Portugal erwartet am Mittwoch verbindliche Gebote von Air France-KLM und der Lufthansa Group für eine Minderheitsbeteiligung an der portugiesischen Fluggesellschaft Tap Air Portugal. Damit beginnt die entscheidende Phase im Ringen um einen der letzten eigenständigen Staatscarrier Europas.
Die Regierung in Lissabon hatte die lange verzögerte Privatisierung von Tap im Juli 2025 neu aufgelegt. Ziel ist der Verkauf eines Anteils von 44,9 Prozent an einen strategischen Partner aus der Luftfahrtbranche, der die globale Reichweite und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken soll.
Nach Angaben der Regierung muss Tap Teil einer größeren Fluggesellschaftsgruppe werden. Die EU-Beihilferegeln ließen keine weitere staatliche Finanzierung zu, wodurch das Unternehmen künftigen globalen Schocks schutzlos ausgesetzt wäre, warnte sie.
Air France-KLM und die Lufthansa sind nach Einreichung unverbindlicher Angebote im April die einzigen verbliebenen Bewerber. Die Regierung bezeichnete beide Vorschläge als "weitgehend gleichwertig und sehr ambitioniert" in strategischer, industrieller und finanzieller Hinsicht.
Die verbindlichen Angebote müssen bis 17.00 Uhr am Mittwoch vorliegen.
Konsolidierungswelle in Europa
Tap ist zum jüngsten Ziel der europäischen Konsolidierung im Luftverkehr geworden.
Die Lufthansa übernahm bereits einen Anteil von 41 Prozent an der italienischen Fluggesellschaft Ita Airways und reihte sie damit in ihr Portfolio neben Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines ein.
Air France-KLM expandierte unter anderem durch eine Beteiligung an der skandinavischen Fluggesellschaft SAS.
Beide Gruppen hatten ihr Interesse an einer Übernahme bekundet und erklärt, ihre Erfahrung bei der Integration von Fluggesellschaften unter Erhalt von Marken und Drehkreuzen werde helfen, die langfristige Zukunft von Tap zu sichern.
Mehr als nur das höchste Gebot
Der Hauptreiz von Tap liegt in ihren begehrten und lukrativen Start- und Landerechten, die das Drehkreuz Lissabon mit Brasilien, portugiesischsprachigen afrikanischen Ländern und den USA verbinden – zentrale Routen für die portugiesische Diaspora, den Tourismus und Investitionen.
Anders als bei einer klassischen Privatisierung gehe es hier um eine "strategische Entscheidung, die nicht auf den Preis reduziert werden" dürfe, sagte Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz.
Die Regierung wünscht sich von Taps künftigem Partner Unterstützung für Wachstum in ganz Portugal – mit gestärkten Betrieben und Verbindungen nicht nur in Lissabon, sondern auch in Porto, Faro, auf den Azoren und auf Madeira.
Analysten von Bernstein bezifferten den Wert des 44,9-Prozent-Anteils an Tap auf rund 700 Millionen Euro, basierend auf einer Bewertung der gesamten Fluggesellschaft von 1,5 Milliarden Euro. Die Regierung hat die Werte der unverbindlichen Gebote nicht offengelegt.