Der singapurische Staatsfonds Temasek, Mehrheitseigner der Fluggesellschaft Singapore Airlines, hat sich hinter deren Investment bei Air India gestellt. Die Beteiligung war zuletzt zunehmend in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass Air India frisches Kapital von ihren Eigentümern benötigt. Singapore Airlines hält 25,1 Prozent an der zweitgrößten indischen Fluggesellschaft, die übrigen Anteile liegen bei der Tata Sons.
Air India hatte bei den Eigentümern Tata Sons und Singapore Airlines rund 1,5 Milliarden US-Dollar an frischem Eigenkapital beantragt, wie in dieser Woche bekannt wurde.
Die Nachricht über den Kapitalbedarf sorgte in Singapur für politischen Widerspruch. Der oppositionelle Abgeordnete Kenneth Tiong von der Workers' Party forderte, Gelder des Staatsfonds Temasek dürften nicht zur Stützung der indischen Fluggesellschaft verwendet werden.
Auch die Wirtschaftszeitung "Business Times" äußerte sich kritisch zu der Beteiligung. Ein Kommentar des Blatts argumentierte, Singapore Airlines könne realistischerweise nicht aus dem Air-India-Investment aussteigen, da allein die Tata-Gruppe als Käufer infrage komme. Der Kommentar stellte infrage, was der 25,1-Prozent-Anteil außer einem Sitz im Verwaltungsrat und einem Anteil an den Verlusten noch biete, hielt die strategische Logik der Investition aber grundsätzlich für weiterhin gültig.
Temasek verteidigt langfristige Strategie
In einem Leserbrief an die Zeitung reagierte Juliet Teo, gemeinsame Leiterin der Portfolioentwicklung bei Temasek Singapur, auf den Kommentar. Sie erklärte, Temasek betrachte die Entscheidung von Singapore Airlines, in Air India zu investieren, aus einer langfristigen Perspektive und unterstütze sie.
Die Umgestaltung von Air India sei mit komplexen, mehrjährigen operativen und Integrationsherausforderungen verbunden, hieß es in dem Schreiben. Die Ergebnisse hingen von Entwicklungen in der Branche ab, aber auch von äußeren Faktoren wie Luftraumsperrungen, geopolitischen Entwicklungen und schwankenden Treibstoffpreisen. "Bemühungen dieser Größenordnung brauchen Zeit und verlaufen nicht geradlinig", heißt es in dem Brief.
Ob Temasek einen möglichen weiteren Kapitalbeitrag von Singapore Airlines an Air India mittragen würde, ließ der Brief offen.
Singapore Airlines selbst hatte bereits vergangene Woche mitgeteilt, der Vorstand werde jede Anfrage nach zusätzlichem Kapital von Air India sorgfältig prüfen und dabei den eigenen Kapitalbedarf des Konzerns sowie die Geschäftsstrategie von Air India berücksichtigen.
Air India kämpft mit hohen Verlusten
Air India wird seit der Übernahme durch die Tata-Gruppe im Jahr 2022 umfassend umgebaut.
Die früher staatliche Fluggesellschaft litt zuletzt unter dem pakistanischen Überflugverbot für indische Fluggesellschaften, unter Störungen durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran sowie unter den Folgen eines Flugzeugabsturzes im Jahr 2025, bei dem 260 Menschen ums Leben kamen.
Im Geschäftsjahr bis Ende März verzeichneten Air India und ihre Low-Cost-Tochter Air India Express einen kombinierten Verlust von 2,33 Milliarden US-Dollar (rund zwei Milliarden Euro. Das belastete auch das Ergebnis von Singapore Airlines.