Die Gewerkschaften Ufo und Verdi haben sich am gemeinsam mit allen Betriebs- und Tarifparteien sowie der Geschäftsführung von Condor getroffen, um über die wirtschaftliche Lage der Fluggesellschaft zu beraten. Das teilten beide Organisationen in eigenen Mitteilungen sowie in Stellungnahmen gegenüber airliners.de mit.
Im Mittelpunkt des Gesprächs hätten vor allem externe Belastungsfaktoren gestanden, erklärte Verdi. Dazu zählten der andauernde Konflikt zwischen den USA und dem Iran mit seinen Auswirkungen auf die Kerosinpreise, der zunehmende Wettbewerbsdruck im deutschen Luftverkehr sowie anhaltende Lieferverzögerungen bei Airbus. Die Beschäftigten trügen für diese Entwicklung keine Verantwortung, betonten Ufo und Verdi übereinstimmend.
Am Rande des gemeinsamen Termins habe es zudem ein Einzelgespräch zwischen Ufo und dem Arbeitgeber zu einem möglichen Wachstumspaket gegeben, teilte Ufo mit. Darin gehe es um mehr Personal in Kabine und Cockpit sowie die Anschaffung neuen Fluggeräts. Ab der ersten Augustwoche sollen die Gespräche laut Ufo mit allen Betriebs- und Tarifparteien sowie dem Arbeitgeber fortgesetzt werden, ein nächster gemeinsamer Termin aller Gewerkschaften mit dem Arbeitgeber ist laut Verdi bereits für den 31. Juli in Frankfurt angesetzt.
Beide Gewerkschaften rechnen bis Ende August mit belastbaren Ergebnissen.
Streit um Verantwortung für Verhandlungsstand
Uneinig zeigen sich Ufo und Verdi dagegen bei der Bewertung der parallel laufenden Verhandlungen über neue Manteltarifverträge (MTV) für die Kabine.
Ufo erklärte gegenüber airliners.de, die schlechte Stimmung in der Kabinenbelegschaft hänge vor allem mit den aus ihrer Sicht von Verdi in die Länge gezogenen MTV-Verhandlungen zusammen. Die eigenen Manteltarifverträge seien seit Herbst 2025 gekündigt und befänden sich seit Januar 2026 in der Nachwirkung, so Ufo. Man selbst sei mit den Verhandlungen fertig, es fehle nur noch der Abschluss durch Verdi, dessen Verhandlungen "maßgeblich" auf den eigenen aufbauten.
Verdi weist diese Darstellung entschieden zurück. Der größte und komplexeste Teil der Überarbeitung des Manteltarifvertrags – die Neugestaltung des Stand-by- und Reservesystems – sei bereits seit Herbst 2024 verhandelt und Ende 2025 beziehungsweise Anfang 2026 inhaltlich abgeschlossen worden, erklärte die Gewerkschaft. Die Verhandlungen über die übrigen Bestandteile habe Condor Ende Januar selbst angestoßen. Die bestehenden Verdi-Manteltarifverträge für das Kabinenpersonal gälten zudem noch bis zum 31. Dezember, ein tariflicher Schwebezustand bestehe somit nicht.
Laufende Redaktionsverhandlungen sollen nach Verdi-Angaben am 5. und 18. August abgeschlossen werden. Die Frage, warum bislang kein Abschluss erfolgt sei, müsse auch an Condor selbst gerichtet werden, so die Gewerkschaft weiter.
Condor selbst wollte sich auf Anfrage von airliners.de nicht zu den Angaben der Gewerkschaften äußern.
Flottenausbau und Vergleich mit 2023
Zu den konkreten Erwartungen an das Wachstumspaket äußerte sich Ufo zurückhaltend. Über die genaue Zahl neuer Stellen müsse in erster Linie Condor selbst Auskunft geben, die derzeit kursierenden Zahlen seien aus Sicht der Gewerkschaft noch zu volatil. Die Fluggesellschaft habe aktuell eine "kritische Flottengröße", mit der sie sich langfristig wahrscheinlich nicht am Markt behaupten werde.
Als Beleg für geplantes Wachstum verwies Ufo auf von Condor angekündigte Pläne zur kurzfristigen Übernahme von Airbus A320-Neo-Maschinen der insolventen US-Fluggesellschaft Spirit Airlines, zu denen Condor auf eine Anfrage von airliners.de im Juni noch keine Stellung beziehen wollte. An Berichten über die Bestellung neuer A330 Neo soll hingegen nichts dran sein.
Trotz der potenziellen Wachstumspläne, für die auch gegebenenfalls mehr fliegendes Personal rekrutiert werden muss, hatte Condor zuletzt dem Kabinenpersonal proaktiv unbezahlten Urlaub angeboten.
2023 hatten sich die Tarifparteien bei Condor zuletzt in einer wirtschaftlich schwierigen Lage auf Vergütungserhöhungen von knapp 17 Prozent bei drei Jahren Laufzeit sowie zusätzliche Stufen in den Gehaltstabellen geeinigt, erinnerte Ufo. Verdi verwies zudem auf eigene Erfahrungen aus den Vergütungstarifverhandlungen mit Ufo im Jahr 2023, die einen "bleibenden Eindruck" hinterlassen hätten – ein möglicher Grund dafür, warum Condor bei Tarifabschlüssen auf beide Gewerkschaften gleichermaßen warte.