Liebe Leserinnen und Leser,
im Bereich Flugsicherung und Drohnen standen in den vergangenen Wochen vor allem politische Weichenstellungen, Standortfragen und operative Störungen im Fokus. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen. Das sind unsere Top-Themen der Woche:
- Warum der Entwurf der nationalen Luftfahrtstrategie aus Sicht der Branche an entscheidenden Stellen zu vage bleibt
- Weshalb BDL-Chef Joachim Lang bei Steuern, Luftsicherheitsgebühren und Streiks scharfe Kritik übt – und sogar eine Klage erwägt
- Wie sich der Forschungsflughafen Braunschweig als Zentrum für unbemannte Luftfahrt, Sicherheit und klimafreundliches Fliegen neu aufstellt
Zudem geht es um den Drohnenalarm, der den Flughafen München im Pfingstverkehr kurzzeitig lahmlegte, um das überarbeitete Betriebskonzept von Fraport und DFS in Frankfurt und um die zusätzlichen Lärmbelastungen, auf die sich Anwohner im Nordwesten des Flughafens einstellen müssen.
Kommen Sie gut durch die restliche Woche!
| Herzliche Grüße Alexander Fink Redakteur airliners.de |
Luftfahrtstrategie-Entwurf: Branche vermisst konkrete Maßnahmen
Die Konsultationsfrist zum Entwurf der nationalen Luftfahrtstrategie ist ausgelaufen. Das Echo aus der Branche reicht von verhaltener Zustimmung bis zu scharfer Kritik. Vor allem einen entscheidenden Punkt vermissen die Verbände im Entwurf.
Söder, Merz, Klingbeil, Esken am 09.04.2025 © via dts Nachrichtenagentur
(David Haße) Anfang der Woche ist die Konsultationsfrist zum Entwurf der nationalen Luftfahrtstrategie der Bundesregierung zu Ende gegangen. Die Reaktionen der Branche auf die Pläne der Regierung fallen unterschiedlich aus.
Die drei federführenden Bundesministerien für Wirtschaft und Energie, für Verkehr sowie für Verteidigung hatten den Strategieentwurf am 30. April vorgelegt. Bis zum 11. Mai konnten Länder und Verbände Stellung nehmen.
Das Papier umfasst Sofortmaßnahmen zur Kostensenkung, eine Milliardenförderzusage für erneuerbare Flugkraftstoffe sowie Leitlinien zur technologischen Souveränität – und schlägt erstmals systematisch eine Brücke zwischen ziviler und militärischer Luftfahrt.
Während der Flughafenverband ADV den Entwurf grundsätzlich begrüßt, fordern der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und auch Ryanair deutlich weitergehende Schritte, wie aus einer airliners.de-Anfrage bei den Branchen-Stakeholdern hervorgeht.
BDL fordert weitergehende Entlastungen
Der BDL teilt zwar das Leitbild des Entwurfs, übt aber deutliche Kritik an dessen Konkretisierungsgrad. Der Bundesverband bezeichnet den Entwurf in weiten Teilen als Sachstandsbericht ohne klare Priorisierung und Zeitplan.
Es fehle an einer Strategie mit konkreten Maßnahmen zur Stärkung des Luftverkehrsstandortes, die in Regierungshandeln überführt werden könnten. Der Entwurf bleibe sowohl hinter den Eckpunkten aus Oktober 2025 als auch hinter dem Koalitionsvertrag zurück. Auch die im Koalitionsvertrag vereinbarte weitere Reduzierung luftverkehrsspezifischer Steuern, Gebühren und Abgaben werde nicht mit Maßnahmenvorschlägen hinterlegt.
Die Standortkosten in Deutschland haben sich nach BDL-Angaben seit 2019 mehr als verdoppelt. Allein 2025 seien die staatlichen Belastungen für den Luftverkehr ab Deutschland um über eine Milliarde Euro auf rund 4,7 Milliarden Euro gestiegen.
Der Verband fordert eine Halbierung der regulatorischen Belastungen um mindestens zwei Milliarden Euro. Vorrangig sei die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Alternativ verlangt der BDL eine deutliche Reduzierung in Verbindung mit der Übernahme der Basiskosten der Flugsicherung sowie der pandemiebedingten DFS-Einnahmeausfälle durch den Bund. Zudem solle der Staat einen größeren Teil der Luftsicherheitskosten übernehmen. Vermisst wird vom BDL außerdem ein eigener Abschnitt zum Tourismus.
Ryanair droht mit Kapazitätsabzug
Die deutlich schärfste Kritik kommt von der Ryanair. Der irische Billigflieger bezeichnet den deutschen Luftverkehr in seinem Positionspapier als Schlusslicht in Europa. Das Passagieraufkommen liege weiterhin bei nur 89 Prozent des Vorkrisenniveaus, während andere große EU-Märkte ihr Vorkrisenniveau bereits überschritten hätten.
