Es zieht. Das ist das Erste, was ich wahrnehme, als ich aus dem Bahnsteig der Sky Line ins neue Terminal 3 trete. Ein kalter Luftzug streicht durch die noch nicht vollständig versiegelten Schleusen, irgendwo draußen kreischt ein Bohrer. Vereinzelt stehen noch Bauzäune. Ein provisorisches Schild weist zum Eingang der Feierlichkeiten. Die Rolltreppe zur Abflugebene rollt hinauf — gleichmäßig, geduldig, noch ohne einen einzigen Passagier.
Es riecht nach neuem Kunststoff. Nach frisch verlegtem Boden.
An den Check-in-Schaltern von Emirates klebt noch Schutzfolie auf den Sitzen. Die Monitore darüber laufen im Testbetrieb – "Emirates", steht da auf dem gewohnt bekannten roten Hintergrund.
Hinter der Sicherheitskontrolle, im Marktplatz, dem großen Eingangsbereich, ist es ungewöhnlich dunkel. Nur die geschwungene Tropfendecke fängt das Licht ein, diese kunstvoll geformten Schallschluckpaneele, die im gedimmten Licht zum Festakt fast skulptural wirken. Vor der Tür zur neuen Skyteam-Lounge im vierten Obergeschoss stehen noch Paletten mit Kisten — sieht aus wie Computer-Hardware. Luftballons daneben. Irgendwer hat schon mal dekoriert.
Blick in die Abflughalle im neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. : Zu sehen ist die Abflughalle im neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Große blaue Säulen zeigen „2. Fast Bag Drop“, darüber hängen Bildschirme; im Hintergrund stehen Check-in-Schalter und einzelne Reisende. Das Bild wirkt hell und modern. © DPA / Boris Roessler
"Haben Sie einen Ausweis dabei?" Das war noch in der Sky Line. Am Halt Terminal 2 hatte mich eine Mitarbeiterin angekeift, als hätte ich versucht, in ein Sperrgebiet einzudringen. Der Vorlaufbetrieb der fahrerlosen Bahn läuft seit dem 23. Februar, aber wer heute zum Festakt ins T3 will, muss sich erst ausweisen. Der Zug hält alle Fahrgäste an, am T2 auszusteigen. Das Neue ist noch nicht für jeden. Noch nicht.
Vier Milliarden Euro. Zehn Jahre. Dieser Moment.
Dann kommen die Gäste. Es wird lauter. Das Licht ändert sich — mehr Leute bringen mehr Bewegung, mehr Aufmerksamkeit, und plötzlich wirkt das Terminal nicht mehr halb fertig, sondern halb voller Erwartung.
Fraport-Chef Stefan Schulte tritt ans Mikrofon. Er gibt offen zu, erleichtert zu sein, und man nimmt es ihm ab. Zehn Jahre Baustelle, eine Pandemie dazwischen, unterbrochene Lieferketten, Insolvenzen von Baupartnern – und trotzdem: "Wir haben in Deutschland bewiesen, dass wir Großprojekte realisieren können", sagt er. "Terminal 3 ist nicht einfach ein weiteres Gebäude. Es ist ein klares Signal für die Zukunft und für die Wettbewerbsfähigkeit."