In Deutschland haben sich die vier größten Low-Cost-Carrier im Laufe der letzten zwei Jahre neu formiert. Das zeigt der Winterflugplan 2021/22. Easyjet hat seine Kapazität massiv eingeschränkt und ist nicht mehr die zweitgrößte Billigfluggesellschaft in Deutschland. Auch Eurowings hat ihr Angebot recht stark verringert, bleibt aber trotzdem an der Spitze bestehen. Ryanair bietet ebenfalls nicht mehr so viele Sitzplätze an wie im Winter vor zwei Jahren. Aufgeholt hat sie dennoch. Und Wizz Air macht einfach weiter wie gehabt.
Im Winter 2019/20, also noch vor der Corona-Pandemie, ist die Lufthansa-Tochter Eurowings die Billigfluggesellschaft mit den meisten angebotenen Sitzplätzen mit Hin- und Rückflug ab Deutschland gewesen. Die Airline hat laut CH-Aviation eine Kapazität von rund 15,7 Millionen Sitzplätzen angeboten und damit gut 13 Prozent der Gesamtkapazität aller Flüge von und nach Deutschland ausgemacht.
Daran, dass Eurowings bei den Billigfliegern beim Angebot ganz vorne liegt, hat sich auch diesen Winter nichts geändert, obwohl die Lufthansa-Tochter ihre Kapazität um fast die Hälfte auf rund 9,1 Millionen Plätze verringert hat.
Wo auf dem zweiten Platz jedoch früher noch Easyjet folgte, liegt nun Ryanair. Mehr Sitzplätze angeboten als im Winter vor Corona hat auch Ryanair nicht. Die irische Low-Cost-Airline hat ihr Angebot von und nach Deutschland allerdings nicht so drastisch reduziert wie Eurowings und Easyjet. Statt rund 7,1 Millionen sind diesen Winter ein Fünftel Sitze weniger, also 5,6 Millionen Plätze bei Ryanair buchbar.
| Airline | Kapazität 19/20 | Kapazität 21/22 |
|---|---|---|
| Eurowings | 7836117 | 4543056 |
| Ryanair | 3559248 | 2813094 |
| Wizz Air | 1210944 | 1180471 |
| easyJet | 3563184 | 1130596 |
Diese Grafik zeigt die vier größten europäischen Billigairlines der angebotenen Kapazität in Deutschland nach geordnet im Winterflugplan 2019/20 verglichen mit dem des Winters 2021/22.Quelle: CH-Aviation
Platz drei der Billigflieger sichert sich Wizz Air mit einem nahezu unveränderten Angebot an Sitzplätzen. Nur um drei Prozent hat die ungarische Low-Cost-Fluggesellschaft ihre Kapazität zurückgefahren. Diesen Winter bietet sie knapp 2,4 Millionen Sitzplätze an.
Easyjet fällt stark zurück
Für den heftigsten Einschnitt in der Kapazität sorgt Easyjet: Um fast 70 Prozent stutzt die Airline ihr Angebot und rutscht damit vom zweiten auf den vierten Platz der Billigflieger in Deutschland. Statt rund 7,1 Millionen Plätzen bietet Easyjet diesen Winter nur noch knapp 2,3 Millionen an. Das sind nicht einmal mehr drei Prozent der Gesamtkapazität von und nach Deutschland. Zuvor waren es noch sechs Prozent.
Die Airline ist durch die Corona-Pandemie tief in die roten Zahlen geraten: Im Geschäftsjahr 2020/21 (bis Ende September) rechnet Easyjet mit einem Verlust von 1,34 bis 1,38 Milliarden Euro. Die genauen Zahlen sollen Ende November vorgelegt werden. Besonders in Berlin hat Easyjet abgebaut. 2019 war der Low-Cost-Carrier noch die größte Airline in Berlin und wollte sogar noch weiter wachsen. 35 Maschinen waren damals in Berlin stationiert. Heute sind es nur noch 18.
Easyjet will die Kapazitäten allerdings wieder hochfahren. Im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember soll das Angebot bis zu 70 Prozent des Niveaus aus dem Jahr 2019 betragen, teilte die Airline Anfang November mit. Die Abschaffung der Corona-Beschränkungen in Großbritannien treibe die Buchungsdynamik an, immer mehr Geschäftsreisende würden wieder mit Easyjet fliegen, so die Airline.
Wizz Air expandiert in Europa
Im europäischen Vergleich sieht die Reihenfolge anders aus - obgleich sie sich seit dem Winterflugplan 2019/20 nicht verändert hat. Der angebotenen Kapazität nach zu urteilen, ist bei den Flügen von und nach Europa diesen Winter wie auch schon im Vor-Corona-Winter Ryanair die größte Airline. Mit über 51,3 Millionen angebotenen Sitzplätzen hat der irische Billigflieger sogar um zwei Prozent zugelegt.
Es folgt unverändert Easyjet mit fast 22,9 Millionen buchbaren Plätzen. Um mehr als ein Drittel hat die Airline ihr Angebot in Europa zurückgebaut und ist trotzdem hier noch der zweitgrößte Low-Cost-Carrier.
Wizz Air hingegen expandiert auch in Europa: Um neun Prozent hat die ungarische Fluggesellschaft ihr Angebot erweitert. Statt rund 16,3 Millionen bietet Wizz Air nun knapp 17,9 Millionen Plätze an.
| Airline | Kapazität 19/20 | Kapazität 21/22 |
|---|---|---|
| Ryanair | 50401197 | 51345882 |
| Easyjet | 34536564 | 22854388 |
| Wizz Air | 16325824 | 17863910 |
| Vueling | 11935612 | 10482382 |
| Eurowings | 10738078 | 6294870 |
| Transavia | 3534358 | 4300369 |
Diese Grafik zeigt sechs große europäische Billigairlines der angebotenen Kapazität in Europa nach geordnet im Winterflugplan 2019/20 verglichen mit dem des Winters 2021/22.Quelle: CH-Aviation
Auf dem vierten Platz positioniert sich im europäischen Vergleich Vueling. Die spanische Billigairline hat ihre Kapazität zwar um zwölf Prozent reduziert, liegt mit rund 10,5 Millionen angebotenen Sitzplätzen aber immer noch weit über Eurowings.
Die Lufthansa-Tochter, die ihr Angebot um über 40 Prozent verringert hat, bietet diesen Winter nur noch 6,3 Millionen Plätze anstatt rund 10,7 Millionen wie im Winter vor Corona an.
Damit liegt Eurowings in Europa nur wenig über Transavia. Die Billigtochter von Air France und KLM hat ihr Angebot im Vergleich zum Winter 2019/20 um mehr als ein Fünftel auf 4,3 Millionen gesteigert.