Boeing muss beim Großraumjet 777X nach jahrelanger Verspätung mit weiteren Verzögerungen rechnen. Vorstandsvorsitzender Kelly Ortberg sagte bei einer Konferenz der Bank Morgan Stanley, einzelne Tests könnten sich ins Jahr 2027 verschieben. Als Grund nannte er die noch ausstehende Zulassung der Triebwerke von GE Aerospace. Dennoch plane Boeing weiterhin, die ersten Maschinen des Typs 2027 auszuliefern.
Damit liegt die 777X bereits sieben Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.
An den Triebwerken vom Typ GE9X hatten sich bestimmte Dichtungen als nicht ausreichend haltbar erwiesen. Nach Angaben eines Sprechers von GE Aerospace ist die Ursache inzwischen bekannt. Das Unternehmen habe bereits im August die ersten Einheiten mit verbesserten Dichtungen ausgeliefert und sehe einer Inbetriebnahme 2027 erwartungsvoll entgegen.
Erstkundin der 777X ist die Lufthansa. Die Fluggesellschaft wartet bereits seit Jahren auf die Auslieferung der Maschinen.
Die Boeing-Aktie geriet im späten US-Handel nach den Aussagen unter Druck.
737-Max-Produktion bleibt ebenfalls verzögert
Bei derselben Konferenz äußerte sich Ortberg auch zur 737 Max: Es dauere länger als erwartet, die Produktionsrate beim Zielwert von 47 Maschinen pro Monat zu stabilisieren. Nach diesen Aussagen fiel die Boeing-Aktie zunächst um 2,25 Prozent, auch zum Handelsschluss blieb sie im Minus.
Eine höhere Auslieferungsrate der gefragten Schmalrumpfmaschine gilt als entscheidend für die finanzielle Erholung des Konzerns. Boeing weist nach Jahren der Krisen eine Nettoverschuldung von knapp 26 Milliarden US-Dollar auf, der Ruf des Unternehmens ist angeschlagen.
Boeing habe es nicht geschafft, die Tragflächen für die 737 schnell genug zu produzieren, um die höhere Rate von 47 Maschinen pro Monat durchgängig zu bedienen, sagte Ortberg.
Um die Produktion 2027 auf 52 Maschinen pro Monat zu steigern, müsse Boeing die Fertigung der Tragflächen beschleunigen und die neue 737-Fertigungslinie in Everett im US-Bundesstaat Washington zertifizieren lassen. Die Lieferkette könne den Schritt unterstützen, fügte er hinzu.
Ortberg sagte zudem, die größte Variante der Boeing 737 Max, die 737 Max 10, werde "sehr bald" zertifiziert. Die Zertifizierung des Musters liegt bereits mehrere Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück und macht rund 30 Prozent aller 737-Bestellungen aus. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im August bereits die kleinste Variante, die 737 Max 7, zertifiziert.
787-Fertigung und gesenkte Cashflow-Prognose
Neben der unregelmäßigen 737-Produktion verzögert sich auch Boeings Plan, die Fertigung der 787 auf zehn Maschinen pro Monat zu steigern. Grund seien Engpässe bei Triebwerken, sagte Ortberg.
Das Unternehmen produziere derzeit acht der Großraumflugzeuge pro Monat, die schleppende Zertifizierung von Premiumsitzen habe die Auslieferungen aber verringert, sagte er.
"Ich glaube, ihr werdet weiterhin sehen, dass wir – selbst wenn wir mit acht Maschinen pro Monat eine recht gute Rollout-Rate erreichen – bei der monatlichen Auslieferung der 787 etwas unregelmäßig bleiben", sagte Ortberg.
Die langsameren Produktionssteigerungen bei der 737 und der 787 bedeuteten, dass Boeing das im Januar in Aussicht gestellte obere Ende der Prognose von drei Milliarden US-Dollar freiem Cashflow wohl verfehle. Stattdessen sei mit dem Mittelwert der Prognose von zwei Milliarden US-Dollar zu rechnen, sagte Finanzvorstand Jay Malave.
Zurückhaltung bei China und Southwest als erste Max-7-Kundin
Ortberg dämpfte zudem Erwartungen von Branchenanalysten, wonach China bei einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in der kommenden Woche in Washington eine weitere Boeing-Bestellung ankündigen könnte.
China hatte bei einem Treffen im Mai in Peking bereits eine Bestellung über 200 Flugzeuge zugesagt.
Bei einem separaten Auftritt auf der Konferenz sagte Tom Doxey, Finanzvorstand der Southwest Airlines und damit der Fluggesellschaft, die als Erstkundin die 737 Max 7 übernehmen soll, die ersten Auslieferungen sollten gegen Ende 2026 beginnen. Der Einsatz im Liniendienst werde Anfang 2027 erwartet.
Boeing habe bereits 27 Maschinen des Typs 737 Max 7 für Southwest gebaut und bereite sie auf die Auslieferung vor, sagte Doxey.