Airbus verzeichnet trotz geopolitischer Spannungen und Problemen in der Lieferkette keine Abschwächung bei der Nachfrage nach neuen Flugzeugen oder bei den Auslieferungen. Das sagte der Asien-Pazifik-Präsident von Airbus, Anand Stanley, bei einer Präsentation in Hongkong, bei der der Flugzeugbauer seine Marktprognose für die Jahre 2026 bis 2045 mit Schwerpunkt auf die asiatisch-pazifische Region vorstellte.
"Wir sehen weiterhin eine starke Nachfrage", sagte Stanley. Zusätzlich verzeichne der Konzern eine hohe Bereitschaft der Kunden, Flugzeuge abzunehmen, sowie einen deutlichen Anstieg der tatsächlichen Auslieferungen über alle Bereiche hinweg. Das gelte nicht nur für den asiatisch-pazifischen Raum, so Stanley, Airbus liefere auch im Nahen Osten weiterhin aus.
Die Auslieferungen von Airbus sind in diesem Jahr bislang um neun Prozent gestiegen im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres, sagte Stanley.
China muss seine Flotte massiv erneuern
Airbus rechnet in den kommenden 20 Jahren mit einem weltweiten Bedarf von rund 42.000 neuen Flugzeugen. Etwa 45 Prozent davon dürften nach Angaben des Herstellers in die wachstumsstarke asiatisch-pazifische Region ausgeliefert werden.
François Cabaret, bei Airbus für die globale Marktprognose zuständig, sagte bei der Veranstaltung, chinesische Fluggesellschaften hätten einen großen Nachholbedarf bei der Erneuerung ihrer Flotten. Vor der Corona-Pandemie hätten chinesische Airlines jährlich rund 400 Flugzeuge erhalten. Diese Zahl sei bei den drei Herstellern Airbus, Boeing und Comac zusammengenommen seither auf weniger als die Hälfte gesunken, sagte Cabaret.
Laut Airbus-Daten wird China, der größte Einzelmarkt des Konzerns für Verkehrsflugzeuge, in den kommenden 20 Jahren 8830 neue Passagierflugzeuge benötigen. Indien wird demnach 3480 benötigen, die übrige asiatisch-pazifische Region 6880.
Wachstumstempo in Asien verschiebt sich
Die Prognose zeigt zudem ein unterschiedliches Wachstum innerhalb Asiens. Der Flugverkehr in der Region soll den kommenden 20 Jahren zufolge jährlich um 5,1 Prozent zunehmen. Indien bleibt demnach der weltweit am schnellsten wachsende Markt für Flugreisen. Airbus hob die Wachstumsprognose für Indiens Inlandsverkehr auf 9,3 Prozent von zuvor 8,9 Prozent an, die Prognose für China senkte der Konzern dagegen auf 4,7 Prozent von zuvor 5,4 Prozent.
Die Herabstufung bei China liegt nach Einschätzung Cabarets an makroökonomischen Faktoren und nicht an einer strukturellen Überkapazität.
Cabaret sagte, die weltweite Urbanisierung verlagere sich zunehmend auf kleinere und sekundäre Städte. In den kommenden 20 Jahren dürften demnach rund 600 neue kleine und mittelgroße Städte entstehen, von denen jede zusätzliche Flughafeninfrastruktur und neue Streckennachfrage erzeuge.
Der kleinere Airbus A220 hat nach Angaben Stanleys bereits mehr als 400 neue Strecken weltweit ermöglicht und könnte im asiatisch-pazifischen Raum weitere 800 Städteverbindungen erschließen. Der Airbus A321 XLR könnte in der Region mehr als 2200 neue potenzielle Strecken eröffnen, weil er die Reichweite eines Großraumflugzeugs mit einem Schmalrumpfflugzeug verbindet.