In Hangar 285 der Elbe Flugzeugwerke riecht es nach Werkstatt. Ein straffer Zeitplan koordiniert den hier gerade stattfindenden C-Check für einen Airbus A380 der Lufthansa. Doch der Check ist dieses Mal anders: Das Flugzeug bekommt gleichzeitig neue Business-Class-Sitze. Woran man das sofort merkt? Ganz einfach: Sobald man das Oberdeck des Airbus A380 betritt, riecht es plötzlich nach Neuwagen. David Haße und Alexander Fink haben die Elbe Flugzeugwerke in Dresden besucht.
Im Hangar 285 der Elbe Flugzeugwerke am Rande des Flughafens Dresden, herrscht der vertraute Lärm einer großen Wartungshalle. Ein Kran springt an. Hebebühnen kreischen. Hydraulikdruckgeneratoren summen. Es ist warm, fast unangenehm, schon fast heiß. Draußen herrscht ein makelloser Mai-Tag – kein einziges Wölkchen über Dresden.
Hangar 285 war einmal der Haupthangar des Flugzeugwerks Dresden, hier wurde unter anderem die Baade 152 gebaut, das einzige Passagierflugzeug der DDR. Heute steht hier ein Airbus A380. Das Lufthansa-Flugzeug wird hier gewartet. Aber nicht nur das: Dieses Mal steht auch ein Retrofit der Business-Class an.
Einer von vier weltweit
Andreas Mayer tritt auf. Groß, grauhaarig, das fein gemusterte Hemd hochgekrempelt, das Sakko längst ausgezogen – es ist schlicht zu warm heute. Am Handgelenk eine schwere Fliegeruhr, der Blick ruhig und klar. Er ist Leiter Umrüstung und Wartung bei den Elbe Flugzeugwerken, kurz EFW, und wenn er durch die Halle geht, grüßt er jeden Mitarbeiter. Viele sprechen ihn an. Hier ist er der Chef.
"Es gibt weltweit nur vier MRO-Betriebe, die überhaupt die A380-Fähigkeit haben", sagt Mayer, und man hört den Stolz, den er nicht versteckt. Die Investitionen in Infrastruktur, Werkzeug und Qualifikation, die nötig sind, um den Doppeldecker überhaupt warten zu dürfen, sind enorm. Die Konkurrenz sitzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten, auf den Philippinen. Dresden hat sich seinen Platz in diesem exklusiven Club erarbeitet – zunächst mit A380-Reparaturen für Emirates, dann mit einem kompletten Kabinenrefurbishment für Qantas. "Wir haben dort die komplette Kabine von Qantas überholt, eine komplett neue Kabine installiert. Handwerklich sehr herausfordernd", erinnert sich Mayer. "Davon profitieren wir heute."
Andreas Mayer im airliners.de-Interview : Ein Mann wird in einer hellen Flugzeughalle von einem Reporter interviewt. Im Hintergrund stehen Teile einer Airbus-Zelle, Leitern und Werkstattgeräte. © airliners.de / David Haße
Die Elbe Flugzeugwerke, 1955 gegründet, seit 1991 mit Airbus verbunden und seit 2013 mehrheitlich unter dem Dach des singapurischen ST Engineering – des weltgrößten MRO-Konzerns –, beschäftigen hier in Dresden rund 2200 Mitarbeiter. Das Hauptgeschäft: Frachterumrüstungen, vor allem A330 werden hier von Passagierversionen auf Vollfrachter umgerüstet, A330P2F, heißen sie dann.