wirtschaftsverbands Medef.
Am 4. August war am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne in der Nähe eines Frachtflugzeugs vom Typ Antonow entdeckt worden, das für Militärlieferungen an die Ukraine genutzt wird.
Der Flughafen ist ein Fracht- und Logistikdrehkreuz, das sowohl von der NATO als auch von der ukrainischen Fluggesellschaft Antonov Airlines genutzt wird. Berthon sagte, der Fund der Sprengstoffdrohne in Leipzig sei ein Signal dafür, dass Frankreich künftig auch direktere und gewalttätigere Angriffe auf dem eigenen Territorium in Betracht ziehen müsse. Die Drohne habe allem Anschein nach einem Flugzeug gegolten, das die ukrainische Armee unterstützt.
Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte am Dienstag an, die Bundesregierung werde in Kürze bekanntgeben, wer für den versuchten Drohnenangriff verantwortlich sei. Moskau hat jede Beteiligung an dem Vorfall bestritten.
Frankreich sieht wachsende hybride Bedrohung
Wer die Tat mutmaßlich geplant habe, ließ Berthon offen. Sie sprach jedoch von einem sprunghaften Anstieg sogenannter hybrider Bedrohungen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, darunter Cyberangriffe und Gewalttaten durch lokale Mittelsmänner. Diese richteten sich in erster Linie gegen die französische Verteidigungs- und Technologiebranche, potenziell aber gegen alle strategischen Sektoren einschließlich Energie und Kommunikation.
Mit ihrer öffentlichen Warnung wich die Geheimdienstchefin von der sonst zurückhaltenden Kommunikationslinie ihrer Behörde ab. Sie äußerte sich damit ähnlich wie zuvor der deutsche Bundesinnenminister, der ebenfalls von täglichen hybriden Angriffen auf sein Land gesprochen hatte.
Dazu zählten nach Berthons Worten regelmäßige Versuche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und institutionelle Ziele zu beeinflussen – auch mit Blick auf das reibungslose Funktionieren von Wahlen. Frankreich wählt 2027 einen neuen Präsidenten.
Sicherheitsfragen prägten das informelle Spätsommer-Treffen der französischen Wirtschaftselite in diesem Jahr stärker als sonst. Unternehmen diskutierten, wie sie ihre Interessen schützen und sich an die von Präsident Emmanuel Macron geforderte "Kriegswirtschaft" anpassen können.
Der Befehlshaber der französischen Streitkräfte, General Fabien Mandon, bekräftigte seine Warnung, wonach Frankreich bei der Entwicklung günstiger Drohnen sowie bei der Abwehr von Drohnenschwärmen gegenüber möglichen Gegnern ins Hintertreffen gerate.
"Die Drohnisierung ist eine Realität", sagte Mandon. "Jede Nacht verlassen 800 bis 1000 Drohnen die Ukraine in Richtung Russland. Die Russen haben eine etwa gleichwertige Produktion." Frankreich verfüge über ein Verteidigungsmodell, das gegen bislang bekannte Bedrohungen hervorragend funktioniere. "Jetzt haben wir Gegner, die günstige Lösungen in großer Zahl entwickelt haben", sagte Mandon und fügte hinzu: "Da sind wir noch nicht."
Der Vorstandsvorsitzende von Dassault Aviation, Eric Trappier, erklärte, die französische Verteidigungsindustrie sei bereit, sich der Herausforderung der Wiederaufrüstung zu stellen.