Konnektivität ist Souveränität – aber nur, wenn sie strategisch gesichert ist, © DPA/Jan Woitas
Ein Flugzeug der Airline Marabu startet vom Flughafen Leipzig/Halle. : Ein Flugzeug hebt als dunkle Silhouette vor einem orangefarbenen Abendhimmel ab. Rechts oben ist ein kleiner Vogel zu sehen. Weitere Details zum Flugzeug oder Ort sind im Bild nicht erkennbar. © DPA / Jan Woitas
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In den vergangenen Tagen hat Linus Benjamin Bauer von "BAA & Partners" unter anderem im Rahmen eines ARD-Interviews in Singapur über die aktuelle Kerosinversorgungskrise gesprochen – über das, was Airlines intern kommunizieren, was Regierungen nach außen sagen und was diese Diskrepanz über den Zustand europäischer Energieresilienz verrät. Die Reaktionen auf dieses Interview haben eines deutlich gemacht: Das Thema trifft einen Nerv. Und das aus gutem Grund.

Denn was wir derzeit beobachten, ist keine isolierte Versorgungsstörung. Es ist ein Stresstest für ein System, das über Jahrzehnte auf Effizienz optimiert wurde – nicht auf Resilienz. Die Luftfahrt ist dabei ein besonders sensibler Indikator, weil sie wie kaum eine andere Industrie von stabilen, global integrierten Lieferketten abhängt.

Dieser Gastbeitrag ist der Versuch, die aktuelle Lage jenseits der täglichen Schlagzeilen einzuordnen – mit dem Blick eines Strategieberaters, der seit Jahren Fluggesellschaften, Flughäfen und Regulatoren in Europa, dem Nahen Osten und Asien begleitet. Es geht nicht darum, Alarmismus zu betreiben. Es geht darum, strukturelle Schwächen sichtbar zu machen – bevor sie sich weiter verfestigen.

Die operative Lage hat sich erheblich verschärft. Die Kerosinimporte aus dem Nahen Osten nach Europa sind auf einen historischen Tiefstand gefallen. Der Spotpreis für Jet A-1 hat sich innerhalb weniger Wochen auf knapp 1800 US-Dollar pro Tonne verdoppelt. IEA-Direktor Fatih Birol bezifferte die verbleibenden europäischen Reserven Mitte April auf rund sechs Wochen – ein Zeitfenster, das mit jedem Tag schmaler wird.

Die drei in diesem Beitrag skizzierten Szenarien sind inzwischen keine Planspiele mehr, sondern operative Realität. Die Lufthansa Group hat 20.000 Kurzstreckenflüge bis Oktober gestrichen, die Tochter Cityline über Nacht permanent eingestellt und die Ausmusterung älterer Langstreckenflugzeuge vorgezogen. SAS strich im April rund 1000 Verbindungen, KLM 160 Flüge im Mai, Transavia ganze Strecken im Mai und Juni. Turkish Airlines hat 18 Routen suspendiert. Ryanair warnt vor dem Ausfall von fünf bis zehn Prozent des Sommerprogramms. An mehreren italienischen Flughäfen wird Kerosin bereits rationiert.

Gleichzeitig hat sich die geopolitische Lage weiter zugespitzt. Die Straße von Hormus bleibt faktisch geschlossen. Am 4. Mai haben amerikanische und iranische Streitkräfte im Sund Schüsse gewechselt – im Rahmen einer US-Operation zur Eskortierung neutraler Schiffe, die Teheran als Provokation betrachtet. Der fragile Waffenstillstand steht auf der Kippe.

Für die Versorgungsplanung europäischer Airlines bedeutet das: Die zeitliche Dimension der Krise, die in diesem Beitrag als zentrales Risiko identifiziert wird, hat sich nicht entspannt, sondern verschärft.

Hinzu kommt ein zweiter Versorgungsvektor, der in der öffentlichen Debatte bislang kaum beachtet wird: Seit dem 1. Mai hat Russland den Transit kasachischen Rohöls durch die Druschba-Pipeline eingestellt. Für die Raffinerie Schwedt – einen der wichtigsten Standorte für die Kerosinproduktion in Ostdeutschland – bedeutet das den Verlust von 20 bis 30 Prozent des Rohstoffeinsatzes.

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Friedrich Merz, © dts Nachrichtenagentur
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Der Himmel ist am frühen Morgen über dem Industriepark Höchst eingefärbt. Erdöl, Kerosin, Betankung., © DPA/Andreas Arnold
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Eingemottete A330 der American Airlines in Roswell., © AirTeamImages.com/Ryan Patterson
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