Sie lesen einen kurzen Auszug aus den täglichen airliners+ "Gedankenflügen" der vergangenen Woche. Die Kolumne über das weniger Offensichtliche hinter den Meldungen des Tages lesen Abonnenten jeden Abend im airliners+ "Abend-Briefing". Es kommt montags bis freitags immer um 18 Uhr per E-Mail. Sie sind noch kein Abonnent? Jetzt einen Monat für nur einen Euro testen.
Übernahmegedanken
Eigentlich hätte es ein versöhnlicher Blick auf das erste Halbjahr werden können: Tap Air Portugal steigerte die Betriebserlöse um 4,3 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro und beförderte mit 8,2 Millionen Passagieren 4,2 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahreszeitraum. Auch die Auslastung legte um 3,4 Prozentpunkte auf 85,4 Prozent zu. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte – wäre da nicht der Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro, der unter dem Strich übrigbleibt.
Und ausgerechnet jetzt, mitten in dieser Gemengelage, steckt die portugiesische Regierung in der finalen Bewertung der Übernahmeangebote. Die staatliche Holding Parpublica hat ihre Einschätzung der bindenden Angebote von Air France-KLM und der Lufthansa Group an die Regierung übergeben – ein wichtiger Schritt nach Jahren, in denen die Privatisierung der Tap vor allem für Chaos und Verzögerungen stand. Diesmal wirkt der Prozess ungewohnt geräuschlos.
Bis Kabinettsminister António Leitão Amaro erklärte, warum die Entscheidung noch aussteht: Die beiden Angebote unterschieden sich zwar inhaltlich, seien in der Gesamtbewertung aber als weitgehend gleichwertig eingestuft worden. Deshalb fordert Lissabon von beiden Bietern nachgebesserte Offerten, bevor über den künftigen strategischen Partner entschieden wird.
Genau diese Formulierung wirft eine Frage auf, die Portugal eigentlich längst ausgeschlossen hatte: Wird am Ende doch der Preis entscheiden? Wenn sich zwei Angebote inhaltlich unterscheiden, in der Gesamtbewertung aber gleichauf liegen, kann das eigentlich nur heißen, dass einer der beiden Bieter ein inhaltlich schwächeres, dafür finanziell besseres Angebot vorgelegt hat – und der andere umgekehrt. Die Aufforderung zur Nachbesserung klingt jedenfalls genau danach.
Klar ist damit aktuell nur: Wer am Ende den Zuschlag bekommt, übernimmt eine Airline mit wachsenden Passagierzahlen – und einem Verlust, der zeigt, dass operative Erfolge allein noch keine schwarzen Zahlen bedeuten.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.