Erste Testflüge erfolgreich - Kommt Fracht bald per Drohne nach Juist?, © DPA/Hauke-Christian Dittrich
Ingo Hellmann, Drohnenpilot und Betriebsleiter der FLN Frisia-Luftverkehr am Flugplatz Norddeich, bereitet eine Drohne vom Typ DJI Matrice 400 für einen Testflug zur Nordseeinsel Juist vor. : Ein Mann in auffälliger gelber Arbeitsjacke kniet auf dem gepflasterten Vorfeld und richtet eine große Drohne auf einem orangefarbenen Lande- und Startpad aus. Im Hintergrund stehen Hangars und Betriebsgebäude; der Himmel ist leicht bewölkt. © DPA / Hauke-Christian Dittrich
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Konzentriert blickt Ingo Hellmann auf eine Konsole mit Monitor und zwei Joysticks vor ihm. Während um ihn herum im Kontrollraum des Flugplatzes im ostfriesischen Norddeich Flug- und Schiffsbewegungen über mehrere Monitore flimmern, macht Hellmann eine Drohne startbereit - vom Schreibtisch aus. "Haben wir irgendetwas in der Luft?", fragt Hellmann seine Kollegin, die neben ihm die Monitore beobachtet. "Negativ, ist alles weit weg", antwortet sie. Der Luftraum über der Nordsee ist frei für einen Testflug.

Denn seit wenigen Wochen testet die Fluggesellschaft Frisia Luftverkehr Norddeich (FLN) einen Frachtverkehr zwischen dem Festland und der Insel Juist mit der Drohne. Dafür ist an das Fluggerät ein kleiner Kasten montiert. Bis zu sechs Kilogramm schwere Lasten kann die Drohne so transportieren - heute ist die Box allerdings leer, getestet werden sollen die Flugbedingungen.

Durch die Fenster des Kontrollraums ist zu sehen, wie nach einem Befehl auf der Konsole die vier Rotoren der grau-schwarzen Frachtdrohne anfangen, sich auf dem Vorfeld des Flugplatzes zu drehen. Dann geht die Drohne in die Luft. "Sie wird nun auf die Flughöhe von 100 Meter steigen", erklärt Hellmann, während er den Start am Bildschirm verfolgt. Danach fliegt die Drohne auf ihrer rund 13 Kilometer langen Strecke nach Juist eingespeicherte Wegmarken automatisch ab. Vom Flugplatz aus geht es Richtung Norddeicher Hafen, über das Wattenmeer in Richtung einer Landefläche nahe dem Inselhafen.

Lufttransport unabhängig von Ebbe und Flut

Während die Drohne sich auf den Weg macht, überwacht Hellmann den Flug mit Hilfe eines Livebildes auf seiner Steuerungskonsole. Falls sich ein Hubschrauber oder ein Flugzeug nähere, könne er eingreifen, sagt der Drohnenpilot. Auch Fähren auf dem Wasser darf die Drohne nicht überfliegen. "Ich kann komplett die Steuerung übernehmen und dann dem Hindernis ausweichen."

Früher war Hellmann Tornado-Pilot bei der Bundeswehr. Die Drohne sei über Joysticks ähnlich zu steuern wie ein Flugzeug. "Es ist natürlich von Vorteil, wenn man einen fliegerischen Hintergrund hat."

Die FLN, die noch bis vergangenes Jahr von Norddeich aus Urlauber mit kleinen Propellermaschinen nach Juist flog, sieht in der Drohnenfliegerei Potenzial für die Inselversorgung. Denn die großen Passagierfähren zwischen Insel und Festland, die auch die Fracht transportieren, fahren abhängig von den Gezeiten Ebbe und Flut - und den Wettereinflüssen. Die Drohne kann dagegen laut Fluggesellschaft bis Windstärke neun unterwegs sein.

