Liebe Leserinnen und Leser,
vier Jahre Air India – und am Ende doch nicht das Drehbuch, das Campbell Wilson sich erhofft hatte. Im Zentrum dieser Ausgabe steht das Abschiedsinterview, das Andreas Spaeth mit dem scheidenden Air-India-CEO geführt hat. Wilson zeichnet darin nach, wie aus dem Sanierungsfall eine moderne Großairline geworden ist – 9000 Mitarbeiter gingen, 12.000 kamen, das Durchschnittsalter sank von 54 auf 35 Jahre, 140 IT-Systeme wurden ersetzt. Und doch überlagert vieles diesen Wandel: geschlossene Lufträume über Pakistan, Trumps Zölle und Visa-Restriktionen, der neue Golfkrieg – und dann, wie Wilson selbst sagt, "oben drauf noch die Tragödie von Air India 171". Ein Gespräch, das zeigt, wie wenig eine Airline heute aus eigener Kraft steuern kann, wenn die Geopolitik um sie herum eskaliert.
Wie unterschiedlich Fluggesellschaften mit den Folgen von Verspätungen umgehen, beschreibt unser Digital Passenger Andreas Sebayang am Beispiel der ANA: In Japan kam die SMS mit dem Entschädigungsformular, bevor der verspätete Dreamliner überhaupt gelandet war – das Geld auf dem deutschen Konto folgte binnen einer Woche. Ein Kontrast, der nicht zufällig in eine Woche fällt, in der auch die EU-Fluggastrechtereform ihre nächste Runde dreht.
Linus Benjamin Bauer wiederum seziert in den "Standpunkten", warum der Widerstand der Lufthansa gegen zusätzliche Emirates-Rechte am BER weniger mit Wettbewerbsschutz zu tun hat als mit Margenschutz – und welche Folgen das für Berlin, Brandenburg und die industriell wiedererstarkten neuen Bundesländer hat. Und in seiner Kolumne "Die Mobilitätsformel" rechnet Klaus Radermacher vor, warum batterieelektrisches Fliegen auf der Langstrecke auf absehbare Zeit Illusion bleibt und an SAF schlicht physikalisch kein Weg vorbeiführt.
In den "Gedankenflügen" widme ich mich diese Woche der Condor: Während CEO Peter Gerber auf den Bühnen der Branche unermüdlich präsent ist, beantwortet die Pressestelle Fragen zur laufenden Partnersuche mit ungewöhnlicher Herablassung. Was sich hinter dieser Dünnhäutigkeit verbergen könnte und welche Rolle die estnische Schwester Marabu im sich abzeichnenden Frankfurter Zubringerkonzept spielt – darüber lohnt der zweite Blick.
Ich danke Ihnen, dass Sie airliners+ abonniert haben und uns damit unterstützen, diese Themen fundiert aufzubereiten. Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr
David Haße
Herausgeber airliners.de