Qantas beginnt bereits 2028 mit der Ausmusterung ihrer Airbus-A380-Flotte und damit rund vier Jahre früher als bislang geplant. Das teilte der Konzern zusammen mit den Zahlen für das zum 30. Juni abgeschlossene Geschäftsjahr mit. Der bereinigte Vorsteuergewinn sank dabei um 14 Prozent, während Qantas für das laufende Halbjahr einen positiveren Umsatzausblick in Aussicht stellte.
Der bereinigte Vorsteuergewinn lag bei 2,06 Milliarden australischen Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) und damit leicht über der Konsensschätzung von Visible Alpha von zwei Milliarden australischen Dollar.
Vorstandsvorsitzende Vanessa Hudson erklärte, das Jahr sei "von zwei sehr unterschiedlichen Betriebsumfeldern geprägt" gewesen: Einer robusten Reisenachfrage über das Jahr hinweg sei ein durch den Nahost-Konflik ausgelöster Anstieg der Treibstoffkosten gegenübergestanden, der das Ergebnis im zweiten Halbjahr um 420 Millionen australische Dollar belastet habe.
Höhere Ticketpreise, eine Reduzierung der Inlandskapazität sowie die Verlegung von Flugzeugen auf stärkere internationale Strecken glichen die steigenden Treibstoffkosten nach Angaben des Konzerns nur teilweise aus.
Frühere A380-Ausmusterung bringt neue Bestellungen
Qantas erklärte, der Konzern befinde sich mit Airbus und Boeing in Gesprächen über die Umwandlung von 20 Optionen in Festbestellungen für Maschinen vom Typ A350 und 787. Die Auslieferungen sollen mit ab 2030 beginnen. Grund sei, dass der Ersatz des Großraumflugzeugs Airbus A380 rund vier Jahre früher beginne als ursprünglich geplant.
"Die A380 werden inzwischen nicht mehr gebaut, weshalb die Kosten für diese Flugzeuge mit der Zeit steigen werden – sowohl bei der Wartung als auch bei den Kosten für Betriebsstörungen, die zunehmen werden", sagte Hudson gegenüber Journalisten.
Die neue Bestellung stehe getrennt von den Plänen für "Project Sunrise", den geplanten Nonstop-Flügen von Sydney nach London und New York. Für dieses Vorhaben sollen zwölf speziell konzipierte Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A350-1000 zum Einsatz kommen, deren Auslieferung ab 2027 beginnen soll.
Kapazität und Nachfrage
Trotz nachlassender Spannungen im Nahen Osten rechnet Qantas im laufenden Halbjahr mit einem im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegenen Treibstoffaufwand von einer Milliarde autralischen Dollar, obwohl der Konzern 85 Prozent seines Bedarfs abgesichert hat. Nach Angaben von Qantas soll der Gesamtumsatz je geflogenem Sitzplatz im ersten Halbjahr um acht bis zehn Prozent wachsen und damit stärker als von Analysten erwartet.
Hudson erklärte gegenüber Analysten, der Konzern habe die Ticketpreise nach dem Anstieg der Treibstoffkosten erhöht. Der positive Umsatzausblick umfasse zudem Einnahmen aus Gepäck- und weiteren Gebühren sowie aus Charterflügen und berücksichtige den Sitzladefaktor.
Die Reisenachfrage bleibe stabil, teilte der Konzern mit. Für das erste Halbjahr rechnet Qantas mit einem Rückgang der Inlandskapazität um drei Prozent, während die internationale Kapazität um zwei Prozent steigen soll. Nach einem schwächeren ersten Halbjahr im Vorjahr habe sich die Nachfrage nach Flügen zwischen Australien und den USA in beide Richtungen zuletzt wieder erholt, sagte der für internationalen Verkehr und Fracht zuständige Vorstand Cam Wallace.
Dividende, Aktienrückkauf und Aktienkurs
Stephanie Tully, Vorstandsvorsitzende der Billigflugtochter Jetstar, äußerte sich zuversichtlich zum Ausblick und verwies auf zwei Monate starker Vorausbuchungen. "Wir sehen sehr starke Buchungseingänge. Jetstar hatte vergangene Woche sogar eine Rekordwoche", sagte sie.
Qantas erklärte eine Schlussdividende von 19,8 australischen Cent je Aktie. Zugleich strich der Konzern das im Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 150 Millionen australischen Dollar, das wegen des Ausbruchs des Iran-Kriegs nie begonnen hatte.
Die Qantas-Aktie legte um bis zu 5,1 Prozent zu. Analysten von Jefferies erklärten in einer Mitteilung, Qantas habe robuste Erträge erzielt, die Bilanzstärke gehalten, weiterhin Kapital an die Aktionäre zurückgegeben und einen konstruktiven Ausblick gegeben.