Vertreter der Luftfahrtbranche am Persischen Golf haben auf der britischen Farnborough Airshow betont, dass die Region trotz des eskalierenden Nahost-Konflikts weiterhin für Geschäfte offen sei. Emirates-Präsident Tim Clark sagte "Reuters" am Rande der Messe, seine Fluggesellschaft fliege derzeit mit 90 Prozent Auslastung, die Premium-Kabinen seien ausgebucht.
"Solange die Lage, so schlecht sie im Moment auch ist, beherrschbar bleibt, können wir das fortsetzen, was wir tun", sagte Clark.
Die USA griffen in der Nacht zum Dienstag zum zehnten Mal in Folge Ziele im Iran an, während der Iran seinerseits Ziele der USA in Bahrain, Kuwait und Jordanien beschoss. Ein im vergangenen Monat unterzeichnetes, brüchiges Friedensabkommen liegt damit in Trümmern.
Die europäische Luftfahrtsicherheitsbehörde EASA hatte in der vergangenen Woche ihre Empfehlung verlängert, den Luftraum der Region bis zum 29. Juli zu meiden. Fluggesellschaften am Golf verzeichnen seit Beginn des Kriegs zwischen Israel, den USA und dem Iran am 28. Februar Rückgänge beim Passagieraufkommen, einige haben ihre Kapazitäten reduziert, um sich vor steigenden Kosten zu schützen. Zuletzt hatte ein Waffenstillstand den Golf-Airlines Hoffnung auf eine Erholung gegeben.
Regionale Airline-Chefs werben um Vertrauen
Auf der Messe in Farnborough betonten Branchenvertreter dennoch, dass das Geschäft am Golf robust laufe. "Je näher man am Zentrum des Golf-Betriebs ist, desto normaler stellt man fest, dass die Dinge tatsächlich sind", sagte Paul Griffiths, Chef von Dubai Airports.
Qatar Airways sagte ihre Teilnahme an der Messe nach dem Tod des früheren Emirs Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani ab, auch Etihad-Chef Antonoaldo Neves zog seine Teilnahme zurück. Das Passagieraufkommen habe sich für viele der wichtigsten Fluggesellschaften der Region in den vergangenen Wochen dennoch stetig erholt, sagte Clark. Man müsse "positiv denken, positiv handeln, positiv sein", wenn es um die Erholung der Region gehe.
Clark bekräftigte, Emirates plane nicht, Bestellungen zu verschieben. Auch die Ambitionen, 2032 einen neuen Flughafen in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu eröffnen, blieben bestehen. Griffiths bestätigte, dass der neue Flughafen in Dubai weiterhin zum geplanten Termin eröffnet werden solle.
Kritik an Boeing und Triebwerksherstellern
Clark nutzte den Auftritt in Farnborough zugleich, um Frust über Verzögerungen bei Flugzeugen und Triebwerken zu äußern. Emirates erwarte die Auslieferung der Boeing 777-9 nun im zweiten Quartal 2027, sagte er Journalisten. Die Verzögerungen bedeuteten aus seiner Sicht, dass das Großraumflugzeug technologisch überholt zu sein drohe, noch bevor es überhaupt ausgeliefert werde.
"Irgendwann müssen wir einen Schlussstrich ziehen", sagte Clark. "Wir hätten sie eigentlich im April 2020 bekommen sollen [...], wenn wir sie also im zweiten Quartal 2027 bekommen, ist das unter allen Umständen schon eine ziemliche Hausnummer." Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte "Reuters" mitgeteilt, sie erwarte die Zertifizierung des Flugzeugs spät in diesem oder Anfang kommenden Jahres. Bereits zuvor hatte Clark erklärt, Emirates erwarte die erste Boeing 777X bis Juni 2027.
Clark forderte die Flugzeughersteller zugleich auf, auch nach der Markteinführung der Boeing 777-9 weiter in neue Technologien zu investieren und ambitionierter zu bleiben. "Mein Vermächtnis wäre es, die Hersteller vom Mittelalter ins späte 20. und frühe 21. Jahrhundert zu bewegen", sagte er. Seine Aussagen standen im Kontrast zu jenen anderer Airline-Chefs, die zuvor davor gewarnt hatten, eine neue Flugzeuggeneration zu entwickeln, bevor bestehende Programme ausgereift seien.
Auch die Triebwerkshersteller bekamen Kritik zu hören: Steigende Kosten und Verzögerungen bei der Wartung würden inzwischen den Betrieb der Emirates beeinträchtigen. "Es gab einige ziemlich massive Preiserhöhungen der Triebwerkshersteller", sagte Clark. "Die langsame Abwicklung der Triebwerkswartung und die verzögerte Rückführung in die Flugzeuge fangen an, uns wehzutun. Es ist nicht hinnehmbar, dass 28 Triebwerke in unserem Hangar auf die Überholung warten." CFM, kündigte unterdessen Investitionen von zwei Milliarden Dollar in schnellere Wartung an.
Bereits im Juni hatte Clark gegenüber "Reuters" erklärt, es gebe bislang zu wenig Fortschritte bei Haltbarkeitsproblemen der Rolls-Royce-Triebwerke für die Airbus A350-1000, und die Branche stehe insgesamt im Streit mit Triebwerksherstellern über Preise und Lieferverzögerungen.