Die vergangene Woche am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Sprengstoff-Drohne ist einem Medienbericht zufolge gezielt gegen ein ukrainisches Frachtflugzeug geflogen und auf dessen Tragfläche geprallt. Das berichtete die Wochenzeitung "Die Zeit" am Montag unter Berufung auf Aufnahmen von Überwachungskameras. Der mit dem Sprengstoff Semtex bestückte Flugkörper sei dabei nicht explodiert, sondern abgeprallt und zu Boden gefallen.
Die Aufnahmen zeigen laut dem Bericht, wie sich die Drohne einer am Flughafen parkenden Frachtmaschine des Typs Antonow näherte und am Dienstagabend vergangener Woche (4. August) gegen 19:30 Uhr auf einer der Tragflächen einschlug. Dort befinden sich Treibstofftanks. Spuren an einem Flügel der Antonow bestätigen dem Bericht zufolge diesen mutmaßlichen Ablauf.
Warum der Sprengsatz nicht zündete, ist weiter unklar. Er wurde nicht an der Drohne selbst gefunden, sondern in einiger Entfernung davon - möglicherweise löste er sich beim Aufprall.
Frühere Version des Fundes korrigiert
Die Videoauswertung liefert laut dem Bericht auch eine korrigierte Darstellung des Fundes: Die Drohne habe demnach bereits auf dem Boden gelegen, als ein Busfahrer rund vier Stunden nach dem Einschlag - in der Nacht zu Mittwoch, kurz vor Mitternacht - darauf aufmerksam wurde, seinen Fuß darauf stellte und das Sicherheitspersonal verständigte.
Damit widerspreche das Video der bisherigen Darstellung, wonach der Busfahrer das über dem Boden schwebende Fluggerät per Fußtritt aus der Luft geholt habe. Diese frühere Version hatte unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif nach einer Unterrichtung von Innenpolitikern durch die Bundesregierung wiedergegeben.
Nach früheren Angaben war die Drohne zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung zunächst in geringer Höhe zwischen mehreren geparkten ukrainischen Frachtmaschinen geortet worden. Später sei eine Frachtmaschine an dem Flughafen zudem mit einem weiteren Objekt kollidiert, das bislang nicht gefunden wurde.
Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. "Die Ermittlungen dauern an", sagte eine Sprecherin. Die oberste Anklagebehörde hatte die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Die Herkunft der Drohne ist weiterhin unklar, der Verdacht richtet sich vor allem gegen Russland.
Debatte über Drohnenabwehr
Der Vorfall hatte bereits eine Debatte über die Abwehr von Drohnen an kritischer Infrastruktur ausgelöst. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte von einem "hybriden Anschlagsszenario" gesprochen und "fremde Mächte" als Urheber nicht ausgeschlossen. Als Reaktion will er einem Bericht der "Bild" zufolge die Anti-Drohnen-Einheiten der Bundespolizei verdoppeln.
Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein Umschlagplatz für Militärgüter für die Ukraine.