Lot wirft Boeing Täuschung beim 737-Max-Verkauf vor, © Lufthansa Technik
Boeing 737 Max 8 von Lot Polish Airlines © Lufthansa Technik
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Boeing hat beim Verkauf der 737 Max an Lot Polish Airlines sicherheitsrelevante Probleme des Flugzeugs bewusst verschwiegen – das wirft die polnische Fluggesellschaft dem US-Flugzeugbauer in einem Verfahren vor dem US-Bezirksgericht in Seattle vor.

Die Airline klagt auf Schadensersatz für Umsatzverluste, die ihr durch die weltweite Betriebsuntersagung der 737 Max entstanden sind.

"Dieser Fall handelt von Boeings Lügen und Täuschungen und dem verheerenden finanziellen Schaden, den sie Lot zugefügt haben", sagte Anwalt Anthony Battista in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag.

Piloten-Training als zentrales Versprechen

Lot hatte sich 2016 für das Leasing von 15 Boeing 737 Max entschieden, als die Airline sich finanziell in einer schwierigen Lage befand. Ein entscheidender Faktor war laut dem früheren Lot-Manager Maciej Wilk die Zusage, dass für den Wechsel auf die 737 Max – anders als beim Umstieg auf den Konkurrenten Airbus A320 Neo – kein aufwendiges und kostspieliges Simulator-Training nötig sei.

Boeing warb damals aggressiv um Aufträge für die 737 Max, die im direkten Wettbewerb mit der Airbus-A320-Neo-Familie stand. Umfangreiches Simulator-Training hätte die Gesamtkosten für Kunden erheblich verteuert.

Zur selben Zeit arbeiteten Boeing-Ingenieure an einem Softwaresystem namens MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System), das ein unerwünschtes Aufnicken der Maschine unter bestimmten Bedingungen automatisch korrigieren sollte.

Gegenüber der US-Luftfahrtbehörde FAA verheimlichte Boeing nach Ansicht von Lot jedoch das tatsächliche Ausmaß des Systems – mit dem Ziel, aufwendige Pilotenumschulungen zu vermeiden.

MCAS bei zwei Abstürzen ursächlich

Das MCAS spielte eine zentrale Rolle bei zwei Abstürzen, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben kamen: dem Absturz von Lion Air Flug 610 im Oktober 2018 und dem Unglück der Ethiopian Airlines Flug 302 im März 2019. Nachdem die Unfallursache bekannt wurde, verhängten Luftfahrtbehörden weltweit ein Startverbot für die 737 Max. Lot stellte die Maschinen daraufhin ebenfalls am Boden, nachdem Boeing der Airline zuvor versichert hatte, das Flugzeug sei sicher.

Nach 20 Monaten Betriebsuntersagung erteilten die Behörden die Freigabe für ein überarbeitetes MCAS und ein erweitertes Pilotentraining. Lot nahm die Maschinen anschließend wieder in Betrieb – was Boeings Anwalt in seiner Eröffnung als Widerspruch zur Klage wertete: "Verhält sich so das Opfer eines millionenschweren Betrugsskandals?"

Erster Airline-Prozess nach Max-Abstürzen

Lot reichte die Klage 2021 ein und ist damit die erste Fluggesellschaft, die Boeing wegen der 737-Max-Abstürze vor Gericht bringt. Boeing hat nach eigenen Angaben bereits Milliarden Dollar an die Familien der Absturzopfer gezahlt. Mit zahlreichen Fluggesellschaften erzielte der Hersteller außergerichtliche Einigungen, deren Summen nicht öffentlich bekannt sind.

Parallel läuft eine Aktionärs-Sammelklage gegen Boeing, die ein US-Bundesrichter im März 2026 zugelassen hat – ebenfalls mit dem Vorwurf, der Konzern habe Sicherheitsmängel der 737 Max bewusst verschwiegen.

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