Lufthansa bestellt Boeing 737 Max 10, neue Verzögerungen bei 777X, Milliardenaufträge von Turkish Airlines und Korean Air, © AirTeamImages.com/Darryl Morrell
Eine Boeing 737-10 Max startet. © AirTeamImages.com / Darryl Morrell
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Jour fixe auf airliners.de: Immer samstags präsentieren wir die wichtigsten Meldungen der Woche aus den Bereichen Luftfahrtindustrie, MRO und Technik.

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Liebe Leserinnen und Leser,

in der Luftfahrtindustrie und Technik gab es in den vergangenen Tagen wieder eine Reihe wichtiger Entwicklungen rund um Flottenplanung, OEMs, Programme und Produktionsprozesse. Wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Nachrichten der Woche. Das sind unsere Top-Themen:

  • Warum die Lufthansa Group ihre 737-Max-Bestellung um 20 weitere Max 10 ausbaut
  • Weshalb sich bei der Boeing 777X weitere Verzögerungen abzeichnen
  • Wie Boeing mit Turkish Airlines und Korean Air auf milliardenschwere Aufträge hofft beziehungsweise sie bereits festgezurrt hat

Zudem geht es um die ungebrochene Flugzeugnachfrage in Asien, um den weiteren Ausblick für den weltweiten Bedarf an Neuflugzeugen und um die Frage, wie belastbar die Marktnachfrage trotz geopolitischer Spannungen und Lieferkettenproblemen derzeit bleibt.

Genießen Sie das Wochenende!

Redakteur: Alexander Fink Herzliche Grüße
Alexander Fink
Redakteur airliners.de


Lufthansa Group bestellt 20 Boeing 737 Max 10

Die Lufthansa Group wandelt 20 Kaufoptionen für die Boeing 737 Max 10 in eine Festbestellung um. Damit wächst die Zahl bestellter Boeing-737-Max-Flugzeuge bei der Lufthansa Group auf 60.

(Alexander Fink) Die Lufthansa Group hat ihre Flotte an Flugzeugen des Typs Boeing 737 Max erweitert. Der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa AG stimmte zu, 20 bestehende Kaufoptionen für die Boeing 737 Max 10 in eine Festbestellung umzuwandeln. Damit erhöht sich die Zahl bestellter Boeing-737-Max-Flugzeuge beim Konzern auf insgesamt 60.

Im Lufthansa-Konzern sollen die neuen Maschinen nach und nach ältere Modelle der A320-Familie ablösen.

Die Auslieferung der neuen Boeing 737 Max 10 ist nach Unternehmensangaben ab Anfang der 2030er Jahre vorgesehen.

Grundlage für die Entscheidung ist eine Bestellung aus dem Jahr 2023. Die Lufthansa Group hatte damals 40 Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8 fest bestellt und sich zugleich 60 Kaufoptionen für weitere Maschinen der Baureihe gesichert. Der Aufsichtsrat wandelte davon nun einen ersten Teil, 20 Optionen, in eine Festbestellung um.

Die 40 Boeing 737 Max 8 sollen ab dem kommenden Jahr an Eurowings ausgeliefert werden.

Der Listenpreis der Bestellung liegt nach Unternehmensangaben bei rund 3,4 Milliarden US-Dollar (rund drei Milliarden Euro). Sie ist Teil des laufenden Flottenmodernisierungsprogramms der Lufthansa Group, in dessen Rahmen der Konzern bis 2035 die Auslieferung von mehr als 250 fabrikneuen Flugzeugen erwartet.

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Boeing meldet neue Verzögerungen bei der 777X

Boeing-Chef Kelly Ortberg kündigt weitere Verzögerungen beim Großraumjet 777X an. Einzelne Tests könnten sich wegen der ausstehenden Zulassung der GE9X-Triebwerke ins Jahr 2027 verschieben. Erstkundin Lufthansa wartet weiter auf die Maschinen.

(af, Reuters, dpa) Boeing muss beim Großraumjet 777X nach jahrelanger Verspätung mit weiteren Verzögerungen rechnen. Vorstandsvorsitzender Kelly Ortberg sagte bei einer Konferenz der Bank Morgan Stanley, einzelne Tests könnten sich ins Jahr 2027 verschieben. Als Grund nannte er die noch ausstehende Zulassung der Triebwerke von GE Aerospace. Dennoch plane Boeing weiterhin, die ersten Maschinen des Typs 2027 auszuliefern.

Damit liegt die 777X bereits sieben Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

An den Triebwerken vom Typ GE9X hatten sich bestimmte Dichtungen als nicht ausreichend haltbar erwiesen. Nach Angaben eines Sprechers von GE Aerospace ist die Ursache inzwischen bekannt. Das Unternehmen habe bereits im August die ersten Einheiten mit verbesserten Dichtungen ausgeliefert und sehe einer Inbetriebnahme 2027 erwartungsvoll entgegen.

Erstkundin der 777X ist die Lufthansa. Die Fluggesellschaft wartet bereits seit Jahren auf die Auslieferung der Maschinen.

