Die portugiesische Regierung hat die konkurrierenden Konzerne Air France-KLM und die Lufthansa Group aufgefordert, ihre Angebote für eine Minderheitsbeteiligung an der Fluggesellschaft Tap Air Portugal nachzubessern. Damit startet eine letzte Verhandlungsrunde. Die Regierung hatte die ersten Gebote beider Gruppen als zu nah beieinanderliegend eingestuft, um sich für einen Bewerber zu entscheiden, sagte Kabinettsminister António Leitão Amaro bei einer Pressekonferenz.
Beide Konzerne hatten im Juli nicht offengelegte bindende Angebote für eine 44,9-prozentige Beteiligung an Tap eingereicht, um strategischer Partner der Fluggesellschaft zu werden. Zu Beginn dieser Woche erhielt die Regierung die Bewertung der beiden Offerten durch die staatliche Beteiligungsgesellschaft Parpublica.
Die beiden bindenden Angebote hätten sich inhaltlich unterschieden, seien in der Gesamtbewertung aber als weitgehend gleichwertig eingestuft worden, sagte Leitão Amaro.
"Deshalb haben wir uns entschieden, eine letzte Verhandlungsrunde von einigen Wochen zu starten, in der wir erwarten, dass die Bieter ihre Angebote verbessern", sagte er nach einer Kabinettssitzung vor Journalisten.
"Wir begrüßen, dass die portugiesische Regierung mit der Lufthansa Group in einen vertieften Dialog zu unserem Ende Juli eingereichten Angebot eintritt", erklärte die deutsche Fluggesellschaft. Man freue sich darauf, den Prozess in den kommenden Wochen konstruktiv weiterzuführen. "Unser Ziel bleibt es, eine langfristige Partnerschaft mit Tap und Portugal aufzubauen."
Air France-KLM erklärte, man nehme die Entscheidung der portugiesischen Regierung zur Kenntnis, eine weitere Runde im Bieterverfahren einzuleiten. "Die fortgesetzte Teilnahme der Gruppe an dieser Phase unterstreicht ihr unverändertes Interesse an Tap – wir sehen der nächsten Phase des Verfahrens erwartungsvoll entgegen."
Wiederbelebte Privatisierung
Portugal hatte die lange verzögerte Privatisierung von Tap im Juli 2025 wiederbelebt und einen strategischen Partner aus der Luftfahrtbranche gesucht, der die internationale Reichweite und Wettbewerbsfähigkeit der Fluggesellschaft ausbauen kann.
Weitere fünf Prozent der Anteile sind für die Belegschaft reserviert. Der künftige Käufer behält die Option, Aktien zu übernehmen, die die Mitarbeiter nicht zeichnen.
Besonders wertvoll sind Taps Start- und Landerechte, die das Drehkreuz Lissabon mit Brasilien, den portugiesischsprachigen Ländern Afrikas und den Vereinigten Staaten verbinden – Strecken, die für die portugiesische Diaspora, den Tourismus und Investitionen von Bedeutung sind.
Die Regierung verlangt vom künftigen strategischen Partner, das Wachstum im gesamten portugiesischen Flughafennetz zu unterstützen und den Betrieb sowie die Anbindung nicht nur in Lissabon, sondern auch in Porto, Faro, auf den Azoren und auf Madeira zu stärken.