Es sind keine einfachen Zeiten am Arabischen Golf seit Beginn des Irankriegs. Kurz vor Ausbruch übernahm der Deutsche Martin Gauss den Chefposten bei Gulf Air und musste zunächst eine längere Luftraumschließung überbrücken. Gauss hat eine Geschichte, vor anderen auf Innovation zu setzen. Als Chef von Air Baltic bestellte er sehr früh die damalige Bombardier C-Series, heute A220, und orderte als erster europäischer Airlinechef Starlink-Internetverbindungen für seine Flugzeuge – über einen Tweet an Elon Musk. Auf der Farnborough Air Show im Juli reihte Gauss seinen neuen Arbeitgeber Gulf Air ein in die illustre Runde großer Gesellschaften, die als erste Vorbestellungen für das Nurflügel-Verkehrsflugzeug des US-Startup Jetzero platzierten. Damit sicherte Gauss den Bahrainis auch die Mitsprache bei der Entwicklung und Ausgestaltung der Z4. Über seine Strategie bei der Flottenplanung spricht Martin Gauss im Interview mit airliners.de.
airliners.de: Sie haben schon früh die damalige Bombardier C-Series und heutige A220 durch Bestellungen für Air Baltic unterstützt. Jetzt tun Sie das als Chef von Gulf Air für den ersten Nurflügler bei Jetzero. Gibt es da einen Zusammenhang?
Martin Gauss: Der Kontakt zu Jetzero besteht schon länger, denn der "Vater der A220", Rob Dewar, sitzt dort bereits seit 2024 im Board of Directors. So war ich gut über das Projekt informiert. Als ich Ende 2025 meinen Job bei Gulf Air antrat, fand die Dubai Air Show statt. Da gab es den ersten persönlichen Kontakt und ich habe meinen Chairman mit dem Team und dem Konzept von Jetzero vertraut gemacht.
Danach haben wir die Z4 in unsere jetzt bald herauskommende Strategieplanung für die Zukunft aufgenommen mit dem Ziel, Launch Customer für den Mittleren Osten zu werden.
Hat Sie Ihre Erfahrung, früh auf die C-Series beziehungsweise A220 zu setzen, jetzt dazu gebracht, etwas Ähnliches erneut zu versuchen?
Zu meinem Führungsstil bei Airlines gehört, dass ich innovativ sein möchte. Ich habe hier angefangen mit der Ambition, auf Gulf Airs starken Errungenschaften aufzubauen und sie als innovative Airline zu stärken. Wir machen derzeit viele Dinge in diese Richtung, aber natürlich ist die Chance, frühzeitig an der Entwicklung und Einführung eines völlig neuen Flugzeugs beteiligt zu sein, etwas, das ich im Kopf hatte.
Gulf Air war aber auch vor meiner Zeit früh bei der A320 Neo und der Boeing 787-9 dabei.
Jetzero-Z4 in weiß. : Das Bild zeigt ein futuristisches Verkehrsflugzeug mit einem weißen Rumpf, das hoch über den Wolken fliegt. Es handelt sich um das Modell Jetzero-Z4, auffällig durch seine klare Linienführung und die innovative Tragflächenform mit zwei Heck-Turbinen. Der Himmel ist teils wolkenbedeckt, die Atmosphäre wirkt ruhig. © Jetzero
Die Z4 soll in den frühen 2030er Jahren in den Liniendienst gehen, sagt uns Jetzero. Sie wird gut reinpassen in die Flotte, die wir dann haben werden. Die Orders bestehen zum Teil schon. Weil es sich um einen 240- bis 250-Sitzer handelt, bietet sie Kapazität oberhalb der A321 Neo und unterhalb der 787-9 und fügt sich genau in unsere künftige Flottenstrategie ein.
Gulf Air hatte in den Siebzigerjahren als erste eine Bar auf dem Hauptdeck im Tristar, doch dann kam nicht mehr viel ...