Ursache seien überhöhte Flughafenentgelte, eine der höchsten Luftverkehrssteuern Europas, eine ineffiziente Flugsicherung sowie hohe Luftsicherheitsgebühren. Die Rücknahme der Steuererhöhung von 2024 sei zwar ein erster positiver Schritt, reiche aber bei Weitem nicht aus.
Die Airline fordert die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer nach dem Vorbild Ungarns, Schwedens oder einzelner italienischer Regionen, eine Senkung der Flughafenentgelte um 50 Prozent, eine Deckelung der Flugsicherungsgebühren auf maximal 100 Euro je Flug sowie der Luftsicherheitsgebühren auf zwei2 Euro pro Passagier.
Bereits angekündigt hat die Fluggesellschaft den Abzug aller sieben am Berliner Flughafen BER stationierten Flugzeuge zum Winterflugplan 2026. Als Gründe nennt sie hohe Standortkosten, steigende Gebühren und das aus ihrer Sicht starre Nachtflugverbot am Hauptstadtflughafen.
ADV sieht auch Stärken im Entwurf
Der Flughafenverband ADV begrüßt den Strategieentwurf und das vorgesehene Entlastungspaket dagegen. ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel hob hervor, dass die Strategie das dichte Netz deutscher Verkehrsflughäfen ausdrücklich als Stärke des Standorts anerkenne und Flughäfen als kritische Infrastruktur einordne.
Positiv bewertet der Verband zudem das klare Signal zu den Betriebszeiten. 24/7-Flughäfen würden als unverzichtbar für Luft- und Expressfracht eingestuft. Bestehende Betriebsregelungen genössen Bestandsschutz. Auch die geplante Absenkung der Flugsicherungsgebühren sowie die Rücknahme der Luftverkehrsteuererhöhung würden zentrale ADV-Forderungen aufgreifen. Entscheidend werde nun sein, so der Verband, dass die angekündigten Maßnahmen verbindlich, finanziell hinterlegt und zügig umgesetzt würden.
Was im Entwurf steht
Laut Strategieentwurf will die Bundesregierung die nationale Gesamtverteidigung als "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" verstehen, in der auch die Zivilluftfahrt eine Rolle spielt. Zivile Infrastrukturen sollen im Verteidigungsfall flexibel einsetzbar sein. Die Bundesregierung strebt eine engere Verzahnung ziviler und militärischer Industriekompetenzen an, um Dual-Use-Potenziale besser zu nutzen und Lieferketten zu stärken.
Ein weiteres Kernstück der Strategie ist die Förderung erneuerbarer Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF). Für den Markthochlauf von strombasierten synthetischen Kraftstoffen (eSAF) stellt die Bundesregierung im Haushalt 2026 bis zu zwei Milliarden Euro für die Jahre 2030 bis 2039 bereit.
Für die kommende Generation von Kurzstreckenflugzeugen – den sogenannten Next Generation Single Aisle – kündigt die Bundesregierung an, die Industrie bei der Übernahme von Gesamtsystemverantwortung zu unterstützen und deutsche Kernkompetenzen wie Strukturen, Rumpf, Kabine und Triebwerkstechnologien gezielt zu stärken.
Als Soroftmaßnahme nennt die Strategie die Rücknahme der letzten Erhöhung der Luftverkehrsteuersätze auf das Niveau vor dem 1. Mai 2024. Parallel dazu sollen die Flugsicherungsgebühren noch in diesem Jahr erstmals reduziert werden – bis 2029 sollen sie insgesamt um deutlich mehr als zehn Prozent sinken. Zusätzlich sollen Prozess- und Effizienzverbesserungen die Kosten für Luftsicherheitskontrollen an Flughäfen senken. Die Maßnahmen sind Teil eines ersten Entlastungspakets, das der Koalitionsausschuss beschlossen hat.
Strategie soll zur ILA präsentiert werden
Die Idee für eine nationale Luftfahrtstrategie geht auf den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD zurück. Die Eckpunkte wurden im Oktober 2025 erarbeitet.
Die ursprünglich bereits für Ende 2025 geplante Finalisierung der Strategie war dann allerdings zunächst auf das erste Quartal 2026 und schließlich auf den Juni verschoben worden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt angekündigt, die finale Strategie zum Start der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin Mitte Juni vorzulegen.
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Luftfahrt-Podcast (46): BDL-Chef Joachim Lang über Steuern, Kerosin und Streiks
BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang sagt im airliners.de-Podcast: "Der Staat hat es übertrieben". Nun erwägt der Verband sogar eine Verfassungsklage gegen die Luftsicherheitsgebühren.
BDL-Podcast über mögliche Verfassungsklage in der Luftfahrt : Podcast-Grafik mit zwei Männern an Mikrofonen und Kopfhörern vor blauem Hintergrund. Sichtbar ist der Text „Der BDL erwägt eine Verfassungsklage.“ sowie die Zahl 46. © airliners.de
Den airliners.de-Luftfahrt-Podcast gibt es als Video-Podcast auf Youtube und bei Spotify sowie als Audio-Podcast bei Apple Podcasts, Amazon Music und überall wo es Podcasts gibt (RSS-Link).
