Spohr sieht Zukunft der Luftfahrt gefährdet

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet, dass Fluggesellschaften weltweit die Corona-Krise nur mit Hilfe staatlicher Unterstützung überleben werden. Aktuell fliegen die Airlines der Gruppe nur noch fünf Prozent des Angebots - und setzen auf Kurzarbeit.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa / Daniel Bockwoldt

Die Coronapandemie birgt nach Einschätzung der Lufthansa die Gefahr, dass die Luftfahrtbranche künftig nur noch mit staatlicher Unterstützung überleben kann. Auch Lufthansa wird nach Einschätzung von Vorstandschef Carsten Spohr nur in verkleinerter Form aus der Coronakrise hervorgehen.

Die Verbreitung des Virus habe die gesamte Weltwirtschaft und auch die größte deutsche Fluggesellschaft "in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt", erklärte Spohr am Donnerstag. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann."

Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson zeigte sich zwar überzeugt, dass "die Lufthansa auch nach Corona noch fliegen und als Gewinner aus der Krise hervorgehen wird". Spohr zufolge wird der Konzern danach aber "nicht in den Normalzustand zurückfinden". Die Folgen der Pandemie veränderten die gesamte Branche.

Der derzeitigen Situation müsse der Konzern "mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen", kündigte Spohr an. Kurzftistig plane der Konzern mit massiver Kurzarbeit und will dabei möglichst wenig Zuschuss oberhalb der Sozialleistung leisten. Je weniger Zuschuss gezahlt werde, desto mehr Beschäftigte könnten an Bord bleiben, erklärte Spohr. Es sei Ziel des Unternehmens, möglichst alle 140.000 Beschäftigten auch nach der Krise weiterzubeschäftigen.

In Deutschland sei bereits Kurzarbeit für 31.000 Mitarbeiter der Lufthansa AG beantragt, sagte Spohr. Möglich sei Kurzarbeit für den vollen Arbeitsumfang über ein volles Jahr. Es liefen noch Gespräche mit den Gewerkschaften. Vorbereitet würden Anträge für die Bodenkräfte sowie Beschäftigte der Töchter Austrian und Brussels, ergänzte Finanzchef Ulrik Svensson.

Nicht absehbare Folgen

Aktuell könne noch niemand absehen, welche Folgen sich aus der Coronakrise ergeben, sagte Spohr anlässlich der Vorstellung der Jahreszahlen für 2019. Angesichts der massiven Auswirkungen rücke die Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem die Lufthansa nach einem Gewinn von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr unter dem Strich ein Konzernergebnis von 1,2 Milliarden Euro verzeichnete, "leider in den Hintergrund".

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Lufthansa wagt nach Gewinnrückgang und Corona keine Prognose

Spohr hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass die Lufthansa mit den Regierungen von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz über mögliche Unterstützung spricht. In den Nachbarländern ist die Lufthansa mit ihren Konzerntöchtern Austrian, Brussels und Swiss vertreten. Brussels in Belgien und Austrian in Wien sowie die italienische Tochter Air Dolomiti haben ihren regulären Flugbetrieb ausgesetzt.

Die Coronavirus-Pandemie könnte auch die Lufthansa-Tochter Swiss zu radikalen Schritten zwingen. "Wir können die vorübergehende Einstellung des Flugbetriebs nicht ausschließen", sagte Swiss-Chef Thomas Klühr am Donnerstag bei einer virtuellen Pressekonferenz in Zürich. "Es kann sein, dass wir die Entscheidung schnell und zügig treffen müssen."

Nur noch fünf Prozent des Angebots in der Luft

Bis 19. April finden nur noch rund fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge statt. Von den 763 Flugzeugen des Konzerns blieben vorläufig rund 700 am Boden. Fernflüge bietet die Lufthansa nur noch ab Frankfurt und dreimal pro Woche mit der Tochter Swiss ab Zürich an. In München sollen nur noch Maschinen des Ablegers Lufthansa Cityline abheben.

Lufthansa hält dagegen ihre Frachterflotte in der Luft. Diese besteht aktuell aus sieben Boeing 777F, sechs MD11F sowie vier 777F von Aerologic. Lufthansa prüft sogar, wie sie Passagierflugzeuge ohne Passagiere für reine Frachtflüge einsetzen könnte. Vorgesehen sind dafür Jumbojets vom Typ Boeing 747.

Eine Prognose, wann es wieder aufwärts gehen könnte, wagt der Lufthansa-Chef nicht. "Ich würde mich erst mal freuen, wenn wir im Sommer wüssten, wieder fliegen zu dürfen." Sicher sei, dass dieser Sommer kein normaler Sommer werde. Selbst wenn die Maschinen über Nacht plötzlich wieder starten dürften, wären sie nicht voll mit Passagieren.

Von: dh mit dpa, AFP

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