Die Entwicklung ziviler Elektro-Flugtaxis (eVTOL) dauert bei mehreren Herstellern länger und kostet mehr als von Unternehmen und Investoren erwartet. Das zeigte sich bei der Luftfahrtschau in Farnborough in der vergangenen Woche, wo mehrere der größten eVTOL-Hersteller ihre zivilen Zeitpläne einordneten und zugleich neue militärische Projekte vorstellten.
Vertical Aerospace verschob kurz vor der Messe erneut das Ziel für Zulassung und Markteinführung seines Tiltrotor-Modells Valo – nun auf 2029, nachdem noch vor drei Jahren 2025 als Ziel galt. Bei der Airshow absolvierte der Prototyp einen Übergangsflug: Die Rotoren starteten senkrecht wie bei einem Hubschrauber und kippten in der Luft nach vorn, sodass das Fluggerät wie ein Flugzeug weiterflog.
Der Aktienkurs des britischen Unternehmens ist wie der der Konkurrenz binnen eines Jahres um mehr als 50 Prozent gefallen. Andres Sheppard, Senior-Investmentanalyst bei Cantor Fitzgerald, bezeichnete den Sektor als volatil und riskant, da er von der zivilen Zulassung sowie von der Entwicklung neuer, innovativer Technik abhänge. Manche Investoren würden zunehmend ungeduldiger, sagte Sheppard. Er gehe aber weiterhin davon aus, dass eVTOL bis Ende des Jahrzehnts an den Markt kommen – die Unternehmen müssten in der Zwischenzeit jedoch ihre Bilanzen stärken.
Militär als zusätzliches Standbein
Vor diesem Hintergrund richten mehrere Hersteller ihren Fokus zusätzlich auf das Militär, wo Produkte ohne das langwierige zivile Zulassungsverfahren eingesetzt werden können.
Archer-Aviation-Chef Adam Goldstein sagte, die Zeit bis zur Einsatzreife sei bei Militärprogrammen deutlich kürzer, und bei gewonnenen Aufträgen stehe am Ende bekanntes Geld – anders als bei einer neuen zivilen Produktkategorie. Archer stellte in Farnborough ein gemeinsam mit Anduril entwickeltes unbemanntes Hybrid-Elektro-Fluggerät für Kampf- und Logistikeinsätze vor.
Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten haben die militärische Nachfrage nach unbemannten Fluggeräten ohne Start- und Landebahn zusätzlich erhöht.
Beta Technologies hält an zivilem Zeitplan fest
Beta Technologies verfolgt beide Wege bereits seit Jahren parallel und entwickelt neben einer militärischen auch weiter eine zivile Version seines Alia-Musters.
Beta-Chef Kyle Clark sagte, die parallele Entwicklung – darunter auch eine elektrische Version mit konventionellem Start und Landung (CTOL) – spare Kosten und Zeit und wirke sich beschleunigend auf das zivile Programm aus, statt es zu belasten.
Auf der Messe kündigte Beta an, dass die britische Regionalfluggesellschaft Loganair fünf CTOL-Flugzeuge fest bestellt und Optionen auf fünf weitere gesichert habe; der kommerzielle Betrieb soll 2029 beginnen. Sheppard erwartet, dass die CTOL-Version bereits Mitte 2027 als erstes elektrisches Flugzeug von der US-amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA zugelassen werden könnte, gefolgt von der eVTOL-Version 2028.