Air India benötigt nach Informationen aus dem Umfeld des Konzerns 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) frisches Eigenkapital von ihren Eigentümern Tata Sons und Singapore Airlines. Es handle sich um eine der größten öffentlich bekannt gewordenen Kapitalanfragen der zweitgrößten indischen Fluggesellschaft an ihre Anteilseigner, seit der Mischkonzern Tata die vormals staatliche Airline 2022 übernahm.
Air India wolle die Mittel sofort, hieß es. Die Einzahlung dürfte aber in Tranchen erfolgen, sagte eine der mit der Angelegenheit vertrauten Personen. "Singapore Airlines müsste ihren Anteil an der geplanten Kapitalspritze beisteuern, damit die Investition zustande kommt", sagte die Person weiter. Air India strebe die Mittel in Form frischen Eigenkapitals an.
Die Gespräche dauerten den Angaben zufolge an, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Air India und Tata Sons reagierten nicht auf Anfragen um eine Stellungnahme. Singapore Airlines, die rund 25 Prozent an Air India hält, teilte mit, eng mit Tata Sons zusammenzuarbeiten, um das Transformationsprogramm von Air India zu unterstützen. Zu den Finanzen der Fluggesellschaft wollte sich das Unternehmen nicht äußern.
Die Anfrage verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Air India bei ihrem milliardenschweren Umbauprogramm steht, zu dem auch die Modernisierung der bestehenden Flotte zählt.
Rekordverlust und äußerer Druck
Air India und ihre Billigtochter Air India Express wiesen im Geschäftsjahr, das im März 2026 endete, einen kombinierten Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Verluste belasteten auch das Ergebnis von Singapore Airlines.
Zusätzlich zu den finanziellen Problemen setzten der Airline zuletzt mehrere äußere Faktoren zu: das von Pakistan verhängte Überflugverbot für indische Fluggesellschaften, Störungen im internationalen Streckennetz durch den Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran sowie die Nachwirkungen eines Absturzes im Jahr 2025, bei dem 260 Menschen ums Leben kamen.
Vorstandswechsel und langer Umbau
Die Kapitalanfrage fällt in eine Phase, in der sich Tata-Sons-Vorsitzender Natarajan Chandrasekaran auf seinen Rückzug vorbereitet. Er soll im Februar 2027 zurücktreten.
Zuvor kam es zu monatelangen Differenzen mit der den Konzern kontrollierenden gemeinnützigen Stiftung, unter anderem wegen der Verluste bei Air India. Chandrasekaran hatte erklärt, der Turnaround von Air India könne bis zu einem Jahrzehnt dauern. Er verwies dabei auf anhaltende Störungen der Lieferketten und die Notwendigkeit, veraltete Systeme, die Unternehmenskultur und die Flotte der Airline zu erneuern.
Air India hatte bereits in diesem Jahr versucht, die Auslieferung Hunderter bei Airbus und Boeing bestellter Flugzeuge zu verschieben. Der Mutterkonzern Tata dränge auf Kosteneinsparungen, um die Rekordverluste zu senken. Air India werde voraussichtlich auch in den kommenden Jahren weiterhin auf Kapitalspritzen angewiesen sein, sagte eine der Personen.