Der US-Flugzeugbauer Boeing entwickelt nach Informationen des "Wall Street Journals" ein neues Kurzstreckenflugzeug, das die 737 ablösen soll. Das Projekt befinde sich in einer frühen Planungsphase, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Der Konzern arbeite aber bereits am Design für das neue Schmalrumpfflugzeug, wie das "Wall Street Journal" weiter berichtet. Endgültige Entscheidungen seien noch nicht getroffen worden.
Boeing-Chef Kelly Ortberg führte dem Bericht zufolge allerdings bereits Gespräche mit Vertretern von Rolls-Royce über ein neues Triebwerk für das geplante Flugzeug. Die Unterredungen fanden demnach Anfang des Jahres statt. Rolls-Royce hatte zuletzt angekündigt, in den Markt für Mittelstreckenjets zurückkehren zu wollen.
Damit reagiert Boeing auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch Airbus, der bereits konkretere Pläne für einen A320-Nachfolger vorgelegt hatte.
Wettlauf um nächste Flugzeuggeneration
Beide großen Flugzeugbauer stehen vor der Herausforderung, ihre Bestseller-Modelle zu erneuern. Airbus-Chef Guillaume Faury hatte den Nachfolger der A320-Familie als "wahrscheinlich die nächste große Sache auf der Agenda" bezeichnet. Der europäische Konzern plant die Indienststellung zwischen 2035 und 2040.
Das neue Flugzeug soll mit Open-Rotor-Triebwerken ausgestattet werden und 25 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als die heutigen Neo-Modelle.
Airbus führte dazu bereits Testläufe mit CFM International durch, um Leistung und Zertifizierung der neuen Triebwerksgeneration zu bewerten. CFM konkurriert dabei mit Pratt & Whitney um die Entwicklung effizienter Antriebssysteme für die nächste Flugzeuggeneration. nun kommt auch Rolls-Royce dazu.
Priorität auf Altlasten-Bewältigung
Boeing teilte dem "Wall Street Journal" mit, der Sanierungsplan des Unternehmens bleibe parallel zur Neuentwicklung auf Kurs. Die Prioritäten lägen auf der Auslieferung von rund 6000 bestellten Verkehrsflugzeugen aus dem Auftragsbestand sowie der Zertifizierung bereits angekündigter Modelle.
Die 737 Max war 2017 in Dienst gestellt worden. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Todesopfern verhängten Luftfahrtbehörden weltweit 2019 Startverbote für die neueste Iteration der 737. Die Unglücke führten zu massiven Gewinneinbußen bei Boeing und lösten Klagen, Untersuchungen sowie strafrechtliche Ermittlungen durch das US-Justizministerium aus.
Boeing steht weiterhin unter verschärfter behördlicher Kontrolle. Anfang 2024 begrenzte die FAA die Produktion auf 38 Maschinen vom Typ 737 Max pro Monat. Hintergrund war ein "Door-Plug"-Zwischenfall während eines Fluges von Alaska Airlines. An einer neuen Maschine fehlten vier Bolzen, wie sich später herausstellte.
Vergangenen Freitag gestattete die FAA Boeing erstmals seit 2019 wieder, ab dieser Woche eigenständig Lufttüchtigkeitszertifikate für einige 737-Max-Jets auszustellen.