Vorstandsmitglied und Chief Commercial Officer der Lufthansa Group, Dieter Vranckx, hat das Angebot der Lufthansa Group für einen Anteil an Tap Air Portugal in einem Linkedin-Beitrag verteidigt. Es gehe dabei "um weit mehr als eine Beteiligung an einer Fluggesellschaft", schrieb Vranckx. Es handle sich um eine "langjährige strategische Partnerschaft" mit Portugal, mit dem Ziel, Tap ihr "volles Potenzial entfalten" zu lassen. Lissabons Rolle als atlantisches Drehkreuz zwischen Europa, Brasilien, Lateinamerika, Afrika und Nordamerika sei dabei zentral – neben den Stärken von Tap in Fracht, Wartung und Allianz-Anbindung.
Vranckx' Stellungnahme fällt in eine Zeit, in der sich die öffentliche Debatte in Portugal fast ausschließlich um die geplante Teilprivatisierung von Tap dreht. Die portugiesische Nachrichtenseite "The Portugal News" verwies daneben auf ein anderes Signal: Lufthansa Technik hatte bereits im Juni den Spatenstich für eine neue Anlage im nordportugiesischen Santa Maria da Feira gefeiert. Für das Werk sind nach Unternehmensangaben mehrere Hundert Millionen Euro vorgesehen, rund 700 Arbeitsplätze sollen entstehen. Nach Einschätzung von "The Portugal News" zeigt diese bereits laufende Investition, dass der Konzern unabhängig von einer endgültigen Entscheidung über Tap in Portugal engagiert ist.
Verweis auf Erfahrungen mit Swiss, Austrian und Brussels Airlines
Als Beleg für die Integrationsfähigkeit der Lufthansa Group verwies Vranckx auf die Entwicklung der Swiss, von Austrian Airlines und Brussels Airlines nach deren Übernahme durch die Lufthansa Group. Drei Jahre nach dem Beitritt zur Gruppe habe Swiss ihre jährliche Sitzplatzkapazität um 25 Prozent und ihre angebotenen Sitzplatzkilometer um 30 Prozent gesteigert, Austrian Airlines um 14 beziehungsweise acht Prozent, Brussels Airlines um 18 beziehungsweise 25 Prozent.
Tap werde im Fall einer Übernahme Teil der Star Alliance bleiben und zugleich Zugang zum Atlantic Joint Venture mit United Airlines und Air Canada erhalten, die nach Konzernangaben mehr als 50 Millionen Passagiere pro Jahr über 16 Drehkreuze und mehr als 60 Transatlantikverbindungen verbinde, so Vranckx. Ergänzt werden soll das Angebot durch die Anbindung an Ita Airways, an der die Lufthansa Group zuletzt ihre Mehrheitsoption gezogen hat.
Die Lufthansa Group beschäftige bereits mehr als 500 Mitarbeiter in Portugal. Der Lufthansa-Technik-Standort nahe Porto solle bis 2030 von derzeit 500 auf mehr als 1000 Fachkräfte wachsen, teilte Vranckx mit.
Portugal positioniert sich als Standort für Hochtechnologie
Laut "The Portugal News" passt die Werksentscheidung von Lufthansa Technik in eine breitere Entwicklung: Portugal positioniere sich zunehmend in Bereichen wie Rechenzentren, Künstlicher Intelligenz, erneuerbaren Energien und digitaler Infrastruktur und besticht damit nicht mehr allein über Standortkosten oder Lebensqualität, sondern verstärkt über Fachkräfte und industrielle Kapazitäten.
Die Zeitung verwies zugleich auf offene Fragen: Die Geschwindigkeit behördlicher Verfahren, die Ausbildung von Fachkräften und die Fähigkeit, mit der Nachfrage Schritt zu halten, blieben entscheidend dafür, ob sich diese Entwicklung fortsetze. Vranckx selbst erklärte, bei der Transaktion zählten neben den finanziellen Bedingungen auch die strategische Passung, die Glaubwürdigkeit des Partners und die entstehenden Synergien. Man erwarte die nächsten Schritte "mit großem Respekt" vor der Entscheidung der portugiesischen Regierung und mit Zuversicht in das gemeinsam Erreichbare.