Turkish Airlines und Korean Air bescheren Boeing zwei Milliardendeals, © Korean Air
Boeing 787-9 von Korean Air © Korean Air
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Boeing steht nach Angaben von vier mit der Sache vertrauten Personen kurz davor, einen ins Stocken geratenen Auftrag von Turkish Airlines über 150 Maschinen des Typs Boeing 737 Max zu retten. Die türkische Fluggesellschaft hatte damit gedroht, aus dem prestigeträchtigen Deal auszusteigen, weil sie sich mit Triebwerkshersteller CFM über die Wartungskonditionen nicht einig war. Der Auftrag könnte nach Angaben von drei der Insider bereits in der kommenden Woche unterzeichnet werden.

Der Auftrag ist Teil eines Gesamtpakets über 225 Flugzeuge, das die Fluggesellschaft und Boeing nach einem Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump 2025 verkündet hatten. Ins Stocken geraten war das Geschäft durch die Forderung von Turkish Airlines nach einem eigenen industriellen Wartungsdeal für die Triebwerke. Boeing und CFM, das dem US-Konzern GE Aerospace und dem französischen Konzern Safran gemeinsam gehört, wollten sich dazu nicht äußern. Turkish Airlines reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Im Kern des Streits steht die Frage, wer das größere finanzielle Risiko bei den langfristigen Triebwerks-Reparaturen trägt, wie es aus Branchenkreisen hieß. Turkish Airlines wollte nach Angaben von Insidern zudem eine eigene Wartungsanlage für die Triebwerke der Boeing 737 Max aufbauen und dafür direkt in die oberste Partnerstufe von CFM aufsteigen, was einen schnelleren Zugang zu neuester Reparaturtechnologie bedeutet hätte. Ob sich beide Seiten auf diese sogenannte "Premier"-Wartungsanlage geeinigt haben, blieb zunächst unklar.

Wenige Wochen nach der Ankündigung des größeren Boeing-Deals hatte Turkish Airlines überraschend gedroht, die 150 Max-Jets aus dem Auftrag zu streichen und stattdessen bei Airbus zu bestellen. Als Grund hatte die Airline den Preisstreit mit CFM genannt. GE-Aerospace-Chef Larry Culp, der die Preispolitik der Triebwerksindustrie wiederholt öffentlich verteidigt hat, verglich die öffentlich ausgetragene Drohung im Oktober 2025 mit dem Versuch, "neue Deals in der Öffentlichkeit auszuhandeln", und beharrte darauf, dass die Preisstrategie von GE den gebotenen Wert widerspiegele.

Zudem hatte ein leitender Turkish-Airlines-Manager auf einer Branchenkonferenz erklärt, die Fluggesellschaft prüfe weiterhin zusätzliche Flugzeugbestellungen, um den schnellen Ausbau ihres Drehkreuzes Istanbul zu unterstützen. Okan Bas, Senior Vice President Finance bei Turkish Airlines, sagte auf der Konferenz der International Society of Transport Aircraft Trading, die Airline prüfe sowohl Regionaljets wie die Embraer E2 oder den Airbus A220 als auch die deutlich größeren Modelle Boeing 777X und Airbus A350-1000. Zu dem ausstehenden Max-Auftrag wollte er sich nicht äußern.

Turkish Airlines gehört mit einer gemischten Flotte von mehr als 400 Flugzeugen von Boeing und Airbus zu den größten Fluggesellschaften der Welt.

Korean Air bestellt 103 Boeing-Flugzeuge fest

Erfolg konnte Boeing bei einem anderen Deal bereits vermelden. Korean Air und Boeing einigten sich auf einen Auftrag: Die südkoreanische Fluggesellschaft hat einen bereits 2025 angekündigten Deal über 103 Flugzeuge des US-Herstellers verbindlich abgeschlossen. Der Auftrag hat nach Listenpreisen einen Wert von 36,2 Milliarden US-Dollar (rund 31,4 Milliarden Euro) und umfasst Großraum- und Frachtflugzeuge sowie Schmalrumpfjets. Das Analysehaus IBA bezifferte den tatsächlichen Marktwert des Auftrags nach üblichen Rabatten auf rund 12,6 Milliarden US-Dollar.

Konkret bestellte Korean Air 20 Maschinen des Typs Boeing 777-9, 25 Boeing 787-10, 50 Boeing 737 Max 10 sowie acht Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777-8. Von den bestellten Mustern ist bislang nur die Boeing 787 für den kommerziellen Passagierbetrieb zugelassen, die Boeing 777-8 Freighter befindet sich noch in der Entwicklung bei Boeing.

Nach Angaben von Korean Air hat das Gesamtpaket einen Wert von 44,8 Milliarden US-Dollar. Es enthält zusätzlich einen Deal über 8,6 Milliarden US-Dollar für den Kauf von 21 Ersatztriebwerken von GE Aerospace und CFM International sowie einen Wartungsvertrag über 15 Jahre für 28 Flugzeuge. Die Airline erklärte, die Investition solle den langfristigen Flottenausbau nach der Integration von Asiana Airlines unterstützen und die Treibstoffeffizienz durch neuere Flugzeugmodelle verbessern.

Das Vorhaben ist nach Angaben von Korean Air das größte in der Geschichte der Fluggesellschaft. Erstmals vorgestellt worden war es während des Besuchs des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung in Washington im vergangenen Jahr. Korean-Air-Chef Cho Won-tae hatte zuvor erklärt, die neueren Flugzeuge sollten der Airline helfen, ihr Streckennetz in die Vereinigten Staaten und nach Lateinamerika auszubauen, wobei rund 80 Prozent der Maschinen bestehende Flotten-Flugzeuge ersetzen sollen. Cho bezeichnete den Abschluss der Vereinbarungen am Mittwoch als bedeutenden Meilenstein und erklärte, die Investition unterstreiche die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea. Boeing erklärte, der Deal sei das Ergebnis bilateraler Handelsgespräche.

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