Condor muss den Gewerkschaften Ufo und Verdi zufolge zwischen Oktober 2026 und Oktober 2028 in jedem der beiden betroffenen Geschäftsjahre 100 Millionen Euro sparen. Auf eine Aussetzung der tariflichen Stufensprünge für die Kabine verzichtet der Arbeitgeber dabei aber. Das teilten die Tarifkommissionen von Ufo und Verdi den Condor-Beschäftigten am Donnerstag mit. Zuvor hatte die Geschäftsführung die Ergebnisse mehrwöchiger Gespräche in einem aufgezeichneten Townhall-Meeting präsentiert.
Von der Gesamtsumme sollen laut den Gewerkschaften 65 Millionen Euro über geringere Ausgaben für Lizenzen und Verträge mit verschiedenen Partnern erbracht werden. Die übrigen 35 Millionen Euro soll die Belegschaft jährlich beisteuern, davon sollen rund zehn Millionen Euro auf die Kabine entfallen.
Als Auslöser für die Verhandlungen nannten die Gewerkschaften die wirtschaftlich schwierige Situation von Condor. Bereits Ende Juli hatte Condor die Gewerkschaften eingeladen, um über diese Lage zu beraten. Zu den externen Belastungsfaktoren zählten demnach eine globale Ölpreis-Krise infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, wachsender Wettbewerb im deutschen Luftverkehrsmarkt sowie Lieferverzögerungen bei Airbus.
Ohne die Einsparungen kann sich der britische Investor Attestor nach Darstellung der Gewerkschaften nicht vorstellen, das geplante weitere Wachstum von Condor weiter zu unterstützen. Attestor hält bereits einen Großteil der Anteile an der Fluggesellschaft und muss Berichten zufolge auch die verbleibenden 49 Prozent übernehmen, da sich bislang kein anderer Investor gefunden hat. Der Verkaufsprozess der Condor sollte eigentlich bis Ende September abgeschlossen werden.
Condor sei aktuell größer als je zuvor und plane zugleich den größten Wachstumsschritt ihrer Unternehmensgeschichte, erklärten die Gewerkschaften. Geplant sei ein Zuwachs von rund 32 Prozent bei den Abflügen sowie rund zehn Prozent beim Personal. Ohne dieses Wachstum werde der Umbau von einem klassischen Ferienflieger zu einem Netzwerkcarrier nicht gelingen. Diese Bewertung gehe ursprünglich auf den Arbeitgeber zurück, dem sich Ufo und Verdi nach eigenen Angaben ausdrücklich anschließen.
Condor selbst wollte sich auf Anfrage von airliners.de nicht zu den Angaben der Gewerkschaften äußern.
Arbeitgeber wollte Stufensprünge zunächst aussetzen
Für die Gewerkschaften habe von Beginn der Gespräche an festgestanden, dass die Einsparungen nicht über den Vergütungstarifvertrag (VTV) erfolgen dürften, erklärten die Tarifkommissionen. Der Arbeitgeber habe zu Beginn der Verhandlungen dagegen gefordert, die Stufensprünge auszusetzen und bis zum Jahr 2030 auf reguläre Gehaltssteigerungen zu verzichten.
Am Ende setzte sich diese Forderung laut den Gewerkschaften nicht durch. Die Stufensprünge bleiben demnach unangetastet. Unabhängig von den regulären, für jede und jeden Beschäftigten unterschiedlich terminierten Gehaltsschritten kommen ab 2027 tabellenwirksame Erhöhungen hinzu, die für die gesamte Kabine gelten. Sie betragen 46,52 Euro monatlich auf das Monatsbrutto im Jahr 2027 und noch einmal denselben Betrag zusätzlich ab 2028.
Zusätzlich nennen die Tarifkommissionen für 2028 zwei Einmalzahlungen: monatlich 40 Euro, zusammen 480 Euro über das gesamte Jahr gerechnet. Hinzu kommt im Oktober eine Zahlung von 60 Prozent eines Monatsbruttogehalts. Bei einer besonders schwachen Geschäftsentwicklung von Condor soll diese Oktoberzahlung auf 40 Prozent sinken.
An einem Beispiel verdeutlichten die Gewerkschaften die Wirkung. Eine Flugbegleiterin in Gehaltsstufe drei, die im März 2027 turnusgemäß in Stufe vier aufsteigt, profitiert zusätzlich von den neuen Erhöhungen. Von Januar 2027 an bekommt sie deshalb monatlich 46,52 Euro mehr. Von Januar 2028 an kommt derselbe Betrag noch einmal hinzu. Beide Aufschläge fließen dauerhaft ins monatliche Entgelt ein und sind keine Einmalzahlungen.
Weiterer Termin für die Kabine am Dienstag
Am kommenden Dienstag ist laut den Tarifkommissionen ein weiterer, eigens für die Kabine vorgesehener Austausch mit der Geschäftsführung angesetzt. Dabei soll es unter anderem um die genannten Einsparungen gehen. Die Tarifkommissionen kündigten an, die Belegschaft im Anschluss erneut zu unterrichten und die dabei gemachten Angaben einzuordnen.
Die Tarifkommissionen erklärten zudem, das ohnehin belastete Verhältnis zur Lufthansa erschwere Condor die aktuelle Lage zusätzlich. Erst im August hatte die Lufthansa ein langjähriges Dienstreiseabkommen mit Condor gekündigt. Seit dem 1. September können Condor-Beschäftigte dienstliche Reisen nicht mehr vergünstigt über die Lufthansa buchen.
Bereits 2023 hatten sich die Tarifparteien bei Condor in einer wirtschaftlich schwierigen Lage auf Vergütungserhöhungen von knapp 17 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren verständigt.