"Der Staat ist so gierig, dass wir das vor Gericht bringen wollen", sagt Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL, dem Dachverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft. Im Gespräch mit David Haße macht er keinen Hehl daraus, was er von der Luftfahrtpolitik der letzten Jahre hält.
Europa wächst, Deutschland nicht. Während der europäische Durchschnitt beim Passagierangebot inzwischen bei 116 Prozent des Vorkrisenniveaus liegt, hängt Deutschland bei 89 Prozent fest. 60 Flugzeuge haben den deutschen Punkt-zu-Punkt-Verkehr verlassen – nicht weil die Nachfrage fehlt, sondern weil sich das Fliegen in Deutschland schlicht nicht mehr rechnet.
Lang erklärt, warum die Verdopplung der Luftverkehrsteuer in der Pandemie das größte Einzelproblem ist – und warum die jetzt im Bundestag beratene Teilrücknahme bei weitem nicht reicht.
Dazu kommen Luftsicherheitsgebühren, die Lang aus verfassungsrechtlichen Gründen für eine Zumutung hält: Die Sicherheitskontrolle am Flughafen sei eine hoheitliche Aufgabe – und trotzdem zahlt der Passagier sie zu hundert Prozent. Der BDL denkt inzwischen ernsthaft über eine Klage nach. Und beim Streikrecht fordert der Verband eine Mindestbetriebspflicht für kritische Infrastruktur, wie es sie in anderen europäischen Ländern längst gibt.
Am Ende gibt es noch einen Buchtipp – und natürlich ein Fazit des Lobbyisten: Die Probleme des deutschen Luftfahrtstandorts sind nicht schicksalhaft. Sie sind hausgemacht. Und deshalb lassen sie sich auch lösen.
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Forschungsflughafen Braunschweig setzt auf Sicherheit und unbemannte Luftfahrt
Der Forschungsflughafen Braunschweig soll künftig stärker wirtschaftliche Chancen bei Drohnen, Sicherheit und klimafreundlichem Fliegen nutzen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) informierte sich bei einem Parlamentarischen Abend in Berlin – welche konkreten Ambitionen der Standort verfolgt.
Terminal des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg vom Vorfeld aus gesehen. : Das Bild zeigt das Terminalgebäude des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg. Die Ansicht ist vom Vorfeld aus aufgenommen, im Vordergrund ist das Rollfeld zu sehen. Das Gebäude hat eine moderne Glasfront im unteren Bereich und einen traditionellen Aufbau mit Kontrollturm darüber. Klare Wetterbedingungen, blauer Himmel. © Flughafen Braunschweig-Wolfsburg
(af, DPA) Wachsende Bedrohungen aus der Luft und klimafreundlicheres Fliegen: Am Forschungsflughafen in Braunschweig sollen aktuelle Entwicklungen verstärkt in wirtschaftliche Chancen umgemünzt werden. Es gehe darum, mehr Aufgaben in der Beobachtung und Aufklärung an Land und auf See, beim Frachttransport, aber auch im Bereich Sicherheit und Verteidigung zu übernehmen, teilte die Stadt mit. Die Luftfahrttechnik werde deutlich agiler und flexibler.
"Über 3700 Arbeitsplätze in Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind dort mittlerweile angesiedelt", sagte Oberbürgermeister Thorsten Kornblum (SPD). Der Airport biete Antworten auf die Fragen der Zukunft, warb Kornblum bei einem Parlamentarischen Abend in Berlin, bei dem sich auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) über den Forschungsflughafen informierten.
Forschungseinrichtungen wie die Technische Universität (TU) Braunschweig oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellten Fragen zur unbemannten Flugtechnik oder der Rolle von Drohnen in der zivilen Nutzung und beim Schutz kritischer Infrastruktur in den Mittelpunkt. "Dieses Potenzial werden wir gezielt nutzen und den Standort als Zentrum für Forschung, Erprobung und Zertifizierung weiter stärken", sagte TU-Präsidentin Angela Ittel.
Dass der Flughafen auch ein wichtiges Zentrum für Mobilitätsforschung in Europa ist, soll ein autonomes Shuttle belegen, das künftig zwischen den internationalen Forschungszentren und Bundesforschungsinstituten verkehrt.
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Blick auf ein Terminal am Flughafen München. : Luftbild des Münchner Flughafens (MUC) zeigt ein großes Terminal mit mehreren Fluggastbrücken und drei an Gates stehenden Lufthansa‑Langstreckenflugzeugen. Im Hintergrund sind der Kontrollturm, die markanten gewölbten Hallendächer, Rollbahnen und Grünflächen unter klarem Himmel zu sehen. © Flughafen München
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