Lufthansa will Staatshilfen beantragen

Der Lufthansa-Konzern erwägt aufgrund der Corona-Krise, Staatshilfen zu beantragen - und das nicht nur in Deutschland. Zudem spielt das Airline-Management auch eine temporäre Stilllegung des Flugbetriebs durch. Entschieden ist aber noch nichts.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © dpa / Daniel Bockwoldt

Die Lufthansa lotet wegen der immensen Folgen des Coronavirus die Chance auf staatliche Unterstützung aus. "Wir sprechen mit den Regierungen der Heimatmärkte über mögliche Staatshilfen", sagte ein Konzernsprecher am Freitag und bestätigte damit einen Bericht aus der Online-Ausgabe des "Handelsblatts".

Der Vorstand habe sich "vor dem Hintergrund dieser bisher unbekannten Herausforderung daher entschieden, mit den Regierungen unserer Heimat-Länder nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Freitag in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter.

Flugbetrieb könnte temporär eingestellt werden

Der Zeitung zufolge nimmt Lufthansa-Chef Carsten Spohr an einer Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teil, in der es um das neuartige Coronavirus und die Folgen etwa für die Wirtschaft gehen solle. Der Lufthansa-Konzern hat wegen des immensen Nachfrageeinbruchs und Einreiseverboten einen Großteil des Flugangebots für die kommenden Wochen gestrichen. Neben der deutschen Regierung sei man mit den Regierungen von Österreich, Belgien und der Schweiz im Gespräch, in denen der Konzern mit seinen Tochtergesellschaften Austrian, Brussels und Swiss vertreten ist.

Die Lufthansa hat wegen des herben Nachfrageeinbruchs den Löwenanteil ihres Flugangebots für die kommenden Wochen gestrichen. "Ab den nächsten Tagen werden mindestens zwei Drittel unserer fast 800 Flugzeuge am Boden stehen, inklusive 150 Langstreckenflugzeugen", sagte Spohr. Die Auswirkungen der Pandemie auf das Reiseverhalten der Menschen sei in allen Märkten der Lufthansa extrem. "Unsere Airlines erhalten inzwischen jeden Tag mehr Stornierungen als Buchungen."

Hinzu kommen die Reisebeschränkungen durch Regierungen anderer Länder. So dürfen Menschen aus dem EU-Schengen-Raum ab diesem Samstag für 30 Tage nicht mehr in die USA einreisen - laut Spohr der "wichtigste Markt" für die Lufthansa. In den kommenden Wochen plant er nur noch vier Flüge pro Tag in die Vereinigten Staaten. Der Manager sprach von einem "Rumpfflugplan".

Wie lange die Lufthansa diese Situation finanziell durchstehen kann, ließ Spohr offen. Allerdings sei sie dazu "auf jeden Fall länger" in der Lage als andere Airlines, versprach er.

© AirTeamImages.com, Carlos Enamorado Lesen Sie auch: "Staatlicher Eingriff" trotz Klimakrise - Lufthansa kritisiert Condor-Übernahme

Spohr rief die Mitarbeiter zur Solidarität und Verzicht auf, "um die Zukunft der Lufthansa-Gruppe zu sichern". "Die in den vergangenen Jahren abgeschlossenen Vereinbarungen zur Krisensicherung werden für diese Herausforderung in der aktuellen Situation nicht reichen", sagte Spohr. Ziel sei, "in dieser einzigartigen Krise möglichst alle Beschäftigten an Bord zu halten". Das Management spreche mit den Gewerkschaften über ein Entgegenkommen. Spohr sagte zu, der Vorstand werde sich "in Solidarität" mit "Maßnahmen zum Verzicht beteiligen".

Für den Fall, dass die Krise noch schlimmer wird oder länger dauert, spielt die Führungsspitze bereits Möglichkeiten durch, wie sie Teile des Flugbetriebs zeitweise stilllegen könnte. Laut Spohr gehören zu den möglichen Krisenmaßnahmen "auch potenzielle temporäre Schließungen" von Flugbetrieben oder einzelner Drehkreuze.

Dem "Handelsblatt" zufolge werden im Vorstand derzeit auch Szenarien durchgespielt, den Flugbetrieb eine Zeit lang weitgehend einzustellen. Entschieden sei aber noch nichts. "Die Situation ist im Moment außerordentlich dynamisch", zitiert die Zeitung eine Quelle aus dem Umfeld des Unternehmens. Der Konzernsprecher wollte diese Darstellung nicht kommentieren.

Von: dpa, br

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