Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat eigenen Angaben zufolge Warnsignale vor der tödlichen Kollision nahe dem Reagan Washington National Airport im Januar 2025 nicht in konkrete Maßnahmen umgesetzt. FAA-Chef Bryan Bedford räumte das in einer schriftlichen Stellungnahme vor einem Unterausschuss des US-Senats ein. Bei dem Unglück waren 67 Menschen ums Leben gekommen, als ein Regionaljet der American Airlines mit einem Militärhubschrauber zusammenstieß.
"Unser Luftraumsystem sendete vor diesem tragischen Abend Warnsignale aus. Das Problem war kein Mangel an Daten – es war das Versagen, diese Daten in Handlungen umzusetzen", erklärte Bedford. "Diese Lücke schließen wir gerade mit Hochdruck."
Im Januar hatte die Nationale Transportsicherheitsbehörde (NTSB) festgestellt, dass eine Reihe systemischer Fehler der FAA zu dem schwersten US-Flugunfall seit mehr als zwei Jahrzehnten geführt hatte. Laut NTSB lag die Ursache in der Entscheidung der FAA, Hubschrauber ohne ausreichende Sicherheitsabstände in der Nähe des Flughafens fliegen zu lassen, sowie im Versäumnis, vorliegende Daten auszuwerten und Empfehlungen zur Verlagerung des Hubschrauberverkehrs umzusetzen.
15.200 Zwischenfälle seit 2021
Wie gravierend das Problem war, zeigen aktuelle Zahlen: Seit 2021 gab es nahe dem Reagan Airport 15.200 Separationsvorfälle zwischen Linienflugzeugen und Hubschraubern, darunter 85 Beinahe-Kollisionen. Nach dem Unglück im Januar 2025 schränkte die FAA den Hubschrauberverkehr rund um Reagan Airport ein und verhängte ähnliche Beschränkungen auch für die Flughäfen Baltimore, Las Vegas und Washington Dulles. Zudem wurde die Ankunftsrate am Reagan Airport gesenkt.
Als weitere Sofortmaßnahme setzte die FAA im März die visuelle Separation zwischen Flugzeugen und Hubschraubern an Großflughäfen aus. Auslöser waren nach FAA-Angaben zwei jüngste Vorfälle, darunter eine Beinahe-Kollision zwischen einer Maschine der American Airlines und einem Polizeihubschrauber nahe dem Flughafen San Antonio.
Reorganisation und Milliarden für Flugsicherung
Bedford kündigte zudem eine umfassende strategische Neustrukturierung der FAA an, die Führungsrollen verschlanken und informatorische Silos aufbrechen soll, die Transparenz und Informationsaustausch behindert hatten. Das US-Verkehrsministerium drängt den Kongress unterdessen, zusätzliche zehn Milliarden Dollar (rund 8,6 Milliarden Euro) für die weitere Modernisierung der Flugsicherung zu bewilligen – nachdem bereits 12,5 Milliarden Dollar genehmigt worden waren.
"Mit mehr als 18 Millionen verwalteten Flügen und über einer Milliarde Passagierbewegungen jährlich hat unser derzeitiges System seine Grenzen erreicht", sagte Bedford.