Was die Frachtdrohne transportieren könnte

"Das Drohnenthema ist sehr spannend", sagt FLN-Geschäftsführer Olaf Weddermann mit Blick auf ein mögliches, künftiges Geschäftsfeld. Was genau mit solchen Drohnen einmal von und zur Insel transportiert werden könne und auch als Geschäftsmodell funktioniere, sei heute noch schwer vorherzusagen.

"Ich glaube, dass sich vorrangig im Bereich der Rettung, der Notfallversorgung die ersten Modelle bewegen werden", sagt Weddermann. Vieles, was eilig sei und nicht dringend per Schiff transportiert werden müsse, komme infrage: Der Transport von Medikamenten oder Blutproben etwa, die schnell auf die Insel oder ans Festland kommen müssen, sei denkbar. "Vielleicht auch im Bereich Offshore, also Fracht hinausbringen in die Windparks."

Für die Fluggesellschaft gehe es darum, die Drohnenfliegerei aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln, sagt der FLN-Geschäftsführer. Für einen regulären Betrieb wären noch Genehmigungen nötig und auch konkrete Anfragen zur Inselversorgung per Drohne gäbe es bislang nicht, berichtet Weddermann.

Verband: "Technisch ist vieles bereits machbar"

Auch, dass die Deutsche Post 2014 schon einmal in einem ähnlichen Pilotprojekt 2014 einen sogenannten Paketkopter zu Testzwecken nach Juist einsetzte, schreckt die FLN nicht ab. Damals wurden mit einer Drohne ebenfalls Medikamente vom Festland nach Juist zur Inselapotheke geflogen. Doch das Forschungsprojekt wurde abgeschlossen. Weitere Projekte mit dem DHL "Paketkopter" oder ein Regelbetrieb für die Paketzustellung in Deutschland seien nicht geplant, teilte der Logistiker DHL zuletzt 2024 mit.

Nach Angaben des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik gab es in Deutschland mehrere solcher Pilotprojekte, mit denen Transporte in eher schwer erreichbare Regionen erprobt wurden. "Die bisherigen Erfahrungen sind grundsätzlich ermutigend: Technisch ist vieles bereits machbar", teilt eine Verbandssprecherin mit. "Zugleich zeigt sich aber auch, dass der Schritt vom Test in einen verlässlichen Regelbetrieb noch anspruchsvoll ist."

Laut dem Branchenverband hat sich in den vergangenen Jahren viel bei der Drohnentechnik getan. Nun komme es darauf an, wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gerade im Inselverkehr könnten Drohnen eine Ergänzung zu der bestehenden Logistikkette sein, heißt es. "Ihr großer Vorteil liegt in der Flexibilität und Schnelligkeit", teilt die Verbandssprecherin mit. "Ihre Grenzen liegen weiterhin bei Wetterabhängigkeit, Nutzlast und Wirtschaftlichkeit, aber auch bei Lärm- und Datenschutzaspekten, weshalb sie auf absehbare Zeit eher ergänzen als ersetzen werden."

Flüge zu anderen Inseln?

Ob sich Transportdrohnen künftig einmal für den Massenversand eignen werden, da ist auch FLN-Geschäftsführer Weddermann skeptisch. Allein für Lieferungen zur Nachbarinsel Norderney mit rund 6.500 Einwohnern müssten dann täglich wohl zahlreiche Drohnen in der Luft sein.

Die FLN, die eine Tochterfirma der Reederei Norden-Frisia ist, will vorerst weitere Erfahrungen sammeln und das Frachtdrohnen-Projekt eventuell auf andere Inseln ausweiten - etwa nach Norderney, wo die Reederei eine eigene Werkstatt hat. "Können wir dort auf dem kurzen Dienstweg vielleicht kleine Materialtransporte zum Festland herstellen?" Das sei aktuell eine Überlegung, sagt Weddermann.

Nachdem die Frachtdrohne nach dem Testflug wieder auf dem Norddeicher Flugplatz landet, ist Drohnenpilot Hellmann zufrieden. "Die Drohne hatte ein bisschen mit dem Wind zu kämpfen." Sonst sei der Flug gut verlaufen.

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