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Verbindungsgedanken
Der 23. Mai 2023: An diesem Tag flog United Airlines zum letzten Mal von Washington-Dulles nach Berlin – die bislang letzte neue USA-Verbindung der Fluggesellschaft nach Deutschland. Der Load Factor soll, nach eigenen Erfahrungen und dem, was man so hört, durchaus vielversprechend gewesen sein. Trotzdem endete die Strecke mit dem Sommerflugplan 2023, zurückgebracht hat United sie bis heute nicht.
Vorwerfen kann man das der Fluggesellschaft kaum. Flugzeugknappheit auf der einen, hohe Standortkosten auf der anderen Seite machten die Entscheidung einfach: Lieber die Boeing 767 dort einsetzen, wo sie mehr abwirft.
Diese Loguk zeigt sich nun erneut. United kündigte zehn neue Verbindungen an – mit der 767 geht es künftig nach Ljubljana, Olbia und Catania statt nach Berlin, Hamburg oder Stuttgart.
Und der Airbus A321 XLR, der doch Sekundärflughäfen neue Langstreckenanbindungen bringen sollte? Air Canada hat mit Montreal–Berlin vorgelegt, United schickt ihre A321 XLR an Deutschland vorbei. Gleiches gilt übrigens auch für American Airlines.
Wer noch an eine neue Berlin-Verbindung von United oder American geglaubt hat, kann diese Hoffnung begraben: Ein guter Load Factor und ein neues Flugzeugmuster allein reichen nicht. Was fehlt, sind niedrigere Standortkosten – und vielleicht eine neue Vermarktungsstrategie für Binz an der Ostsee als das "Mar-a-Lago Deutschlands".
Abschiedsgedanken
Eine ähnliche Rechnung stellt sich bei der A380. Während die Lufthansa ihre Teilflotte mit einer neuen Business Class aufwertet, zieht Qantas die Reißleine: Ab 2028 mustert die australische Fluggesellschaft ihre A380 aus – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Offiziell begründet mit steigenden Treibstoffkosten, die den bereinigten Vorsteuergewinn im vergangenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf gut zwei Milliarden australische Dollar drückten. Verhandelt wird stattdessen über die Umwandlung von 20 Optionen für A350- und Boeing-787-Jets.
Überraschend kommt der Schritt nicht: Mit Project Sunrise, den ab 2027 geplanten Ultra-Langstrecken, setzt Qantas ohnehin auf schlankere Zweistrahler statt auf den Superjumbo.
Für die Lufthansa bleibt die A380 dagegen das Premium-Flaggschiff – zwei Fluggesellschaften, zwei Philosophien für dasselbe Flugzeug.
Was beide Geschichten eint? Weder die Hoffnung auf eine gute Auslastung noch die Symbolkraft eines Flaggschiffs entscheiden am Ende über Strecken oder Flotten. Das letzte Wort haben immer Kosten und Nutzen – bei United und American über dem Atlantik genauso wie bei Qantas und Lufthansa über der A380.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.