In seiner Kolumne "Die Mobilitätsformel" analysiert Dr. Klaus Radermacher verschiedene Verkehrssysteme auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten. Der Informatiker vergleicht Luftverkehr, Schiene und Straße ganzheitlich und plädiert für eine wissenschaftlich fundierte Betrachtung von Mobilität jenseits von Ideologie und Emotionen.
Jeder Bauherr kann auch im privaten Umfeld ein Lied davon singen: Häufig dauert es länger und oft wird es teurer als geplant! Auch bei der Renovierung des von meiner Familie und mir seit mehr als 20 Jahren bewohnten Gründerzeit-Hauses lagen die Gesamtkosten rund zehn Prozent über der nach bestem Wissen und Gewissen vom Fachmann durchgeführten Planung. Den Zeitplan konnten wir jedoch weitgehend einhalten. Zehn Prozent Kostensteigerung: So etwas kann man in der Finanzplanung berücksichtigen und es wird allenthalben empfohlen, einen entsprechenden Puffer zu haben.
Was ich heute nach aufwendiger Recherche und Analyse darlegen möchte, geht in ganz andere Dimensionen. Dass Verkehrsinfrastrukturprojekte in Deutschland mit einer gewissen Regelmäßigkeit um 50 bis 100 Prozent über den ursprünglich geplanten Kosten und Bauzeiten liegen, daran hat man sich bedauerlicherweise schon fast gewöhnt. Der Berliner Großflughafen BER sprengte jedoch alle bisher dagewesenen Rahmen.
Keineswegs möchte ich den Eindruck erwecken, im Nachhinein alles besser zu wissen. Ich bin weder in der Baubranche tätig, noch habe ich Erfahrung im Management von Milliarden-Projekten. Mir geht es auch nicht darum, Schuldige zu suchen und an den Pranger zu stellen. Deswegen enthält mein Text auch keine Namen von Personen, die im Zusammenhang mit der Baukatastrophe Verantwortung trugen und tragen. Die zeitaufwändige und intensive Recherche habe ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen mit ganzheitlicher Exzellenz durchgeführt. Um es vorwegzunehmen: Mit praktizierter Exzellenz hat die gesamte Geschichte um den BER nichts zu tun, das Gegenteil ist der Fall.
Innenaufnahme des BER-Terminals © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH / Günter Wicker
Eine Google-Anfrage mit den Schlagworten "BER Kostensteigerung" liefert fast acht Millionen Treffer. Ersetzt man "Kostensteigerung" durch "Verzögerung" sind es fast 20 Millionen Ergebnisse. Niemand ist in der Lage, diese "Quellen" im Nachhinein alle zu sichten, auszuwerten oder auch nur zwischen korrekten Informationen und Falschmeldungen zu unterscheiden. Ich habe im Zusammenhang mit der Recherche mehrere Dutzend Berichte und Zeitungsartikel aus allgemein als seriös eingestuften Quellen gelesen. Dazu zählen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ), die Hertie School of Governance, der "Tagesspiegel", das "Handelsblatt", und ein Internet-Bericht, der als Begleitung für einen Podcast über gescheiterte Bauprojekte in Deutschland erstellt wurde. Hilfreich waren auch Informationen und Berichte, die ich vom Bundesrechnungshof erhalten habe, und eine sehr brauchbare Übersicht mit vielen weiteren Quellen von Wikipedia.