"Dann kam oben drauf noch die Tragödie von Air India 171...", © Air India
Campbell Wilson © Air India
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Vom Sanierungsfall zum modernen Hoffnungsträger: Das ist die Geschichte, die Air India gern erzählen möchte. Doch die Verhältnisse machen ihr das Leben aktuell schwer – vielfältige Konflikte und Luftraumsperrungen schränken ihre Bewegungsfreiheit stark ein. Das Verhältnis Indien–USA ist angespannt, der wichtigste Markt von Air India unter Druck. Gleichzeitig kommen die neuen Flugzeuge viel später als erhofft. Darüber, wie er mit den aktuellen Krisen und den Folgen des Absturzes von AI171 vor einem Jahr umgeht und worauf er in der Kooperation mit Lufthansa hofft, hat Campbell Wilson im Gespräch mit airliners.de gesprochen.

airliners.de: Ihr Vertrag läuft auf eigenen Wunsch zum 30. September aus, warum verlassen Sie Air India, wo viele Veränderungen noch nicht abgeschlossen sind?

Campbell Wilson: Wir haben in den letzten vier Jahren viel Arbeit in Air India gesteckt und viel erreicht. Natürlich will ich dort weiteren Fortschritt sehen und noch mehr harte Arbeit, deshalb gestalte ich mein Ausscheiden konstruktiv und werde einen Nachfolger noch einarbeiten.

Dass ich nach vier Jahren in Indien aufhöre war immer eine Verabredung mit meiner Frau, die mit mir nach Indien gegangen ist. Das war das für sie akzeptable Zeitlimit. Es war eine großartige Zeit, die wir sehr genossen haben, Indien ist ein tolles Land, aber jetzt wollen wir Zeit in Neuseeland, Singapur und anderswo verbringen.

Haben Sie das Gefühl, ein unvollendetes Projekt zu hinterlassen?

Ich denke es ist der richtige Zeitpunkt für mich. Wir haben sehr viele Dinge eingeführt und viele Einrichtungen verändert: Systeme, Prozesse, Leute, die Firmenkultur und das Produkt, das jetzt herauskommt. Vieles ist nun auf einem guten Stand.

Aber es wird vielleicht noch ein Jahr dauern, bis wir massive Zuläufe neuer Flugzeuge sehen, hundert Flugzeuge haben wir seit der Privatisierung bereits dazubekommen. Eine große Zahl aus der Anfangsbestellung von 470 Flugzeugen kommt erst ab Mitte 2027.

Jetzt ist also eine gute Zeit des Übergangs zum neuen Firmenchef für die kommenden vier Jahre, das wird eine Herausforderung, aber anders als in den vergangenen vier Jahren.

Was muss Ihr Nachfolger jetzt in den Fokus nehmen?

Als nächster Schritt muss die Beständigkeit verbessert und einiges mehr an Finetuning vorgenommen werden. Das Fundament ist gelegt, um zu wachsen und die Ambition an Größenordnung und Reichweite umzusetzen, die wir uns vorgenommen haben.

Dauern Veränderungen in Indien besonders lange im Vergleich zu anderen Ländern?

Das mögen manchen denken, aber in Indien lassen sich Veränderungen viel schneller umsetzen als anderswo. Die meisten Turnarounds großer Airlines dauern ein Jahrzehnt oder so, das haben mir auch Kollegen bei Lufthansa bestätigt. Ich habe unserem Chairman gesagt, das wird fünf bis sieben Jahre dauern, bisher waren es bei uns knapp fünf, und ein paar Jahre dauert es noch.

Es ist unglaublich, wie schnell in Indien Dinge passieren können. Die Leute sind von Natur aus anpassungsfähig und auf Wachstum fokussiert. Unser Ziel war die Wiedergeburt einer nationalen Ikone, der 94-jährigen Air India, das hat alle motiviert. Es erlaubte uns, Dinge mit einer Geschwindigkeit und in einer Größenordnung zu verändern, wie es anderswo niemals möglich gewesen wäre. Diese "Can Do"-Haltung hatte ich nicht erwartet und auch vorher noch nicht erlebt.

Was wir nicht eingeplant hatten, waren die erheblichen Verspätungen unserer Sitzlieferanten wegen der Lieferkettenprobleme, das hat unsere Kabinenerneuerung verlangsamt. Auch die Lieferung neuer Flugzeuge lief langsamer und damit unsere geplante Flottenerneuerung.

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Campbell Wilson, © Air India
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"Dann kam oben drauf noch die Tragödie von Air India 171..."

Abschieds-Interview Air India hat sich vom Sanierungsfall zur modernen Großairline gewandelt – doch gleichzeitig häufen sich die Krisen: geschlossene Lufträume, gestiegene Treibstoffpreise und der Absturz von AI171. Der scheidende CEO Campbell Wilson erklärt im Interview mit airliners.de, wie die Airline damit umgeht.

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Warten auf den Flieger nach Haneda, © Privat/Andreas Sebayang
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Wenn eine Airline aktiv bei der Entschädigung hilft

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