Boeing und die Gewerkschaft Society of Professional Engineering Employees in Aerospace (Speea) haben sich auf einen vorläufigen Tarifvertrag geeinigt. Das Vierjahresangebot sieht höhere allgemeine Lohnerhöhungen vor als der erste Vorschlag, den die Mitglieder in einer Abstimmung am 21. August deutlich abgelehnt hatten.
Stimmen die rund 17.000 Beschäftigten der professionellen und technischen Einheiten von Speea zu, steigen die Löhne am 16. Oktober um zehn Prozent. Von 2027 bis 2030 folgen jeweils vier Prozent zuzüglich leistungsbezogener Erhöhungen.
"Unser endgültiges Vertragsangebot adressiert die wichtigsten Prioritäten unserer Beschäftigten und der Verhandlungsteams von Speea, darunter eine sofortige Lohnerhöhung und größere Lohntöpfe mit Garantien", sagte Ben Nimmergut, Vizepräsident und leitender Ingenieur für Fertigungstechnik bei Boeing, in einer Mitteilung.
Das neue Angebot enthält nach Angaben der Gewerkschaft zudem Änderungen bei den Regelungen zum Homeoffice und bei den Obergrenzen für Überstunden der Mitglieder der professionellen Einheit.
Mitglieder hatten höhere Lohnerhöhungen gefordert
Nach der Ablehnung des ersten Angebots erklärten Speea-Mitglieder in einer internen Umfrage, ihre wichtigste Priorität seien höhere allgemeine Lohnerhöhungen. "Wir haben Sie klar gehört, in Ihren Umfrageantworten und Kommentaren bei den Town-Hall-Treffen. Wir haben Ihre Worte mit an den Verhandlungstisch genommen, und sie haben jedes Gespräch mit den Boeing-Führungskräften geprägt", erklärte das Verhandlungsteam von Speea.
Die vorläufige Einigung sei "nicht alles, was wir gefordert hatten", stelle aber "einen echten Schritt nach vorn dar, um unsere Bezahlung und unser Arbeitsleben zu verbessern und die Beziehung zwischen der Boeing-Führung und den Mitgliedern unserer Gewerkschaft wieder aufzubauen", erklärte das Team weiter.
Vertrag läuft im Oktober aus
Der laufende Tarifvertrag endet am 6. Oktober. Kommt bis dahin keine endgültige Einigung zustande, können die Speea-Mitglieder in den Streik treten. Die Beschäftigten sind für Boeings Bemühungen von Bedeutung, die Boeing 737 Max 10 und die Boeing 777-9 zertifizieren zu lassen. Beide Modelle liegen bereits Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.
Das erste, abgelehnte Angebot hatte allgemeine Lohnerhöhungen von drei Prozent vorgesehen. Mehrere Speea-Mitglieder erklärten, das werde ihre Gehälter nahezu sicher hinter die Inflation zurückfallen lassen. Der Verbraucherpreisindex, ein gängiger Inflationsmaßstab, war in der Region Seattle, in der die meisten Speea-Mitglieder arbeiten, binnen eines Jahres um 4,5 Prozent gestiegen, wie die US-Statistikbehörde BLS im Juli mitteilte.
Seit 2012 hat Speea keinen neuen Tarifvertrag mehr für ihre Mitglieder im Nordwesten der USA mit Boeing ausgehandelt. 2016 und 2020 stimmten die Mitglieder lediglich Vertragsverlängerungen zu.