Die Boeing-Aktie geriet im späten US-Handel nach den Aussagen unter Druck.

737-Max-Produktion bleibt ebenfalls verzögert

Bei derselben Konferenz äußerte sich Ortberg auch zur 737 Max: Es dauere länger als erwartet, die Produktionsrate beim Zielwert von 47 Maschinen pro Monat zu stabilisieren. Nach diesen Aussagen fiel die Boeing-Aktie zunächst um 2,25 Prozent, auch zum Handelsschluss blieb sie im Minus.

Eine höhere Auslieferungsrate der gefragten Schmalrumpfmaschine gilt als entscheidend für die finanzielle Erholung des Konzerns. Boeing weist nach Jahren der Krisen eine Nettoverschuldung von knapp 26 Milliarden US-Dollar auf, der Ruf des Unternehmens ist angeschlagen.

Boeing habe es nicht geschafft, die Tragflächen für die 737 schnell genug zu produzieren, um die höhere Rate von 47 Maschinen pro Monat durchgängig zu bedienen, sagte Ortberg.

Um die Produktion 2027 auf 52 Maschinen pro Monat zu steigern, müsse Boeing die Fertigung der Tragflächen beschleunigen und die neue 737-Fertigungslinie in Everett im US-Bundesstaat Washington zertifizieren lassen. Die Lieferkette könne den Schritt unterstützen, fügte er hinzu.

Ortberg sagte zudem, die größte Variante der Boeing 737 Max, die 737 Max 10, werde "sehr bald" zertifiziert. Die Zertifizierung des Musters liegt bereits mehrere Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück und macht rund 30 Prozent aller 737-Bestellungen aus. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im August bereits die kleinste Variante, die 737 Max 7, zertifiziert.

787-Fertigung und gesenkte Cashflow-Prognose

Neben der unregelmäßigen 737-Produktion verzögert sich auch Boeings Plan, die Fertigung der 787 auf zehn Maschinen pro Monat zu steigern. Grund seien Engpässe bei Triebwerken, sagte Ortberg.

Das Unternehmen produziere derzeit acht der Großraumflugzeuge pro Monat, die schleppende Zertifizierung von Premiumsitzen habe die Auslieferungen aber verringert, sagte er.

"Ich glaube, ihr werdet weiterhin sehen, dass wir – selbst wenn wir mit acht Maschinen pro Monat eine recht gute Rollout-Rate erreichen – bei der monatlichen Auslieferung der 787 etwas unregelmäßig bleiben", sagte Ortberg.

Die langsameren Produktionssteigerungen bei der 737 und der 787 bedeuteten, dass Boeing das im Januar in Aussicht gestellte obere Ende der Prognose von drei Milliarden US-Dollar freiem Cashflow wohl verfehle. Stattdessen sei mit dem Mittelwert der Prognose von zwei Milliarden US-Dollar zu rechnen, sagte Finanzvorstand Jay Malave.

Zurückhaltung bei China und Southwest als erste Max-7-Kundin

Ortberg dämpfte zudem Erwartungen von Branchenanalysten, wonach China bei einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der kommenden Woche in Washington eine weitere Boeing-Bestellung ankündigen könnte.

China hatte bei einem Treffen im Mai in Peking bereits eine Bestellung über 200 Flugzeuge zugesagt.

Bei einem separaten Auftritt auf der Konferenz sagte Tom Doxey, Finanzvorstand der Southwest Airlines und damit der Fluggesellschaft, die als Erstkundin die 737 Max 7 übernehmen soll, die ersten Auslieferungen sollten gegen Ende 2026 beginnen. Der Einsatz im Liniendienst werde Anfang 2027 erwartet.

Boeing habe bereits 27 Maschinen des Typs 737 Max 7 für Southwest gebaut und bereite sie auf die Auslieferung vor, sagte Doxey.

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Turkish Airlines und Korean Air bescheren Boeing zwei Milliardendeals

Boeing steht Insidern zufolge kurz davor, den ins Stocken geratenen Auftrag von Turkish Airlines über 150 Maschinen des Typs Boeing 737 Max zu retten. Zugleich hat Korean Air einen Rekordauftrag über 103 Flugzeuge bei dem US-Konzern fest bestellt.

(af, Reuters) Boeing steht nach Angaben von vier mit der Sache vertrauten Personen kurz davor, einen ins Stocken geratenen Auftrag von Turkish Airlines über 150 Maschinen des Typs Boeing 737 Max zu retten. Die türkische Fluggesellschaft hatte damit gedroht, aus dem prestigeträchtigen Deal auszusteigen, weil sie sich mit Triebwerkshersteller CFM über die Wartungskonditionen nicht einig war. Der Auftrag könnte nach Angaben von drei der Insider bereits in der kommenden Woche unterzeichnet werden.

