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Wettbewerbsgedanken
Parallelen zwischen Fußball und Luftfahrt ergeben sich regelmäßig. Vielleicht kann ich mich ja deshalb für beides gleichermaßen begeistern. Während meiner Reise nach Kanada vor zwei Wochen beendete das Bundeskartellamt sein Prüfverfahren zur "50+1"-Regel. Kurz zur Erklärung: Die "50+1"-Regel soll die Stimmengewalt jedes deutschen Vereins bei den Fans beziehungsweise dem Klub belassen. Einzelne Investoren sollen so nicht maßgeblich die Zukunft eines Vereins über die Belange der Mitglieder hinweg bestimmen können.
Die Entscheidung des Bundeskartellamts besagt, dass die "50+1"-Regel zulässig bleibt, weil sie ein legitimes Ziel verfolgt: Vereinsprägung und Mitgliederpartizipation. Und darauf fußt das Bundeskartellamt sogar maßgeblich seine Entscheidung: Die Mehrheit der Fans hätte bewiesen, wie wichtig ihnen die Regel sei. Gleichzeitig hält es aber auch fest, dass "50+11 wettbewerbsnachteilig für die Klubs wirkt, die von Ausnahmen nicht profitieren.
Was lässt sich nun aber daraus für die Luftfahrt ableiten? Spannend ist, wie Fußball und Luftverkehr Eigentumsverhältnisse bewerten. In Deutschland soll also weiterhin "50+1" gelten. Die Ausnahmen – die beiden Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg sowie die von einzelnen privaten Investoren dominierten RB Leipzig, TSG Hoffenheim und Hannover 96 – sollen auf Empfehlung des Bundeskartellamts nachjustieren, um wieder für Chancengleichheit mit den anderen deutschen Vereinen zu sorgen. Im Luftverkehr prüft die EU-Kommission nun die "Ownership & Control"-Regeln, wonach Eigentümer mehrheitlich in Europa beheimatet sein müssen. Das betrifft die Übernahme von Smartwings durch Pegasus, den Einstieg von Apollo bei Easyjet sowie die geplante Komplettübernahme von Attestor bei Condor.
Es wird also auch im Luftverkehr spannend, wie die Politik die Machtverhältnisse zukünftig aufteilen möchte. So eben auch vor der eigenen Haustür bei der Übernahme von Condor durch Attestor. Der britische Finanzinvestor wäre damit umso involvierter im jahrelangen Dauerstreit zwischen Condor und der Ex-Eigentümerin Lufthansa.
Streitgedanken
Dieser Streit reicht mittlerweile schon einige Jahre zurück: Bereits 2020 wollte Lufthansa die sogenannte SPA-Vereinbarung kündigen, gab aber 2021 zunächst klein bei – die Zubringer-Flüge blieben vorerst bestehen.
Richtig Fahrt nahm die Auseinandersetzung 2024 wieder auf, als ein Gerichtsentscheid die Lufthansa-Zubringer für Condor erneut ins Wackeln brachte – das Oberlandesgericht Düsseldorf setzte die vom Bundeskartellamt verhängten Bedingungen vorläufig außer Kraft. Parallel rüstete Lufthansa die eigene Ferienairline Discover Airlines auf, um Condor auch operativ stärker Konkurrenz zu machen.
Condor konterte und ging im Sommer 2025 mit einer digitalen Kampagne gegen die vermeintlich unfairen Geschäftspraktiken der Lufthansa an die Öffentlichkeit. Am 1. Oktober 2025 kam dann der juristische Schlusspunkt: Das OLG-Düsseldorf-Urteil zugunsten Lufthansas wurde rechtskräftig, weder Condor noch das Bundeskartellamt legten in der Zwischenzeit Rechtsmittel ein. In der Konsequenz baut Condor nun ihr eigenes Zubringernetz in Frankfurt auf und sucht nach einem strategischen Partner für die Zukunft.
In der Zwischenzeit setzt die Lufthansa immer wieder kleine Nadelstiche. Die Partnerschaft zwischen Condor und "Miles & More" lief aus, und Condor kündigte an, demnächst in Frankfurt aus dem Lufthansa-Terminal auszuziehen. Jetzt kündigt Lufthansa das Duty-Travel-ID-Abkommen, über das Condor-Mitarbeitende bislang günstig dienstlich mitfliegen konnten. Der Kranich begründet den Schritt mit einer über längere Zeit unausgewogenen Nutzung und wirtschaftlichen Erwägungen. Condor selbst hält die Kündigung für sachlich nicht gerechtfertigt. Condor wollte sich uns gegenüber mal wieder nicht äußern und warf stattdessen wiederholt "einseitige Berichterstattung" vor.
Interessant! Denn genau vor einem Jahr, am 19. August 2025, erschien auf airliners.de das Interview mit Jaan Albrecht, dem Berater von Condor-Eigentümer Attestor – jenes Gespräch, in dem Condor selbst öffentlich über die "gestrichene Zubringervereinbarung" sprach und die eigene strategische Neuausrichtung erläuterte.
Im eigentlichen Konflikt zwischen Condor und Lufthansa zog zumindest in der Öffentlichkeit Ruhe ein – den Weg über die PR und die Politik wählt Lufthansa aktuell in anderen Themen. Lufthansa stichelt. Condor agiert, klagt aber nicht mehr gegen die Lufthansa und meckert stattdessen über die Medien. Und ja, liebe Condor, wir berichten weiter gerne über Euch.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.