Mit Attestor hat Condor einen finanzstarken Eigentümer gefunden, der Millionen in die Flottenmodernisierung investiert. Doch der Neustart als "Condor 2.0" erfolgt unter schwierigen Bedingungen: Die Lufthansa dominiert den deutschen Markt, Slots in Frankfurt sind knapp und das SPA-Agreement wurde gekündigt. Jaan Albrecht, der für Attestor im Condor-Aufsichtsrat sitzt und auf 50 Jahre Luftfahrterfahrung blickt, erklärt im exklusiven airliners.de-Interview, warum Condor dennoch erfolgreich sein kann.
airliners.de: Wie würden Sie das heutige Verhältnis zwischen Condor und Lufthansa beschreiben?
Jaan Albrecht: Es ist kompliziert. Condor war mal Teil der Lufthansa Gruppe und es bestehen bis heute noch viele geschäftliche Verbindungen mit der früheren Mutter. Im Markt sieht man sich jedoch als Wettbewerber.
Allerdings mit sehr ungleichen Größenverhältnissen: Lufthansa ist zehnmal größer als Condor.
Was bedeutet das konkret im Alltag?
Die Sache ist kompliziert geworden, seit die Lufthansa die Zubringervereinbarung mit Condor gekündigt hat. Die Lufthansa Gruppe nutzt ihre marktbeherrschende Stellung bei Zubringerflügen nach Frankfurt aus und behindert dadurch den Wettbewerb.
Das hat Condor vor einige Herausforderungen gestellt, da ein nicht unerheblicher Teil der Condor-Langstreckenpassagiere mit Lufthansa-Zubringern nach Frankfurt kam. Condor hat, nachdem Slots verfügbar wurden, eigene City-Verbindungen aufgelegt.
Heute fliegt Condor von neun deutschen und europäischen Städten selbst nach Frankfurt, wo die Fluggäste dann auf die Condor-Langstrecke umsteigen können. Ab Frühjahr 2026 werden es zwölf City-Verbindungen sein. Das kann den Wegfall des SPAs jedoch nicht ansatzweise ausgleichen. Lufthansa fliegt 300-mal am Tag nach Frankfurt, 20-mal mehr als Condor.
Können Sie das Vorgehen der Lufthansa gegenüber Condor nachvollziehen?
Es passt ins Bild. In der Star Alliance haben kleinere Partner ein ähnliches Verhalten der Lufthansa beobachtet.
Das spiegelt ein gewisses Machtgefälle wider, das die Lufthansa nutzt, solange die Wettbewerbshüter nicht einschreiten.
Condor A321 in München vor Lufthansa-Flugzeugen. © AirTeamImages.com / Carlos Enamorado
Lufthansa hat das strategisch sehr klug gemacht über die Jahre. Anders hätte sie sich diese starke Marktposition nicht erarbeiten können, vor allem in Frankfurt. Aber es schwingt eine gewisse Arroganz des Marktführers mit, die man nun auch gegenüber Condor sieht. Der Streit zieht sich seit Jahren.
Condor möchte die Zubringerthematik einvernehmlich und außergerichtlich beilegen. Doch der Lufthansa-Vorstand blockt ab.
Welche Rolle spielt die Slot-Situation in Frankfurt für Condors Wettbewerbsfähigkeit?