Der Auftrag ist Teil eines Gesamtpakets über 225 Flugzeuge, das die Fluggesellschaft und Boeing nach einem Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump 2025 verkündet hatten. Ins Stocken geraten war das Geschäft durch die Forderung von Turkish Airlines nach einem eigenen industriellen Wartungsdeal für die Triebwerke. Boeing und CFM, das dem US-Konzern GE Aerospace und dem französischen Konzern Safran gemeinsam gehört, wollten sich dazu nicht äußern. Turkish Airlines reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Im Kern des Streits steht die Frage, wer das größere finanzielle Risiko bei den langfristigen Triebwerks-Reparaturen trägt, wie es aus Branchenkreisen hieß. Turkish Airlines wollte nach Angaben von Insidern zudem eine eigene Wartungsanlage für die Triebwerke der Boeing 737 Max aufbauen und dafür direkt in die oberste Partnerstufe von CFM aufsteigen, was einen schnelleren Zugang zu neuester Reparaturtechnologie bedeutet hätte. Ob sich beide Seiten auf diese sogenannte "Premier"-Wartungsanlage geeinigt haben, blieb zunächst unklar.

Wenige Wochen nach der Ankündigung des größeren Boeing-Deals hatte Turkish Airlines überraschend gedroht, die 150 Max-Jets aus dem Auftrag zu streichen und stattdessen bei Airbus zu bestellen. Als Grund hatte die Airline den Preisstreit mit CFM genannt. GE-Aerospace-Chef Larry Culp, der die Preispolitik der Triebwerksindustrie wiederholt öffentlich verteidigt hat, verglich die öffentlich ausgetragene Drohung im Oktober 2025 mit dem Versuch, "neue Deals in der Öffentlichkeit auszuhandeln", und beharrte darauf, dass die Preisstrategie von GE den gebotenen Wert widerspiegele.

Zudem hatte ein leitender Turkish-Airlines-Manager auf einer Branchenkonferenz erklärt, die Fluggesellschaft prüfe weiterhin zusätzliche Flugzeugbestellungen, um den schnellen Ausbau ihres Drehkreuzes Istanbul zu unterstützen. Okan Bas, Senior Vice President Finance bei Turkish Airlines, sagte auf der Konferenz der International Society of Transport Aircraft Trading, die Airline prüfe sowohl Regionaljets wie die Embraer E2 oder den Airbus A220 als auch die deutlich größeren Modelle Boeing 777X und Airbus A350-1000. Zu dem ausstehenden Max-Auftrag wollte er sich nicht äußern.

Turkish Airlines gehört mit einer gemischten Flotte von mehr als 400 Flugzeugen von Boeing und Airbus zu den größten Fluggesellschaften der Welt.

Korean Air bestellt 103 Boeing-Flugzeuge fest

Erfolg konnte Boeing bei einem anderen Deal bereits vermelden. Korean Air und Boeing einigten sich auf einen Auftrag: Die südkoreanische Fluggesellschaft hat einen bereits 2025 angekündigten Deal über 103 Flugzeuge des US-Herstellers verbindlich abgeschlossen. Der Auftrag hat nach Listenpreisen einen Wert von 36,2 Milliarden US-Dollar (rund 31,4 Milliarden Euro) und umfasst Großraum- und Frachtflugzeuge sowie Schmalrumpfjets. Das Analysehaus IBA bezifferte den tatsächlichen Marktwert des Auftrags nach üblichen Rabatten auf rund 12,6 Milliarden US-Dollar.

Konkret bestellte Korean Air 20 Maschinen des Typs Boeing 777-9, 25 Boeing 787-10, 50 Boeing 737 Max 10 sowie acht Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777-8. Von den bestellten Mustern ist bislang nur die Boeing 787 für den kommerziellen Passagierbetrieb zugelassen, die Boeing 777-8 Freighter befindet sich noch in der Entwicklung bei Boeing.

Nach Angaben von Korean Air hat das Gesamtpaket einen Wert von 44,8 Milliarden US-Dollar. Es enthält zusätzlich einen Deal über 8,6 Milliarden US-Dollar für den Kauf von 21 Ersatztriebwerken von GE Aerospace und CFM International sowie einen Wartungsvertrag über 15 Jahre für 28 Flugzeuge. Die Airline erklärte, die Investition solle den langfristigen Flottenausbau nach der Integration von Asiana Airlines unterstützen und die Treibstoffeffizienz durch neuere Flugzeugmodelle verbessern.

Das Vorhaben ist nach Angaben von Korean Air das größte in der Geschichte der Fluggesellschaft. Erstmals vorgestellt worden war es während des Besuchs des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung in Washington im vergangenen Jahr. Korean-Air-Chef Cho Won-tae hatte zuvor erklärt, die neueren Flugzeuge sollten der Airline helfen, ihr Streckennetz in die Vereinigten Staaten und nach Lateinamerika auszubauen, wobei rund 80 Prozent der Maschinen bestehende Flotten-Flugzeuge ersetzen sollen. Cho bezeichnete den Abschluss der Vereinbarungen als bedeutenden Meilenstein und erklärte, die Investition unterstreiche die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea. Boeing erklärte, der Deal sei das Ergebnis bilateraler Handelsgespräche.

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