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Unbequeme Gedanken
Langsam komme ich nicht mehr mit: Nahezu alle Sitzplatz-Wünsche bei der Lufthansa sind mittlerweile kostenpflichtig – egal ob vorne in der Kabine oder hinten. Das aufpreispflichtige Verwirrspiel um die verschiedenen Sitztypen begann mit Allegris. Und ich dachte, man könne es kaum weiter auf die Spitze treiben. Doch weit gefehlt!
Sitzplatzreservierungen in der Economy Class sind, abgesehen von den Flex-Tarifen, mittlerweile nicht einmal mehr beim Check-in ohne Aufpreis möglich. Nun folgen drei weitere Sitztypen in der neuen Business Class im Airbus A380. Und schon vorher verlangt Lufthansa nun für Sitzplätze in der ersten Reihe der Business Class einen Aufpreis.
Wer zahlt diesen tatsächlich für die erste Reihe der Business Class auf der Kurzstrecke? Ich persönlich nicht – die erste Reihe ist wegen der speziellen Sitze und der Kabinenwand meist unattraktiv und sogar unbequem.
Mal ernsthaft. Ich kann es ja sogar verstehen, dass die Lufthansa vor allem in der aktuellen Lage versucht, überall noch einen Extra-Euro herauszuquetschen. Das ist mehr denn je nötig. Insgesamt wirken diese Ancillary-Maßnahmen aber wenig kundenfreundlich und vor allem undurchsichtig. Bleibt zu hoffen, dass sich Lufthansa hier nicht verzettelt.
Immerhin. In der Economy Class wird es nun ein bisschen fairer. Die Sitze in den hinteren Reihen auf der Kurzstrecke kosten weniger als jene im vorderen Teil der Reiseklasse. Wer also unbedingt seinen Sitzplatz reservieren möchte, kann hier ein paar Euro sparen. Und die neuen Business-Class-Sitze in der A380 in der ersten Reihe bieten einen tatsächlichen Mehrwert, mit mehr Fuß- und Stauraum.
Mein Tipp: Sonst einfach gar nichts reservieren. Unbequemer als in der allerletzten Reihe kann es sowieso nicht werden.
Glücksgedanken
Manche mögen sagen, dass sich die Lufthansa Group nicht nur bei ihren Sitzplätzen in der Kabine verzettelt, sondern auch bei ihren vielen Beteiligungen an Airlines und darüber hinaus. Ich sage: Zum Glück hat die Lufthansa Group ein so diversifiziertes Portfolio. Geht es den Passagier-Airlines nicht allzu gut, rettet im Normalfall die Technik oder auch mal die Cargo-Sparte – und gerne auch andersrum.
Nicht umsonst ist Konzernchef Carsten Spohr besonders auf seine neue italienische Tochter stolz. Die Integration sei rasch und flott verlaufen, die Zahlen dazu sähen vielversprechend aus. Genauso übrigens wie auf der anderen Seite der Alpen, bei Swiss.
Doch neben Glück hat man auch mal Pech. Die aktuelle Situation in der Luftfahrt trifft alle Fluggesellschaften mehr oder weniger gleichermaßen. Für die Lufthansa ist die Lage nicht nur international durch hohe Kerosinpreise angespannt, sondern auch national durch hohe Standortkosten.
In Deutschland sind deshalb bereits einige Inlandsverbindungen verschwunden, nun folgt in Österreich die Strecke Wien–Graz. Die Gründe dafür sind aktuell nachvollziehbar – gleichzeitig aber auch ein guter Vorwand, um sich von unliebsamen Kurzstrecken zu trennen.
Daraus macht die Lufthansa Group auch kein Geheimnis. Egal ob Kurzstrecken-Direktflug oder etwa per Umstieg von Berlin nach Barcelona: Geld verdienen der Kranich und seine Töchter hier nicht wirklich.
Daher die vage These: Die aktuelle Situation kommt der Lufthansa Group auch gelegen. Dass diese Strecken eines Tages zurückkehren, bezweifle ich daher.
Zum Glück gibt es ja aber die Condor, die so viel Gefallen an Zubringern gefunden hat, dass sie diese noch weiter ausbauen möchte. Wie das wirtschaftlich Sinn ergibt, weiß ich nicht. Muss ich aber auch nicht, denn ich bin ja nur Journalist und kein Airline-Chef.
Tipp: Noch mehr Gedankenflüge gibt es zum Hören: Den airliners.de-Podcast "Gedankenflüge" gibt es überall, wo es Podcasts gibt.