Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Boeing eine Ausnahme von den ab 2028 geltenden Emissionsvorschriften für Flugzeuge gewährt. Der Flugzeugbauer darf damit auch nach dem 1. Januar 2028 noch drei Jahre lang bis zu 35 weitere Frachtflugzeuge des Typs Boeing 777F verkaufen – Geschäfte, die durch die neuen Vorschriften eigentlich untersagt worden wären.
Boeing hatte die Ausnahme im Dezember 2025 beantragt und dabei eine starke Kundennachfrage sowie Verzögerungen bei der Zulassung des Nachfolgemodells als Begründung angeführt.
Die Boeing 777F ist derzeit das einzige in Produktion befindliche große Großraum-Frachtflugzeug. Der Nachfolger, die Boeing 777-8F, deren Produktion bereits begonnen hat, soll nach Unternehmensangaben voraussichtlich erst um das Jahr 2029 in Dienst gestellt werden. Ohne die Ausnahme hätte Boeing nach eigenen Angaben mit einer Lücke in der Frachtflugzeugproduktion rechnen müssen, die nach Unternehmensschätzung mehr als 15 Milliarden US-Dollar an US-Exporten hätte kosten können.
Die FAA erklärte, sie verschaffe Boeing damit Flexibilität und trage der Unsicherheit im Zulassungszeitplan des Ersatz-Frachtflugzeugs, der 777-8F, Rechnung.
Vorschriften aus der Amtszeit Bidens
Hintergrund ist eine Regelung aus der Amtszeit des früheren Präsidenten Joe Biden. Die FAA hatte im Februar 2024 endgültige Vorschriften erlassen, mit denen internationale Standards zur Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen der meisten großen Flugzeuge im US-Luftraum übernommen wurden. Diese Vorschriften hätten den Verkauf der 777F ab 2028 verboten. Für Flugzeuge, die bereits vor diesem Datum in Dienst gestellt wurden, gelten sie nicht.
Boeing begrüßte die Entscheidung der FAA. Die 777F sei das treibstoffeffizienteste Flugzeug für den globalen Frachtmarkt und das einzige in Produktion befindliche große Großraum-Frachtflugzeug, erklärte der Flugzeugbauer. Die Entscheidung unterstütze Frachtfluggesellschaften dabei, die wachsende Nachfrage nach Luftfracht mit dem nach Unternehmensangaben effizientesten derzeit im Dienst stehenden großen Frachtflugzeug zu bedienen.
Nach Unternehmensangaben trägt jeder Export einer 777F zum Listenpreis an einen ausländischen Kunden 440 Millionen US-Dollar zu einer positiven US-Handelsbilanz bei. Ohne die Ausnahme habe der Verlust von mehr als 15 Milliarden US-Dollar an Exporten gedroht.
Boeing rechnet damit, die erste 777-8F etwa zwei Jahre nach der ersten Auslieferung der 777-9 auszuliefern, die derzeit für 2027 vorgesehen ist.
Ausnahme reiht sich an 767-Regelung
Bereits 2024 hatte der US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, das Boeing erlaubt, das Frachtflugzeug 767 in den USA für weitere fünf Jahre bis 2033 zu bauen – ebenfalls ausgenommen von den ab 2028 greifenden Effizienzvorschriften der FAA.
Die FAA hatte zuvor mitgeteilt, dass zivile Flugzeuge für neun Prozent der Emissionen im US-Verkehrssektor und für zwei Prozent der gesamten US-Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich seien. Unter Biden hatte die US-Regierung einen Klimaaktionsplan vorgestellt, der bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen im US-Luftverkehrssektor zum Ziel hat.
Die zusätzlichen 35 Flugzeuge könnten den weltweiten Frachtflugverkehr nach FAA-Angaben um etwa zwei Prozent steigern und den Treibstoffverbrauch gegenüber dem weltweiten Frachtflugbetrieb des Jahres 2024 um etwa acht Prozent erhöhen.