Emirates erwartet die Auslieferung ihrer ersten Boeing 777X im Mai oder Juni des kommenden Jahres. Das sagte Emirates-Präsident Tim Clark am Rande einer Branchenkonferenz in Berlin gegenüber Reuters.
"Es kann immer etwas schiefgehen – aber es sieht gut aus", sagte Clark. Die Auslieferung käme 14 Jahre nach den ersten Bestellungen für den 400-sitzigen Jet. Die Entwicklung des von General Electric angetriebenen Flugzeugs hatte sich jahrelang verzögert, unter anderem wegen Zulassungsproblemen.
Emirates ist der weltgrößte Käufer von Großraumflugzeugen und hat wiederholt die langen Verzögerungen bei Boeings größtem Modell kritisiert. Parallel blockiert ein ungeklärtes Triebwerksproblem eine mögliche Bestellung des Airbus A350-1000: Das Rolls-Royce-Triebwerk Trent XWB-97 zeige in den heißen und sandigen Bedingungen am Golf übermäßigen Verschleiß.
Emirates werde den Typ nicht bestellen, bis dieses Problem gelöst sei. "Die Geschichte des XWB-97 ist, wie sie war. Ich weiß, dass Rolls-Royce hart daran arbeitet, es zu lösen", sagte Clark.
Kritik an Rolls-Royce-Vergütung
Clark übte zudem Kritik an einem Vergütungspaket von potenziell mehr als 100 Millionen Pfund (rund 115 Millionen Euro) für Rolls-Royce-Chef Tufan Erginbilgic. Erginbilgic wird eine grundlegende Neuausrichtung des Konzerns zugeschrieben, die einen deutlichen Gewinn- und Kursanstieg ausgelöst hat. Rolls-Royce wollte sich zu dem Vergütungspaket nicht äußern.
Zu Clarks Triebwerkskommentaren erklärte ein Unternehmenssprecher, das Technologie-Upgrade-Programm für den Trent XWB-97 verbessere Haltbarkeit und Standzeit. Die Verbesserungen würden die Haltbarkeit in heißen und staubigen Umgebungen verdoppeln und in anderen Umgebungen um 50 Prozent steigern. Rolls-Royce investiere zudem bis 2030 in den Ausbau seiner Wartungs- und Überholungskapazitäten.
Branchenstreit über Preise und Lieferverzögerungen
Clark zeigte wenig Verständnis für Triebwerkshersteller, die mit der Nachfrage nicht Schritt halten und Flugzeuge am Boden lassen. "Ich kann meiner Regierung nicht sagen, dass wir nicht fliegen können, weil uns die Triebwerke fehlen – das würde mich den Job kosten. Es ist hart, aber das ist die Realität: Sie alle müssen besser werden.", sagte Clark.
IATA hatte Triebwerkshersteller am Wochenende beschuldigt, Airlines bei Ersatzteilpreisen zu "schröpfen". Die Hersteller verweisen ihrerseits auf erhebliche finanzielle Risiken bei der Entwicklung effizienterer Triebwerke sowie auf Lieferkettenprobleme. Die Versorgungsengpässe seien nicht sein Problem, sondern das der Hersteller, sagte Clark.