Airbus' neues Problem mit den Neo-Motoren

04.09.2018 - 14:00 0 Kommentare

Pratt & Whitney kämpft offenbar erneut mit einem Problem bei A320neo-Triebwerken. Indes wachsen die Zweifel am Auslieferungsziel von Airbus - unter anderem aufgrund eines Lufthansa-Kommentars.

Neo-Triebwerk von Pratt & Whitney. - © © AirTeamImages.com  - Felix Gottwald

Neo-Triebwerk von Pratt & Whitney. © AirTeamImages.com /Felix Gottwald

Die Hiobsbotschaften um die Produktion der Neo-Jets von Airbus reißen nicht ab. Erneut soll es Probleme mit den PW1100G-Motoren von Pratt & Whitney geben. So beobachten Piloten laut der Nachrichtenagentur "Bloomberg" übermäßige Vibrationen an den Triebwerken.

Die US-Aufsicht FAA habe die Fälle genau im Blick - "wir arbeiten derzeit mit Pratt & Whitney an der Sache", zitiert der Bericht einen Sprecher. Von der United-Technologies-Tochter heißt es, noch sei nicht klar, ob die Vibrationen auf ein früheres Design-Problem zurückzuführen sind.

Viertes Problem für Pratt & Whitney

Airbus kämpft seit Längerem bei der Produktion der Neo-Jets der A320-Familie mit Lieferengpässen bei den Triebwerken. Dazu kommt: Teile der neuartigen Flugzeuge müssen häufiger getauscht werden, wodurch die Jets länger außer Betrieb genommen werden. Gleichzeitig sinkt der Vorrat der Reservemotoren.

Erst machte Hitze den Pratt-&-Whitney-Triebwerken zu schaffen (Rotor-Bow), dann gab es Softwareprobleme und zuletzt löste eine Dichtung Ausfälle bei den Starts aus. Die Vibrationen im Betrieb ergänzen nun die Liste.

© AirTeamImages.com, Steve Flint Lesen Sie auch: Mit diesen Problemen kämpft Airbus' "Kassenschlager" Hintergrund

"Bloomberg" zitiert Unternehmenskenner nach einer ersten Analyse des Fehlers damit, dass dieser nicht so schwerwiegend sei wie die bisherigen Probleme. Aktuell würden Triebwerke mit alten und neuen Design-Komponenten zusammengestellt, um die Fehlerquelle zu lokalisieren.

Analystin sieht keinen Spielraum für weitere Probleme

Ein Sprecher von Airbus lehnte eine Stellungnahme zu den neuen Problemen ab. Erst kürzlich betonte der Chef des A320-Programms, Klaus Roewe, dass man in diesem Jahr rund 800 Neos ausliefern werde. Diesen Weg ist man bereits Ende vergangenen Jahres gegangen. So konnten im Dezember 127 A320-Jets ausgeliefert werden - Monatsrekord.

Allerdings bekommt Airbus beim selbstgesteckten Ziel aktuell Gegenwind: Es gäbe "keinen Spielraum für weitere geringfügige Störungen aufgrund des neuen Schwingungsproblems", schreibt Sandy Morris, Analystin bei Jefferies International, in einer Studie. "Die Reihe von Problemen mit den Triebwerken hat die Geduld der Anleger auf eine harte Probe gestellt."

Spohr rechnet mit Lösung nicht vor November

Auch bei Lufthansa scheint das Vertrauen in das laut Experten "ambitionierte Jahresziel von Airbus" zu schwinden. Konzernchef Carsten Spohr sagte jüngst, er gehe davon aus, dass Airbus noch weitere drei Monate brauche, um die Probleme in der Produktionskette gelöst zu haben.

Problemlösungen werden frühestens im November kommen.

Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group

Lufthansa stehe mit insbesondere Pratt & Whitney in engem Kontakt. "Unser Dialog lässt vermuten, dass es so schnell keine Entspannung geben wird." Bisher habe man lediglich die Hälfte der eigentlich geplanten 20 Jets erhalten.

UBS-Berechnung zu Ausfällen

Von den über 300 bislang ausgelieferten A320neo-Flugzeugen standen laut UBS-Berechnung Mitte August rund 6,4 Prozent am Boden. In absoluten Zahlen: sieben mit Leap-Triebwerken, 15 mit Motoren von Pratt & Whitney. UBS zufolge ist damit zu rechnen, dass dauerhaft bis zu zehn Maschinen wegen Wartungen am Boden bleiben.

Quelle: UBS, Darstellung: airliners.de

Die Jets der A320-Familie sind mit rund 14.000 festen Bestellungen und knapp 8000 Auslieferungen seit Produktionsstart 1987 zum Kassenschlager von Airbus avanciert, so Experten. Die Maschinen werden unter Experten auch gern als "Brot- und Butter-Flugzeuge" des Konzerns bezeichnet.

Die A320-Familie besteht aus den Modellen A318, A319, A320 und A321, die unterschiedlich lang sind. Für die Modelle A319, A320 und A321 bietet Airbus seit einigen Jahren die Variante neo an, die mit hochgebogenen Flügelspitzen (Winglets) und den neuen Triebwerken der beiden Hersteller den Airlines hilft, rund 15 Prozent Kraftstoff zu sparen.

Von: cs
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