Gulf Air war seit den Siebzigerjahren die erste wichtige Golf-Airline mit einem weltweiten Ruf. Nachdem die Mitgründer Katar, Abu Dhabi und Oman nacheinander ausstiegen und eigene, viel größere Airlines in der Region gründeten, ist Gulf Air nur noch die Airline des kleinen Inselstaats Bahrain. Der ist gerade so groß und hat etwa so viele Einwohner wie Hamburg. Gulf Air muss neben den Giganten nebenan ihre Nische finden und will sich dabei auf alte Tugenden und neue Technologie stützen. Wie er das umsetzen will und wie Gulf Air im Frühjahr 2026 im Golfkrieg bewies, dass sie für ihr Heimatland unverzichtbar ist, berichtet CEO Martin Gauss im airliners.de-Interview.
airliners.de: Sie sind nach einem halben Jahr Auszeit nach Ihrem Abgang bei Air Baltic seit November 2025 CEO von Gulf Air. Hatten Sie zuvor einen Bezug zu Land und Airline?
Martin Gauss: Ich habe genau am 4. November 2025 bei Gulf Air angefangen und kam damals direkt von einer privaten Reise nach Nepal, aber ganz auf dem Mount Everest war ich nicht. Ich bin seit mehr als 20 Jahren Airline-CEO, da nimmt man sich nie Zeit für diese großen Reisen und sagt immer, man macht das später, nun bot sich mir die Gelegenheit.
Ich lebe jetzt seit sieben Monaten in Bahrain und konnte mit der frisch gesammelten Energie intensiv meine neue Aufgabe angehen. Ich war nie zuvor in Bahrain, ansonsten oft am Arabischen Golf, aber erstmals zum Vorstellungsgespräch dort, ich hatte mich vorher natürlich über die Region und speziell über Bahrain und Gulf Air informiert.
Viel Zeit sich einzuleben und die Airline zu entwickeln hatten Sie nicht …
Ja, am 28. Februar begann der Golfkrieg, unsere letzten Flüge gingen raus, dann wurde der Luftraum über Bahrain gesperrt. Damals wusste niemand, wie lange das dauern würde, unser Luftraum blieb dann 40 Tage geschlossen.
Wir haben die Flugzeuge, die im Ausland waren, zunächst stehenlassen, die Passagiere umgebucht. Die Passagiere, die in Bahrain waren, wurden in Hotels untergebracht und die Flugzeuge hier blieben stehen. Dann war klar, wir müssen in irgendeiner Form Bahrain versorgen – wir waren ja die einzige Airline, die anderen flogen ja nicht mehr rein.
Wir haben dann innerhalb einer Stunde alle Flugzeuge auf den internationalen Flughafen von Al Ula im Westen Saudi-Arabiens überführt und alle unsere Langstreckenflugzeuge aus der ganzen Welt nach Saudi-Arabien gebracht, auch zu anderen Flughäfen. Wir bekamen durch die saudi-arabische Regierung danach die Genehmigung, den Flugbetrieb aus Dammam aufzubauen, das ist der zu Bahrain nächstgelegene Flughafen.
