Die wichtigsten Entwicklungen in der Luftfahrtbranche vom 21. bis 28. April, kompakt aufbereitet für das airliners+ Magazin. Die Woche stand im Zeichen einer eskalierenden Energiekrise, die die gesamte Branche unter Druck setzt – während Deutschland gleichzeitig mit dem Rückzug von Ryanair und den Folgen des abrupten Cityline-Endes klarkommen muss.
Kerosinkrise: Europas Versorgung erreicht kritischen Punkt
Europas Kerosinimporte aus dem Nahen Osten sind im April auf null gesunken. Laut Analysedienst Kpler wurden in den vergangenen Wochen auch keine Mengen für Europa verladen, die Lagerbestände im Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen liegen auf dem niedrigsten Stand seit April 2020. Europas Bedarf liegt bei rund 1,6 Millionen Barrel pro Tag – die Raffinerien decken aber nur etwa 1,1 Millionen. Zur Wochenmitte kam eine weitere Belastung hinzu: Russland stoppt ab dem 1. Mai die Lieferung kasachischen Rohöls via Druzhba-Pipeline an die Raffinerie PCK Schwedt nahe Berlin. Das trifft den Flughafen BER mittelbar, da Schwedt und das Tanklager Seefeld seine wesentliche Kerosin-Versorgungsbasis bilden. Als Ausweichlösungen stehen Bahnlieferungen bereit.
Die EU-Kommission hat mit dem Paket "AccelerateEU" reagiert und schloss Pflichtreserven sowie Umverteilungsmechanismen zwischen Mitgliedstaaten nicht aus. Deutschland verfügt über strategische Reserven von rund 1,1 Millionen Tonnen Jet-Treibstoff für mehr als 90 Tage. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas warnte vor erheblichen Belastungen durch den Iran-Krieg: Bei anhaltender Sperrung der Straße von Hormus könnten nach Juni Versorgungsengpässe entstehen. Die Kerosinpreise haben sich seit Ende Februar mehr als verdoppelt. Eine Analyse von "Transport & Environment" beziffert den Mehraufwand bei Langstreckenflügen auf durchschnittlich 88 Euro pro Passagier.