Ein Tisch wie jeder andere? Holzoberfläche, klappbar, Business-Class-Format. Andrew Muirhead steht stolz daneben auf der AIX 2026, tippt auf die Oberfläche – und auf dem scheinbar massiven Holz erscheint eine Menükarte. Wie das funktioniert? "Ist ein Geheimnis", sagt der Lufthansa-Technik-Manager und lächelt.
Im Jahr 2008 reichte Lufthansa Technik ein Designpatent ein. Die Idee: ein Klapptisch, der auf seiner Oberfläche Bilder anzeigen kann – Urlaubsfotos vom Handy, ein Schachbrett, interaktive Inhalte. Das Patent blieb in der Schublade. Die Technologie, um die Idee umzusetzen, existierte damals schlicht noch nicht. Es sollten 17 Jahre vergehen, bevor ein Ingenieur aus dem hauseigenen Tech-Readiness-Team zu Andrew Muirhead kommt und sagt: "Ich glaube, ich hab die Lösung."
Andrew Muirhead : Ein Mann im dunkelblauen Anzug und weißem Hemd steht vor einer modernen Glasfassade in einem hellen Innenraum. Der Bildausschnitt wirkt wie ein Business-Porträt. © Lufthansa Technik
Muirhead, Vice President Original Equipment und Special Aircraft Services bei Lufthansa Technik, erzählt die Entstehungsgeschichte auf der AIX 2026 in Hamburg beiläufig. Er beschreibt dabei nicht nur eine Produktbiografie, sondern das eigentliche Strukturproblem der Kabinenbranche: Ideen gibt es zuhauf, doch der Weg vom Entwurf bis zum zertifizierten Einbau dauert in der Luftfahrt ein Jahrzehnt oder länger. Das gilt auch für den Nice Intellitable – jenen Klapptisch mit eingebettetem Touchscreen, den Lufthansa Technik nun auf der laufenden Messe in Hamburg als Prototyp präsentiert.
Der Tisch ist dabei mehr als ein Messe-Gadget. Er steht für einen strategischen Wandel, den Lufthansa Technik seit Jahren vollzieht: weg vom reinen Instandhaltungsdienstleister, hin zum eigenständigen Entwickler und Anbieter von Kabinentechnologie.
Der "Nice Intellitable" ist per Definition zunächst einmal etwas für VIP-Kabinen. : Eine Frau sitzt in einer luxuriösen Flugzeugkabine am Fenster und bedient einen in den Tisch integrierten Touchscreen. Auf dem Klapptisch steht ein Gebäck, draußen fällt helles Tageslicht ein. © Lufthansa Technik
Der Tisch, der nicht aus Holz ist
Was der Nice Intellitable leistet, erschließt sich erst beim zweiten Blick. Die Oberfläche sieht aus wie Holz, Carbon oder Metall – je nach Kundenwunsch. Darunter verbirgt sich ein sehr dünnes Display, das nur dann durch die Oberfläche hindurch leuchtet, wenn es aktiviert ist. Im Ruhezustand ist nichts zu sehen: kein Bildschirm, kein Schalter, keine Naht. Die gesamte Elektronik steckt im Tisch selbst, ohne externen Rechner oder zusätzliche Hardware. "Das hat viel Hirnschmalz gebraucht", sagt Muirhead im Gespräch mit airliners.de.
Blick auf das Display des Nice Intellitable im flachen Winkel: Die Bildqualität ist selbst im Extrembereich noch gut. : Nahaufnahme eines schräg stehenden Displays auf einem Tisch. Eine Hand liegt daneben, der Bildschirm zeigt unscharfe Inhalte oder Bedienelemente. Im Hintergrund sind dunkle Tisch- oder Sitzflächen zu erkennen. © airliners.de / Andreas Sebayang
Der aktuelle Demonstrator bietet ein breites Funktionsspektrum: Moving Map, Vorschau von Speisen und Getränken, Musik- und Videoplayer sowie ein digitales Magazin als Flipbook. Wird der Tisch zum Essen genutzt, lassen sich alle Anzeigen auf einen schmalen Streifen am Rand minimieren oder komplett ausblenden.