Die Einreisebestimmungen in die USA verschärfen sich spürbar – von digitaler Vergangenheitsprüfung im ESTA-Verfahren bis zu intensiven Kontrollen an der Grenze. Worauf sich Geschäftsreisende einstellen müssen und wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden richtig vorbereiten, erläutern der Bayerische Verband für Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) und Wolfgang Hofmann, Regional Security Manager bei International SOS.
Die gute Nachricht vorweg: Die USA gelten nach wie vor als sicheres Reiseziel. Auch wenn der Eindruck bisweilen ein anderer ist, hat sich die Sicherheitslage nicht wesentlich verändert. Zwar gab es Anfang des Jahres immer wieder Proteste, doch deren Ausmaß entsprach vergleichbaren Ereignissen in der Vergangenheit, etwa den Unruhen im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd im Jahr 2020.
ESTA-Verfahren: Digitale Vergangenheit im Fokus
Was sich allerdings zukünftig verändern wird, sind die Einreisebedingungen in die USA.
Grundsätzlich haben Reisende dafür zwei Möglichkeiten: Entweder nutzen sie das Electronic System for Travel Authorization (ESTA) oder sie beantragen ein B1/B2-Visum. Fester Bestandteil des Visa-Verfahrens ist ein persönliches Interview im Konsulat, bei dem die Angaben in den Antragsunterlagen überprüft und offene Fragen geklärt werden sollen.
Die verpflichtenden Angaben beim ESTA-Verfahren sollen künftig auch Social-Media-Profile, Telefonnummern und E-Mail-Adressen umfassen, teilweise rückwirkend bis zu zehn Jahre. Das Ziel dabei ist, die digitale Vergangenheit der Einreisenden zu durchleuchten. In Kombination mit einer KI-gestützten Auswertung lässt sich aus diesen Angaben ein umfassendes Profil des Reisenden ableiten. Bereits heute enthält der ESTA-Antrag eine Abfrage der Social-Media-Accounts, allerdings auf freiwilliger Basis.
Umfassende Überprüfungen bei der Einreise
Ein bewilligter ESTA-Antrag oder ein Termin zum Visa-Interview sind allerdings keine Garantie für die Einreise. Die endgültige Entscheidung trifft immer der US-Grenzbeamte.
Schon jetzt gibt es sehr intensive Sicherheitsüberprüfungen an der Grenze. Diese begründen sich auf eine sogenannte "Presidential Action“, die bereits am 20. Januar 2025 veröffentlicht wurde. Darin werden die US-Grenzbeamten aufgefordert, alle Ausländer so umfassend wie möglich zu überprüfen und zu kontrollieren – insbesondere diejenigen, die aus Ländern oder Regionen stammen, in denen Sicherheitsrisiken festgestellt wurden.
Zwar zählen Länder, die am ESTA-Verfahren teilnehmen, nicht zu den Ländern mit besonderen Risiken. Aber die Verordnung hatte bereits Auswirkungen auf die Art und Weise, wie die Überprüfungen durchgeführt werden.
Wichtig ist es vor allem, die Fragen im ESTA-Verfahren ehrlich zu beantworten, denn Unstimmigkeiten führen immer zu Rückfragen. Auch die Frage nach den zuvor bereisten Ländern spielt eine wichtige Rolle: Es gibt mehrere Länder, nach deren Besuch eine Einreise per ESTA-Verfahren ausgeschlossen ist. Zu diesen Ländern zählt seit dem 21. Januar 2021 auch Kuba, das in der Vergangenheit ein allgemein beliebtes Reiseziel war.
Gerätesicherheit und Datenschutz
US-Behörden sind berechtigt, elektronische Geräte bei der Einreise zu kontrollieren. Dies kann kooperativ erfolgen, indem der Reisende aufgefordert wird, das Gerät freizugeben, oder im Rahmen einer forensischen Untersuchung. Auch hier richtet sich das Augenmerk besonders auf die Social-Media-Aktivitäten. Die Kontrollen finden stichprobenartig statt.